Martina Strähl

«Ich fühle mich nicht so, als hätte ich einen Marathon in den Beinen»

Martina Strähl freut sich zusammen mit ihrem Trainer Fritz Häni und Laufkollegin Daniela Aeschbacher sowie deren Trainerin Elisabeth Krieg (rechts) über den Erfolg in Frankfurt

Martina Strähl freut sich zusammen mit ihrem Trainer Fritz Häni und Laufkollegin Daniela Aeschbacher sowie deren Trainerin Elisabeth Krieg (rechts) über den Erfolg in Frankfurt

Die Horriwilerin Martina Strähl fühlt sich auch nach dem Frankfurt-Marathon, bei dem sie die viertbeste je gelaufene Zeit einer Schweizerin lief und sich für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften qualifizierte, gar nicht erschlagen.

Martina Strähl, Sie steigerten sich bei Ihrem erst vierten Flachmarathon auf erstklassige 2:30:58 Stunden. Wie wurde das möglich?

Martina Strähl: Dass es derart gut laufen könnte, wagte ich nicht zu träumen. Erstmals kam ich von A bis Z ohne Krise über die 42,195 Kilometer. Das ermöglichte mir, den Rhythmus durchzuziehen, die mir vorgenommene Schlusszeit von 2:32 bis 2:35 Stunden klar zu unterbieten und mich um sechs Minuten zu steigern.

150-Wettkampfminuten ohne mentale Herausforderungen?

Das schon nicht. Ganz zu Beginn liess ich mich kurz irritieren. Ich lief schneller als geplant, weil ich jene Widersacherinnen nicht fand, an denen ich mich orientieren wollte. Ich dachte, ich müsse sie einholen. Erst als mir mein Coach Fritz Häni bei 5 km zurief, diese Frauen seien hinter mir, wurde mir die Situation klar. Ziemlich herausfordernd wurden die letzten 6 Kilometer. Das rechte Bein fühlte sich schwer an. Ich befürchtete, Muskelkrämpfe könnten folgen. Dem war zum Glück nicht so.

Und wie war das körperliche Gefühl im Ziel?

Komisch, nicht so, als hätte ich einen Marathon in den Beinen. Vor 13 Monaten, nach dem Berlin Marathon (2:36:58) konnte ich kaum mehr gehen.

Wie erklären Sie sich dies?

Ich habe ein sehr gutes Jahr hinter mir, so mit dem 15. Rang, als beste Schweizerin an den Europameisterschaften im Halbmarathon und dem Sieg am Jungfrau-Marathon mit Streckenrekord. Ich war nie verletzt und konnte mein Trainingsprogramm durchziehen. Ich spreche auf die Impulse von Coach Fritz Häni an.

Was heisst das konkret?

Im Vergleich zu früher, als ich nach eigenem Gutdünken lief, trainiere ich jetzt deutlich weniger, dafür konzentrierter, gezielter und mit einer höheren Trainingsqualität. Und ich laufe deutlich mehr, anstelle alternativer Methoden. 80 und 90 Laufkilometer summieren sich in der Woche. Im Vergleich zu andern Marathonläuferinnen ist das zwar immer noch gering, aber für mich rund das Doppelte zu früher. Weniger unterwegs bin ich dafür auf dem Cross-Trainer und fast gar nicht mehr auf dem Velo.

Erstaunlich ist, dass Ihnen diese Leistung glückte, obwohl die letzte Vorbereitung alles andere denn optimal verlaufen war. Wie reagierten Sie auf die starke Erkältung mit Fieber Ohren- und Halsschmerzen nach dem Murtenlaufsieg?

Obwohl ich mehrere Tage im Bett lag und fast drei Wochen «muderte», fühlte ich mich wenig gestresst. Ich kenne diesen Zustand. Der kommt vor wichtigen Rennen bei mir vielfach vor. Die Ungewissheit verzog sich am Montag vor dem Rennen endgültig.

Wie schätzen Sie diese Leistung im Vergleich mit den andern ein, vor allem mit Ihren Erfolgen als Bergläuferin, mit dem Weltmeistertitel 2015, dem Europameisterschaftsgold 2009 und 2011, dem Jungfrau-Marathon-Sieg mit Streckenrekord?

Der Jungfrau-Marathon von Mitte September war bestimmt top. Die Leistung von Frankfurt ist aber mehr wert. Eine Marathonzeit lässt sich einordnen und vergleichen. In der Schweiz sind bisher Rekordhalterin Maja Neuenschwander (2:26:49), Franziska Rochat (2:27:44) und Chantal Dällenbach (2:30:34) schneller gewesen. Ich sehe weitere Perspektiven. Ich bin verhältnismässig jung und unerfahren auf dieser Distanz. Irgendwann werde ich die 2:30-Stunden-Marke durchbrechen.

Mit ihren 2:30:58 Stunden qualifizierte sich Martin Strähl für die 16. Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom 5. bis 13. August 2017 im Olympiastadion von London.

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