In der Scheebergerschen Mietwohnung in Davos geht es dieser Tage zu wie in einem Bienenstock. Die Besucher kommen, die Besucher gehen. «Es läuft immer etwas im Hotel Noah», erzählt der Verteidiger des HC Davos mit Blick auf seine umfangreiche Verwandtschaft lachend. Die Familie will sich vor Ort überzeugen von den Fähigkeiten ihres bekanntesten Mitglieds.

Am besten geht das natürlich während des Spengler-Cups, wenn der physische Stress aufgrund der vielen Spiele zwar mitunter gross ist, dafür aber die Atmosphäre umso entspannter. Da macht es auch nichts, wenn es in der eigenen Wohnung mal eng wird. «Es ist toll, Teil eines so speziellen Anlasses sein zu dürfen», sagt Noah Schneeberger, der heuer bereits zum dritten Mal als Spieler des HC Davos mittendrin ist im Geschehen.

Aussagekräftige Statistiken

Der Langenthaler bestreitet seine dritte Saison beim Rekordmeister. Und man kommt nicht darum herum festzustellen, dass er in der Mannschaft, die zuletzt zwei Monate lang an der Spitze der NLA-Tabelle stand, zu den Spielern gehört, die den grössten Sprung nach vorne gemacht haben. Beim Blick auf das Statistikblatt sticht vor allem die positive Plus-Minus-Bilanz ins Auge: Mit plus 18 gehört er innerhalb des HCD zu den besten und ist ligaweit die Nummer fünf aller Spieler.

Das spricht vor allem für die starke Defensivarbeit Schneebergers, der in der Regel neben dem Finnen Ville Koistinen und hinter der Ausländer-Sturmlinie mit Perttu Lindren, Dick Axelsson und Marc Wieser spielt. Bemerkenswert ist auch: Kein anderer HCD-Spieler stand bei mehr Plus-Toren auf dem Eis als der Langenthaler (30).

Del Curtos Stolz

Schneeberger hat sich beim HC Davos als Top-4-Verteidiger mit zwischen 16 und 17 Minuten Eiszeit pro Spiel etabliert und wird von Trainer Arno Del Curto sowohl im Powerplay als auch im Penalty-Killing eingesetzt. Die zusätzliche Verantwortung ist die logische Konsequenz der spielerischen Wandlung, die er in dieser Saison durchgemacht hat. Tendierte der 26-Jährige früher immer wieder dazu, die Scheibe zu lange zu halten und nach vorne tragen zu wollen – was ihn immer mal wieder in die Bredouille brachte –, so setzt er jetzt die Forderung des HCD-Trainers nach dem schnellen ersten Pass auf die Stürmer am konsequentesten um.

Das führt zwar immer mal wieder zum einen oder anderen unerlaubten Befreiungsschlag, aber in der Mehrheit der Fälle zu brandgefährlichen Kontern. Schneeberger ist so etwas wie der Katalysator des gefürchteten Davoser Transition-Spiels. Und dies erst noch, ohne unnötige Risiken einzugehen. Das wirkt sich auch auf dem Statistikblatt aus. Nach 33 Meisterschaftsspielen hat der 1,86-Meter-Mann elf Skorerpunkte auf dem Konto (1 Tor, 10 Assists). Punktet er in dieser Pace weiter, wird er seinen Davoser Bestwert aus der Saison 2012/13 (14 Punkte) locker übertreffen.

Vertrauen 

«Es gefällt mir sehr gut in Davos. Ich denke, dass ich eine gute Entwicklung durchgemacht habe. Arno verlangt von uns Spielern sehr viel, schenkt uns aber gleichzeitig auch sehr viel Vertrauen», erzählt Schneeberger über den Lernprozess, den er seit seinem Wechsel aus Genf ins Landwassertal durchgemacht hat. «Ich hatte Zeit, zu lernen, auch wenn ich am Anfang den einen oder anderen Fehler gemacht habe.»

Schneeberger sieht in seinem Reifeprozess zum Leistungsträger gerade das schwierige Jahr in Genf, wohin er mit vielen Vorschusslorbeeren aus Biel kam und dann sportlich bös untendurch musste, als Schlüsselerlebnis. «Menschlich hat mir das enorm viel gebracht. Und von diesen Erfahrungen kann ich in schwierigen Situationen noch heute profitieren und auch den jüngeren Spielern den einen oder anderen Tipp geben.»

Offene Zukunftspläne

Bleibt die Frage, wie Noah Schneebergers Zukunft aussieht. Sein Vertrag beim HC Davos läuft Ende Saison aus. Angesichts seiner Fortschritte ist er im latent ausgetrockneten Schweizer Verteidiger-Markt für jeden NLA-Klub eine valable Option. «Grundsätzlich ist alles offen. Aber ich bin im Gespräch mit Davos und sicher nicht abgeneigt zu bleiben», sagt Schneeberger, der sich über die kommende Saison aber ansonsten noch keine grossen Gedanken gemacht hat.

Er lebt und arbeitet lieber im Hier und Jetzt. Die hierzulande weit verbreitete Transferhektik, die meist schon früh beginnt, ist ihm, der keinen Agenten hat, sondern von seinem Vater beraten wird, zuwider. «Schon ein Jahr bevor ein Vertrag abläuft über den nächsten zu verhandeln oder an einem anderen Ort zu unterschreiben, kommt für mich nicht infrage», macht er deutlich.

Vorderhand hat sowieso der Spengler-Cup Priorität für Noah Schneeberger. «Es macht Freude, die Leute mit schönem Eishockey beglücken zu dürfen», sagt er. Selbst wenn das Leben als «Hotel-Manager» stressig ist.