Es war ein Desaster, das der krisengeschüttelte FC Grenchen im Startspiel erlebte: 0:8 verloren und zwei Platzverweise kassiert. Trotzdem keine Spur von Resignation in den Worten des Trainers Najib Melhli: «Ich fühle mich sehr gut, weil ich viel zu tun habe und weiss, wo ich anpacken will. Ich muss die Spieler, die mir zur Verfügung stehen, vorwärtsbringen.»

Doch das ist nicht einfach, beim FC Grenchen geht es drunter und drüber, die Leute reagieren extrem emotional. «Die Gefühlslage ist seit Wochen wie das Wetter», sagt Melhli, «ein Gewitter jagt das andere, und manchmal haben wir hier die vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag. Die Leute argumentieren mit der Vergangenheit, aber was zählt, sind die Gegenwart und die Zukunft. Ich hoffe einfach, das Schlimmste liegt hinter uns.»

Im Stich gelassen

Manchmal fühle er sich aber schon im Stich gelassen und auf sich alleine gestellt. «Glücklicherweise stehen die Spieler hinter mir», sagt Melhli. Auf die Fragen, ob es sich beim FCG nicht um einen verlorenen Fall handle und ob er daran denke, alles hinzuschmeissen und in seine Heimat nach Frankreich zurückzukehren, antwortet der gebürtige Marokkaner mit einem resoluten «Nein». Es entspreche nicht seinem Naturell, aufzugeben. «Wir haben im Juli Gutes geleistet und jetzt schmeissen wir nicht einfach alles hin.» Das Resultat des letzten Spiels widerspiegle nicht die Mentalität der Mannschaft. Es sei einfach alles zusammengekommen. Jeder einzelne Spieler habe einen schlechten Tag eingezogen, und da zähle er sich auch als Trainer dazu. «Die Mannschaft war wie gelähmt und das kollektive Desaster war die Folge. Also habe ich in den Trainings versucht, die Spieler wachzurütteln, an ihren Stolz zu appellieren und sie zu motivieren.» Melhli versucht den Spielern aufzuzeigen, dass sie die administrativen Probleme und die Spannungen im Verein vergessen sollen. «Die haben nichts mit dem sportlichen Auftritt zu tun. Für den tragen sie die alleinige Verantwortung.»

Verstärkungen benötigt

Auf der Kaderliste stehen einige Spieler, die Erfahrung und Qualität mitbringen, aber auch solche, die noch nie auf dem Niveau der 1. Liga gespielt haben. Genügt das, oder ist man noch auf der Suche nach Verstärkungen? «Ohne Geld ist es nicht möglich, Verstärkungen aus der Challenge League nach Grenchen zu locken», sagt Najib Melhli. «Drei gute Spieler sind diesmal noch nicht qualifiziert, aber nächste Woche werde ich sie endlich einsetzen können. Ich bin mit verschiedenen Klubs in Kontakt, die Verständnis für unsere schwierige Situation zeigen und uns vielleicht den einen oder anderen Spieler leihweise abtreten können.» Das Kader sei noch zu klein, es brauche unbedingt Verstärkungen.