Lassen wir die Fakten sprechen: Der EHC Olten ist in der Tabelle auf dem dritten Platz klassiert. Punktgleich mit dem Zweiten Langenthal. Der Vorsprung auf den fünften Platz, welcher gleichbedeutend mit dem Verlust des Heimrechts in den Playoffs wäre, beträgt neun Punkte.

Die Oltner verfügen über die fünftbeste Offensive und über die drittbeste Defensive. Das Powerplay ist ebenfalls das drittbeste der Liga, das Unterzahlspiel das viertbeste. So weit, so gut. Alles im grünen Bereich, könnte man meinen.

Wieso, also, wird beim EHC Olten derzeit mal wieder alles infrage gestellt? Nun: Wer die Mannschaft in dieser Saison bei der Arbeit beobachtet hat, der hatte selten wirklich Grund zur Freude. Oder etwas salopp ausgedrückt: Nur in Ausnahmefällen gingen die EHCO-Anhänger nach den Spielen mit dem Gefühl nach Hause, dass sie bestens unterhalten worden waren.

Es gab zwar viele Siege zu sehen. Wirklich schön anzusehen war das aber oft nicht. Man mag einwenden, dass ja letztlich nur der Sieg zählt. Und sowieso am Ende die Playoffs über Erfolg und Misserfolg einer Saison bestimmen.

Aber: Die Qualifikation dauert von September bis Ende Februar. Sie ist der wirtschaftliche Nährboden für den Klub. Ohne diese Heimspiele gibt es keine regelmässigen Einnahmen. Also hat der zahlende Kunde auch ein Anrecht darauf, dass er eine Mannschaft sieht, die sich Abend für Abend auf dem Feld zerreisst und mit Leidenschaft am Werk ist.

Man kann den Schalter in den Playoffs nicht umlegen

Apropos Leidenschaft. Es ist genau diese Tugend, die der EHC Olten in den letzten Wochen so schmerzlich vermissen liess. Und es ist genau dieser Umstand, der vielen der treuen Anhänger sauer aufstösst.

Man darf verlieren. Aber nicht, wenn das Feuer auf dem Rink nicht zu spüren ist. Wenn weit und breit kaum ein Spieler in Sicht ist, der sich gegen das Schicksal auflehnt und die Zügel in die Hand nimmt. Wer in der Qualifikation nicht kämpft, der wird den Schalter auch in den Playoffs nicht plötzlich umlegen können.

Es ist auch kein Zufall, dass der EHC Olten in dieser Saison ausgerechnet in der Phase am besten spielte, als er die meisten Verletzten zu beklagen hatte. In dieser kritischen Situation war die Mannschaft dazu gezwungen, eng zusammenzurücken.

Und sie tat es auf eindrückliche Art und Weise. Der Sieg in Rapperswil Anfang Dezember steht als positives Mahnmal in der Landschaft. Seit jener Willensleistung ist aber der Stecker raus. Selbst Spieler, die damals noch zu den absoluten Leadern gehörten, sind mittlerweile nur noch Mitläufer.

Klar ist: Was das lethargisch und planlos wirkende Team in der jetzigen Situation dringend benötigt, ist ein Impuls vonseiten des Trainerteams. Bengt-Ake Gustafsson und sein Adjutant Chris Bartolone müssen jetzt den Beweis erbringen, dass sie mehr sind als blosse Verwalter. Sie müssen jetzt dafür sorgen, dass die Mannschaft rechtzeitig die Komfortzone verlässt und wieder mit der nötigen Leidenschaft (und Freude!) ans Werk geht.

Gustafsson ist bekanntermassen ein «Players-Coach». Ein Trainer, der den Spielern viel Verantwortung überträgt und ihnen entsprechend viele Freiheiten gibt. Deshalb ist er auch bei einem Grossteil der Mannschaft beliebt.

Die Spieler müssen dem Coach aus der Patsche helfen

Nun liegt es an genau dieser Mannschaft, dass sie ihrem Headcoach aus der Patsche hilft. Die Zeit der immergleichen Lippenbekenntnisse ist vorbei. Heute Abend in Visp und am Sonntag im Derby gegen Langenthal muss der EHC Olten beweisen, aus welchem Holz er wirklich geschnitzt ist.

Denn man kann es drehen und wenden, wie man will: Bei zwei weiteren, lustlosen Auftritten wird die Luft für das Trainerteam extrem dünn. Es ist nicht anzunehmen, dass die Vereinsführung diesem Treiben länger zusehen würde.

Es mag ein Zufall sein. Aber: Vor exakt einem Jahr spielte der EHCO am Freitagabend zu Hause gegen den SC Langenthal. Und zwei Tage später am Sonntag in Visp. Die Konsequenzen der damaligen 2:5- und 2:6-Niederlagen sind allen noch in allerschlechtester Erinnerung. Bleibt zu hoffen, dass die Spieler die Zeichen der Zeit erkannt haben.