Schwingen
Heute heisst es dem Berg Adieu sagen

Der Schwinger Thomas Zindel verabschiedet sich auf dem Weissenstein von seinem Heim-Publikum. Als Mitglied des SK Solothurn und Umgebung war und ist Zindel immer auch in die Organisation des Weissenstein-Schwingets involviert.

Michael Schenk
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Auf dem Weissenstein, dem Solothurner Hausberg, gibt Thomas Zindel heute vor seinem Heim-Publikum seine Abschiedsvorstellung – Ende Saison ist Schluss.keystone

Auf dem Weissenstein, dem Solothurner Hausberg, gibt Thomas Zindel heute vor seinem Heim-Publikum seine Abschiedsvorstellung – Ende Saison ist Schluss.keystone

Der Weissenstein ist sein Berg. Hierhin, auf den Rücken des Juras nördlich der Stadt Solothurn, hat ihn seine erste Schulreise geführt. Ihn, den damals 7-jährigen Erstklässler. Der seinerzeit noch kurze und leichte Thomas Zindel aus Zuchwil gehörte zur Klasse von Frau Lehrerin Paquet. Eine Nette sei sie gewesen, seine erste Schulmeisterin, erinnert sich der mittlerweile zum vollkräftigen, mächtigen, dreifachen und 33-jährigen Eidgenössischen Kranzschwinger ausgewachsene Zindel Thomas.

Auf dem Weissenstein hat er sich auch schon schier die Finger abgefroren. «Ich hätte damals einfach doch Handschuhe mitnehmen sollen ...», sagt er lachend. Nach einer ziemlich feuchten und fröhlichen Nacht anlässlich seines 20. Geburtstags und mit «nicht mehr ganz 0,0 Promille», wie sich Zindel selbstverständlich nur noch «total schemenhaft» erinnert, hätten er und seine Kollegen das Gefühl gehabt, sie müssten am Sonntagmorgen noch eine After Hour Party feiern. Also seien sie nach seinem runden Wiegenfest in aller Herrgottsfrühe mit dem Sesseli selig den Berg hinaufgegondelt und dann mit dem Schlitten hinunter nach Solothurn gesaust. Zindel ist am 1. Dezember geboren. «Wir erzählen uns diese Geschichte heute immer noch immer wieder», hält er fest. Die unvergessliche Story einer aussergewöhnlich kreativen Schlitte(r)nfahrt, die von einer Fachjury garantiert mit höchsten Stilnoten ausgezeichnet worden wäre.

Als Mitglied des SK Solothurn und Umgebung war und ist Zindel immer auch in die Organisation des Weissenstein-Schwingets involviert. «In dieser Woche bin ich zum vierten Mal hier oben», sagt er. Ranglisten «vertschutten», leere Flaschen und Papierli auf dem Platz «zämeläse» oder mit dem Rechen bewaffnet durch die Sägemehlringe surfen und für jungfräuliche Kampfarenen sorgen, wie früher, muss er nicht mehr – aber zupacken, da wo ein Schraubstock von Hand gefragt ist, schon. «Tue ich auch sehr gern», sagt er. Als Helfer und Mitorganisator wird der Treuhänder also immer mit dem legendären Hoselupf auf seinem Hausberg verbunden bleiben.

2000 gab Zindel sein Debut am Mikrofon

Warum nicht als Speaker? So wie er das schon zweimal, als er verletzungsbedingt passen musste, getan hat. «Warum nicht?», erwidert Zindel. Gefallen habe es ihm jedenfalls und kraft seiner Erfahrung glaube er, habe er doch das eine oder andere zu sagen. Das ist es. Anno 2000 gab Zindel sein Debüt am Mikrofon. Just damals also, als das regionale Bergfest sein Debüt im Adelsstand als Bergkranzfest erlebte. «Seit da ist die Besetzung deutlich stärker geworden», räumt Zindel ein. Insofern hat es ihm seither nie mehr zum Sieg gereicht. 2010 klassierte sich der Lokalmatador freilich hinter Gewinner Christoph Bieri auf dem Ehrenplatz. 1997 und 1998 triumphierte der Solothurner Sportler des Jahres 2002 auf seinem Berg. 1998 gar mit makellosen 60,00 Punkten. «Das war das einzige Schwingfest, das ich in meiner Karriere mit der Maximalpunktzahl gewann.»

Erstmals als Aktiver griff Thomas Zindel 1994 auf der Sonnenterrasse im Solothurner Jura mit der Konkurrenz zusammen. Auf der Aussichtsplattform also, die einen famosen Blick über das Mittelland zum Alpenkranz und vom Säntis bis zum Montblanc bietet. Der Weissenstein ist ein Ort, der bei allen Emotionen wecken kann. Besonders aber bei denen, die auf, mit und durch ihn so viel erlebt haben wie Zindel. «Die Beziehung zu diesem Schwingfest auf diesem Berg wird für mich immer intensiver und spezieller bleiben als zu anderen», sagt er. Bewegende Emotionen dürften den Turnerschwinger, der in seiner Laufbahn sechs Kranzfeste gewonnen hat, so gewiss auch heute bei seinem letzten Einsatz vor seinem heimischen Solothurner Publikum begleiten. «Ich versuche sie auszublenden, mich wie sonst zu verhalten, und auf den Wettkampf zu fokussieren», erklärt Zindel. Er wünsche sich, dass die Emotionen erst danach von ihm Besitz ergreifen. Zumindest die sentimentalen, schwermütig angehauchten. «Solche wird es wohl geben.» Der Weissenstein und Zindel indes bleibt immer etwas Besonderes.

Wer weiss, vielleicht feiert ja in etlichen Jahren sogar einmal eines seiner Kinder, Stefanie (bald 5) oder Lionel (3), hoch über Solothurn Hochzeit. Und vielleicht fährt bis dann sogar wieder ein Bähnli da hinauf.

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