Am Montagabend dirigierte Trainer Christian Müller Oltens Erstligisten zu einem überlegenen 36:20-Sieg über das abgeschlagene Tabellenschlusslicht Emmen – es war sein fünftletzter Auftritt an der Seitenlinie des HV Olten. Der 33-Jährige ist dem Ruf einer neuen beruflichen Herausforderung gefolgt – er trat im Februar die Stelle als Ausbildungskoordinator des Schweizerischen Handball-Verbandes (SHV) in einem Mini-Pensum an und wird dieses ab April auf 80 Prozent erhöhen. Deshalb entschied sich Müller, nach zweieinhalb Jahren als Übungsleiter beim Oltner Fanionteam zurückzutreten. «Ich kann den zeitlichen Aufwand meiner neuen Stelle noch nicht richtig einschätzen. Abend- und Wochenendeinsätze gehören sicherlich dazu», so Müller, der die Konzentration nun voll und ganz auf das Amt des Ausbildungskoordinators richten will.

Gemeinsame Sache mit Rolf Brack

Was aber macht ein Ausbildungskoordinator eigentlich? «Ich bin innerhalb des Verbandes für die Aus- und Weiterbildung der Trainer verantwortlich», macht der in Aarau wohnhafte Müller klar. Die Kursadministration, aber auch die «scharfe Einführung» der Trainerlizenzierung gehören etwa in das Aufgabengebiet des Koordinators. Und: «Gemeinsam mit einer Steuerungsgruppe definieren wir die inhaltlichen Schwerpunkte und Richtlinien der jeweiligen Ausbildungen», erklärt der Noch-HVO-Trainer die konzeptionelle Aufgabe. In dieser Steuerungsgruppe wird Müller mit Grössen wie etwa Rolf Brack – der deutsche Handballcrack ist seit Ende 2013 Trainer der Schweizer A-Nati – die Köpfe zusammenstecken. Für die anschliessende Umsetzung ist Müller alleine zuständig.

Gerade die Nähe zum Leistungssport macht die neue Aufgabe für Müller derart reizvoll. Als Mitarbeiter des Aargauer Sportamtes bewegte er sich bis dato viel mehr im Bereich des Breitensports. «Ich fühle mich jedoch schon eher im Leistungssport zu Hause», sagt der frühere Turnlehrer. Er rechnet damit, dass ihn bei seinem neuen Job ein dynamischeres, aber auch hektischeres Umfeld erwarten wird. Müller hat bereits jetzt klar vor Augen, was er beim SHV bewegen möchte: «Ich will eine klarere Struktur in die Gesamttrainerausbildung bringen.»

Mit seiner neuen Aufgabe rückt Christian Müller etwas von der Basis ab. Zwar wird er vereinzelt selber Kurse leiten und damit auch in der Halle stehen. Aber die Nähe zu einem Team und die Arbeit mit den Spielern fallen komplett weg. «Der Gedanke, dass ich bald nicht mehr Trainer sein werde, macht mir nicht viel aus. Aber es wird sicher Zeiten geben, in denen ich den Trainerjob vermissen werde», sagt Müller, der vor seinem Engagement bei den Oltner Erstligisten die Frauen des TV Zofingen von der NLB in die höchste Spielklasse geführt hat. Eine spätere Rückkehr ins Trainerbusiness schliesst der Aargauer denn auch nicht aus. «Allerdings kaum mehr in der 1. Liga», sagt Müller. «Wenn, dann würde mich ein Trainerjob im leistungsorientierten Bereich interessieren – auch im Nachwuchs.»

HVO mit qualitativ gutem Kern

Aktuell gilt Müllers Interesse aber noch der SG HV Olten. Mit ihr will er sich bis zum Saisonende in der erweiterten Spitze, sprich auf dem dritten oder vierten Tabellenrang, der 1. Liga, Gruppe 2 halten. «Uns fehlt die Routine, um noch weiter vorne mitmischen zu können.» Müller ist jedoch überzeugt, dass er seinem Nachfolger Hanspeter Arnold nach Saisonende ein Team mit einem qualitativ guten Kern überlassen kann. In der Oltner Giroudhalle wird man den Handballexperten Müller trotz baldigem Rücktritt als HVO-Trainer noch ab und zu sehen, wie er versichert – wenn auch nicht mehr als Dirigent an der Seitenlinie.