Die Ausgangslage könnte für das vermeintliche Liga-Topspiel ungleicher nicht sein: Während der EHC Olten nach Verlustpunkten auf Platz zwei rangiert, dümpelt der National-League-Absteiger und Wiederaufstiegs-Aspirant Kloten auf Platz acht herum. Auf drei Saisonstart-Siege folgten zuletzt sechs Niederlagen in Folge – der EHC Kloten in der Krise!

Doch so einseitig, wie dies derzeit auf dem Papier auszusehen vermag, wird die Angelegenheit heute Abend, ab 19.45 Uhr in Kloten kaum sein. Und vor allem kämpft auch der sich auf einer Gratwanderung befindende EHC Olten mit seinen lieben Problemchen.

Allen voran werden bislang die beiden Ausländer Bryce Gervais und Cason Hohmann den Erwartungen nicht gerecht. Zu wenig prägen sie das Oltner Spiel, zu wenig konsequent sind sie im Abschluss, zu unsicher ist ihr Spiel am Stock, was viele unnötige Puckverluste und gefährliche Fehlpässe mit sich bringt.

Doch wie denken sie selber über ihr erstes Meisterschaftsviertel im Dress des EHC Olten? «Ich bin zufrieden mit meiner Defensivarbeit. Es macht mich stolz, zu wissen, dass wir nur wenige Tore bekommen. Aber ich muss offensiv noch mehr kreieren und meinem Spiel vertrauen», bilanziert Bryce Gervais seine ersten zehn EHCO-Spiele und fügt zu seiner langwierigen Handverletzung an: «Es ist schon ein wenig schwieriger, wenn man sich mit einer Verletzung herumschlägt. Es behindert mich aber nicht mehr und ich bin bald wieder in Vollbestand meiner Kräfte», sagt Gervais. Das soll keine Entschuldigung sein, ergänzt er. «Ich weiss, dass ich mehr bringen muss. Und ich weiss, dass ich mehr kann», sagt er selbstkritisch.

   

Vollstes Vertrauen vom Klub

Und Cason Hohmann sagt: «Auch wenn wir noch immer in der Findungsphase sind in unserer ersten Saison in der Schweiz, bin ich der Meinung, dass wir schon viele gute Spiele gezeigt haben. Gerade im Cup gegen Rapperswil konnten wir viele Chancen kreieren und haben gezeigt, dass wir auch gegen Teams aus der Topliga bestehen können.»

Ganz allgemein lässt er durchblicken, dass er kritische Stimmen sehr wohl mitbekomme und wahrnehme. Er hat sich deshalb auch schon zu einem Kommentar auf einen kritischen Artikel über sich in den sozialen Medien hinreissen lassen. «Natürlich ist es schöner, wenn die Leute deine Leistungen schätzen und würdigen. Aber man muss auch wissen, dass Bryce und ich in ein uns fremdes Land gekommen sind, um tagtäglich unser Bestes zu geben und für den Verein erfolgreich zu sein.»

Er finde es ganz grundsätzlich nicht fair, wenn Spieler neun von zehn Sachen richtig machten und dann das fehlende Puzzleteil im Zentrum der Kritik stünde. «Ich verstehe, dass von uns besonders viel verlangt wird. Aber wir sind dennoch ein Teil eines besonders ausgeglichenen Teams. Wir haben so gute Schweizer Spieler in unseren Reihen, dass nicht nur alles an uns hängt. Wir machen als Team einen sehr guten Job», so Hohmann, während Gervais sich kämpferisch gibt: «Ich liebe es, hier in Olten zu spielen. Die anspruchsvollen Fans motivieren mich. Das gibt mir Schwung, noch mehr aus mir herauszuholen.»

Cason Hohmann

Cason Hohmann

EHCO-Sportchef Marc Grieder, der sich insbesondere Gervais bereits zur Brust genommen hat, möchte in der ganzen Angelegenheit festhalten, dass die beiden EHCO-Ausländer auf das Vertrauen des Klubs zählen dürfen.

«Es ist so, dass wir – genauso, wie sie von sich selber – eine Steigerung von ihnen erwarten. Aber wir vertrauen ihnen auf diesem Weg voll und ganz, dass wir sie auf ein Niveau bringen können, wo wir sie gerne hätten», erklärt Grieder.

Das zeigen auch die Eiszeiten der beiden Ausländer. Trainer Chris Bartolone setzt weiterhin auf die beiden Imports. Auch in Kloten sind die Augen wieder mal auf Gervais und Hohmann gerichtet.