Fassungslos standen und sassen 200 Handballfans noch Minuten nach dem Spiel in der CIS-Halle und schauten auf die Anzeigetafel. 38:21. Auch die Spieler des TV Solothurn konnten es noch gar nicht richtig fassen, was sie in den vergangenen 60 Minuten vollbracht hatten. Sie haben den bis dahin unangefochtenen Tabellenführer, den TV Endingen, der offen vom angestrebten Aufstieg in die NLA redet und ein dementsprechendes Kader hat, gerade von A bis Z demontiert.

Der Ligakrösus aus dem Aargau konnte nur gerade in den ersten Minuten des Spiels mit den entfesselten Solothurnern mithalten. Aber mit jeder Minute der Partie steigerten sich die Gastgeber. Nach anfänglichen Abstimmungsschwierigkeiten in der Abwehr, wurde diese in der Folge zu einem fast undurchdringlichen Bollwerk.

Fand trotzdem mal ein Endinger eine Lücke in der Solothurner Defensive, war Torhüter Rados Dukanovic meistens mit starken Paraden zur Stelle. So hiess es bereits zur Spielmitte 15:10 für den TV Solothurn und mancher Zuschauer erinnerte sich an das Auswärtsspiel in Endingen, als die Ambassadoren den Aargauern die erste und einzige Niederlage der laufenden Saison beibrachten. Und keiner ahnte, was in der zweiten Halbzeit folgen würde.

Schaulaufen gegen den Leader

Auch nach der Pause liess sich das Heimteam von der Führung nicht nervös machen. Ruhig und abgeklärt fuhren die Solothurner Angriff um Angriff und führte schon bald mit acht Toren Vorsprung. Kurze Phasen, in denen der TV Endingen wieder zwei oder drei Tore aufholte, wurden furios kompensiert, indem der TVS anschliessend gleich noch ein Tor mehr drauf legte.

Dabei schonte der Gegner keineswegs seine Kräfte für das kommende Spiel im Final Four des Schweizer Cups. Mitnichten, denn die Aargauer traten in Bestbesetzung an und haben sich mit Videoanalysen akribisch auf den TV Solothurn vorbereitet.

In der letzten Viertelstunde setzten die Solothurner dann zur Kür an und vollführten die komplette Demontage des Gegners. Sogar langjährige Handballfans trauten ihren Augen nicht. Absoluter Topshot war dabei der ehemalige Nationalspieler Marco Kurth, der alleine 15 Treffer erzielte. Angriff um Angriff rollte über das Feld, frenetisch gefeiert vom Publikum, bis die Matchuhr am Ende der 60 Minuten einen unfassbaren 38:21-Sieg auswies.

Mit diesem Sieg dürfte der Ligaerhalt nur noch arithmetische Formsache sein. Doch wer dieses Spiel der Solothurner gesehen hat, dem ist klar, dass der Ligaerhalt alleine kein anständiges Saisonziel mehr ist. Auch wenn man nicht in jedem Spiel eine solch perfekte Leistung abrufen kann: Diese Mannschaft mit diesen Spielern muss am Ende eine Topplatzierung in der Liga erreichen - Aufsteiger hin oder her.