Adrien Bossel ist weiter, Marko Osmakcic ist draussen. Heute stehen die nächsten Duelle mit Schweizer Beteiligung an. Das Match von Yann Marti ab 13.30 Uhr hat es in sich: Gegner ist Johannes Haerteis aus Deutschland. Genau dieser Gegner war es, der im Vorjahr das Teammitglied des TC Froburg im Viertelfinale aus dem Turnier warf – und damit am ITF 2015 überraschend das Halbfinale erreichte, ehe er sich dem Finalisten Kirill Dmitriev geschlagen geben musste.

Aktuell bekleidet der 19-jährige die Nummer 733 der Weltrangliste. Auf dem Papier dürfte es also kein Problem für Marti sein, die Runde zu überstehen. Doch im Vorjahr versagten Marti die Nerven. Dieses Mal dürfte er allerdings die nötige Portion Extramotivation verspüren: Weil er eine Rechnung zu begleichen hat und weil der TC Froburg im Sommer 2015 ein kleines Stück Tennis-Heimat für ihn geworden ist, seit er mit dem Club unverhofft den Meistertitel in der Nationalliga A errang. Hinzu kommt: Er ist im Dezember letzten Jahres in der Halle auch noch Schweizermeister im Einzel geworden.

Auch Robin Roshardt ist ein Heimkehrer (Match-Start nach 17 Uhr). Mit Marti gemeinsam holte er in einem nervenzerfetzenden Doppel-Drama den letzten nötigen Punkt zum Nationallliga-Titel. Zuletzt schien die beiden mehr zu trennen als zu einen. Beim Meisterschaftsfinale im Einzel schlugen sich die Heisssporne auch verbal die Bälle um die Ohren. Alle Aufregung übertrieben, wie beide beteuern? Die neuerliche persönliche Begegnung im Tenniscenter Trimbach wird es zeigen.

Adrien Bossel siegt in knappem Match

Gestern lieferten sich Adrien Bossel und der Italiener Gianluca Mager ganz entsprechend ihrer Weltranglistenplatzierung (361 vs. 323) eine ausgesprochen enge Partie über drei Sätze. Nur im zweiten Satz gewann der Schweizer zwischenzeitlich die Oberhand. Der großgewachsene Spieler des GC Zürich zeigte sich naturgemäss als starker Aufschlagspieler, genau wie sein Kontrahent. Er gab während des gesamten Matches keines seiner Spiele ab, der Italiener nur ein einziges. Doch als die Entscheidung im dritten Satz nahte, musste Bossel plötzlich beim Stande von 4:5 und eigenem Spiel einen Matchball abwehren. Der Schweizer ging daraufhin couragiert in die Offensive und wehrte die Gefahr ab. Im Tie Break spielte er seine Erfahrung aus und sicherte sich den Auftaktsieg zum 6:7, 6:3 und 7:6.

Marko Osmakcic: Erst fokussiert, dann frustriert

Marko Osmakcic, der im letzten Jahr in Trimbach noch fahrig wirkte und ohne Körperspannung, ging sein Match dieses Mal viel konzentrierter an mit dem nötigen Biss. Sowohl das junge Schweizer Talent als auch sein Gegenüber Johan Sebastien Tatlot aus Frankreich probierten, die Initiative zu ergreifen. Das führte zu einem spannenden ersten Durchgang, in dem sich die Gegner nichts schenkten. Die Partie war ausgeglichen mit packenden Grundlinienduellen. Osmakcic punktete mit hartem Aufschlag, guten Returns und zwischenzeitlichen Variationen am Netz. Nach einem Break schien er auf dem richtigen Weg zu sein, doch Tatlot kam zurück und so ging es in den Tie Break. Osmakcic wirkte anfänglich konzentrierter und ging mit 5:2 in Führung.

Der zwei Jahre ältere Franzose holte seinen Rückstand allerdings erneut auf und und nutzte bei 7:6 für ihn die erste Gelegenheit zum Satzsieg. Der Schweizer knallte seinen Schläger vor Wut zweifach auf den Boden. Die Reaktion war nur allzu verständlich: Es handelte sich um ein denkbar knappes Ergebnis und zweimal hatte er doch die Chance gehabt, die Partie zu seinen Gunsten zu prägen. Das junge Talent konnte in der Folge seinen Frust jedoch nicht mehr abschütteln und kassiert gleich zu Beginn des zweiten Satzes ein Break. Jetzt war wieder der Osmakcic vom Vorjahr zu sehen, der mehr haderte als die Konzentration auf den nächsten Punkt zu legen. Ihm unterliefen die entscheidenden Fehler, während sich Tatlot nicht mehr die Blösse gab. Am Ende siegte der Franzose 7:6, 6:2.

Ein Schweizer wirft die Nummer zwei aus dem Turnier

Luca Giacomelli aus der Tennisschule Trimbach verlor an der Seite von Marc-Andrea Huesler sein Doppel gegen Niels Lootsma (NED) und Vadym Ursu (UKR). Im ersten Satz hatte das Duo keine Chance (2:6), im zweiten legten die Hoffnungsträger den Respekt ab und verschafften sich sogar ein Re-Break. So wurde es noch ein beachtliches 5:7.

Für die positive Überraschung des Tages sorgte der Schweizer Sandro Ehrat. Oder vielmehr sorgte der an Nummer zwei gesetzte Kanadier Frank Dancevic für die negative. Völlig unmotiviert schlug er zahllose Bälle unbedrängt ins Aus und wirkte dabei merkwürdig gelangweilt. Ab und zu liess er bei einzelnen Punkten durchblicken, dass er unter Umständen in der Lage sein könnte, deutlich besseres Tennis zu spielen. Ehrat reichte dagegen eine grundsolide Leistung mit stabilem Aufschlag zum Erreichen der nächsten Runde. Mit grosser Ruhe brachte er den Sieg nach Hause (6:3, 6:2).