«Ich gehörte zum Inventar»

Sprinterin Fabienne Weyermann über ihren Rücktritt.

Sprinterin Fabienne Weyermann über ihren Rücktritt.

Leichtathletik Sprinterin Weyermann aus Leimiswil über ihren Rücktritt

11 Schweizer-Meister-Titel bei den Aktiven und ein 5.Rang an den U23 EM von 2005. Fabienne Weyermann hat in ihrer Karriere viel gewonnen. Welche Sportarten sie nach dem Rücktritt treibt und warum sie sich über die Festtage nicht den Bauch vollgeschlagen hat.

Fabienne Weyermann, jetzt konnten Sie am Weihnachtsbuffet endlich mal hemmungslos zuschlagen, oder?

Fabienne Weyermann: Im Gegenteil. Jetzt kann ich die Kilos nicht mehr so einfach wegtrainieren, darum habe ich sogar weniger geges-
sen als zu Spitzensportler-Zeiten. Aber eigentlich habe ich schon früher immer das genommen, worauf ich Lust hatte. Einfach beim Süssen habe ich die Portionen rationiert.

Was haben Sie sich zu Weihnachten gewünscht?

Meinen Wunsch habe ich mir, mit der neu gewonnen Freiheit nach dem Rücktritt, selber erfüllt. Nun habe ich viel mehr Zeit, um mir ein paar kleine Wünsche zu erfüllen.

Welche denn?

Einfach mal Ski fahren zu gehen oder zu wandern oder zu reisen. Ich habe bereits Ende Sommer nicht mehr richtig trainiert. Dafür habe ich meinen Freund (Mountainbike-Profi Lukas Flückiger, Anmerkung der Redaktion) an die WM in Kanada begleitet und danach sind wir drei Wochen mit dem Camper durch Amerika gefahren.

Weshalb sind Sie zurückgetreten?

Vor eineinhalb Jahren habe ich gemerkt, dass ich mich nicht mehr so auf die Wettkämpfe und das Training freue, und das ist für mich ungewöhnlich. Auch danach hatte ich Motivationsprobleme. Ich habe mir aber gesagt: Hey, Fabienne, das kommt wieder. Es war lange ein Hin und Her.

Woher kamen die Motivationsprobleme?

Seit 18 Jahren bin ich dabei. Ich habe fünfmal pro Woche trainiert und nie etwas anderes gemacht als Leichtathletik. Vielleicht war es einfach mal genug.

Wie waren die Reaktionen nach Ihrem Rücktritt?

Das war überwältigend, es haben sich viele gemeldet. Gerade heute habe ich von der Sprinterin Michelle Cueni eine Karte erhalten. Die Leute sagen mir, dass sie an mich den-
ken würden, wenn wieder Europa-cup oder so sei. Viele fanden auch, ich solle doch weitermachen. Anhand der Reaktionen habe ich gespürt, dass ich irgendwie schon fast zum Leichtathletik-Inventar gehört habe.

Kommt Wehmut auf?

Nein, ich habe mir das so lange überlegt, dass ich nun sicher bin. Aber die Kollegen, die werden mir sehr fehlen. Mein Kollegenkreis ist nicht da, wo ich wohne, er ist in der Leichtathletik. Aber die Leute sind in der ganzen Schweiz verteilt. Im Februar werde ich wohl als Zuschauerin an die Hallen-SM gehen, um die Kollegen zu sehen und mit ihnen zu plaudern.

Was war das Highlight Ihrer Sportkarriere?

Das war mein 5.Rang an den U23-EM 2005 in Erfurt. Ich war vorher schon an internationalen Meisterschaften, aber immer mit der Staffel. Dort bin ich zum ersten Mal alleine gestar-
tet und habe mich und alle andern mit persönlicher Bestleistung überrascht.

Wie bleiben Sie mit dem Sport verbunden?

Beim LV Langenthal haben sie mich gefragt, ob ich Trainerin werden würde. Aber zurzeit brauche ich noch ein bisschen Abstand. Danach könnte ich mir das gut vorstellen. Einmal in der Woche besuche ich nun das Tae-Bo-Training, sonst gehe ich joggen oder Velo fahren. Ich brauche Bewegung.

Wie füllen Sie sonst die neu gewonnene Freizeit?

Wir haben ein Haus in Leimiswil, das gibt viel zu tun. Und mein Freund gibt auch viel zu tun (lacht).

Inwiefern?

Lukas ist Profisportler, und ich versuche ihm, so gut es geht, unter die Arme zu greifen.

Wie wärs mit Familie?

Das Thema ist noch nicht aktuell. Jetzt möchte ich erst mal die Zeit für mich geniessen.

Meistgesehen

Artboard 1