Hanspeter Arnold, die Frauen des HV Olten beendeten die Saison am vergangenen Wochenende mit dem Aufstieg in die NLB. Stehen Sie und Ihr Team jetzt unter Druck, es den Frauen gleichzutun?

Hanspeter Arnold: Nein, überhaupt nicht. Wenn, dann machen wir uns den Druck selber. Weil wir etwas erreichen wollen. Doch es war schon von Anfang an klar, dass der Aufstieg ein schwieriges Unterfangen ist. Man muss konstant über die gesamte Saison hinweg seine Leistungen bringen. Am Schluss steigen von insgesamt 32 Erstligisten nur 2 auf.

Sie sagten vor der Saison, das Ziel sei es, eine Schippe draufzulegen und der NLB einen Schritt näher zu kommen. Mit dem Qualifikationssieg und dem zweiten Platz in der Finalrunde ist dies gelungen.

Bis jetzt hat es geklappt. Was nicht selbstverständlich ist, denn wir sind eine enorm junge Mannschaft. Ich staunte manchmal selbst, wenn vier 18-Jährige auf dem Feld standen. Trotz der fehlenden Erfahrung bewiesen wir in der Qualifikation und auch in der Finalrunde mehrmals, dass wir einen grossen Schritt vorwärtsgemacht haben.

Wie zeigt sich dies konkret?

Wir haben ein jüngeres, dafür aber ein qualitativ besseres Kader. Wichtig war der Transfer von Lukas Strebel. Er ist ein brutaler Leader, deshalb wollte ich ihn. Zudem konnten wir den einen oder anderen jungen Spieler dazugewinnen, der letzte Saison in der NLB gespielt hat. Wir haben ein relativ grosses und ausgeglichenes Kader. Dadurch konnten wir die drei, vier Handbrüche im Verlauf der Saison und andere Ausfälle gut kompensieren. Hätten wir nur ein 14-Mann-Kader gehabt, wäre es heikel geworden. Teilweise gewannen wir die Spiele, obwohl wir nicht in Bestbesetzung antreten konnten.

Gibt es bis jetzt überhaupt etwas zu kritisieren?

Nein, eigentlich kann ich nur Komplimente verteilen. Das will ich aber lieber erst nach den beiden Aufstiegsspielen machen. Schade war nur, dass wir den Auftakt in die Finalrunde verpasst und gegen Nyon oder auch Yverdon unnötig Punkte abgegeben haben. Damit verspielten wir den ersten Platz, der uns wohl einen einfacheren Gegner als Kreuzlingen beschert hätte.

Die Thurgauer mussten diese Saison in 28 Spielen noch keinen einzigen Punkt abgeben.

Deshalb sind wir der klare Underdog. Ich habe aber immer gesagt, dass ich in den Aufstiegsspielen auf den stärksten Gegner treffen will. So wissen wir genau, woran wir sind. Wenn wir raufwollen, müssen wir das beste Team der Liga schlagen. Im Vergleich zu ihnen fehlen uns die erfahrenen Routiniers. Aber ich denke, das können wir dank unserer Schnelligkeit und unserer Kampfbereitschaft wettmachen. Was sicher ungewohnt sein wird, ist die Kulisse. Vor hoffentlich 600 bis 700 Zuschauern spielen wir nicht oft.

Wie gut kennen Sie den Gegner?

Vor allem anhand von Videos. Dass sie noch kein Spiel verloren haben, sagt ja schon alles über ihre Qualität. Kreuzlingen ist quasi zum Aufsteigen verdammt. Sie verfügen über ein ausgeglichenes und robustes Team, gespickt mit einigen Ausländern. Doch das steht alles nur auf dem Papier, zuerst muss gespielt werden. Wir kassierten unsere einzige Niederlage in der Quali gegen den Klub, der am Ende abstieg. Das zeigt, wie schmal der Grat zwischen Sieg und Niederlage manchmal ist.

Mit dem Sieg gegen den bis dahin noch ungeschlagenen Gruppensieger Chênois setzte Ihre Mannschaft am Samstag ein Ausrufezeichen.

Das war ein guter Test. Mir ging es auch darum, dass nochmals alle Spieler zum Zuge kommen. Die Genfer sind sicher das robusteste Team unserer Finalrunden-Gruppe. Der Match war hart umkämpft und phasenweise hitzig. Wie gesagt, es war ein guter und gelungener Test für die Aufstiegsspiele.

Ist etwas Spezielles geplant rund um das morgige Hinspiel um 18 Uhr in der Giroud-Olma-Halle?

Wir wollen bewusst nichts anders machen als sonst. Natürlich bereiten wir uns im Training noch etwas intensiver auf den Gegner vor. Wir nehmen die Aufstiegsspiele wie einen Cupfinal. Speziell wird sicher die Ambiance. Ich denke, so viele Zuschauer wie morgen hat es schon lange nicht mehr gegeben in der Giroud-Olma-Halle. Das wird auch für den Gegner speziell. Du hast die Zuschauer dort direkt im Nacken, wenn du auf der Bank sitzt.

Für Sie ist es die fünfte Saison als Trainer der HVO-Männer. Wie viele Spieler standen Ihnen in dieser Zeit zur Verfügung?

Jede Saison kamen etwa fünf, sechs Neue dazu. Diese vielen Wechsel gab es wegen unserer Partnerschaft mit dem NLA-Klub HSC Suhr Aarau. Wir haben aber durchaus auch Spieler im Kader, die wie ich seit fünf Jahren oder noch länger dabei sind.

Sind Sie zufrieden mit dieser Partnerschaft?

Die funktionierte in den vergangenen zwei Saisons super. Dass wir auf diesem Niveau spielen können, verdanken wir zu einem grossen Teil dem Partnerverein. Am Ende ist es in meinen Augen eine Win-win-Situation, weil sich die Suhr-Spieler bei uns weiterentwickeln und Spielpraxis sammeln können.

In welcher Liga der HV Olten nächste Saison spielt, ist ungewiss. Haben Sie trotzdem schon mit der Kaderplanung begonnen?

Es ist brutal schwierig, obwohl eigentlich alle Spieler gerne bleiben würden, egal in welcher Liga. Schade ist, dass die zweite Mannschaft den Aufstieg in die 2. Liga verpasst hat. Das wäre optimal gewesen.

Weil ein paar Spieler zwischen Stuhl und Bank fallen könnten?

Ich kann nur 14 Spieler an einen Match mitnehmen. Bei einem 20-Mann-Kader brauchen somit sechs Spieler ein Gefäss. Von der 1. Liga geht ja kaum einer in die 3. Liga runter. Diese Befürchtung hatte ich allerdings auch diese Saison. Es waren zwar ein paar harte Entscheide nötig, doch trotz unseres 23-, 24-Mann-Kaders ist es eigentlich sehr gut gegangen. Es hat sich alles ergänzt.

Als NLB-Klub wäre der HVO attraktiver für neue Spieler.

Der Aufstieg würde sicher helfen. Ich denke aber, dass wir auch als Erstligist attraktiv sind. Spieler entlöhnen werden wir so oder so nicht.

Wie schlimm wäre es, wenn es nicht reicht für den Aufstieg?

Wir wären natürlich enttäuscht, wenn wir nicht aufsteigen sollten. Ein Weltuntergang wäre es aber nicht. Für uns wäre der Aufstieg das i-Pünktchen und eine Art Belohnung für unsere Leistungen in dieser Saison.