Hallenschwinget in Grenchen
Heuer gilts, das Adelsprädikat zu bestätigen

Der 26-jährige Mümliswiler Remo Stalder ist einer der Stars am neu im Freien stattfindenden Hallenschwinget von Grenchen. Für ihn steht eine Platzierung aber weniger im Vordergrund.

Michael Schenk
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Für Remo Stalder ist das Rangschwingfest in Grenchen eine Standortbestimmung. Archiv/AZ

Für Remo Stalder ist das Rangschwingfest in Grenchen eine Standortbestimmung. Archiv/AZ

Am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2013 in Burgdorf sorgt er für einen der emotionalsten und packendesten Momente überhaupt. Der damals 23-jährige Mümliswiler Remo Stalder geht nach dem «Gut» des Kampfrichters im achten und letzten Gang ab wie eine Rakete.

Der Innerschweizer Martin Koch, in dem Moment klarer Favorit, hat null Chancen und liegt binnen Sekunden, mittels Kurz gebodigt, platt im Sägemehl. Der eidgenössische Kranz, das Adelsprädikat der Zunft schlechthin, gehört dem jungen Solothurner. Letzterer kann sein Glück kaum fassen und stürmt wie ein ausgeflipptes Rodeoross durch die Tribünen Richtung der Seinen. Die Auszeichnung zum «Eidgenossen» ist das Grösste, das Stalder Remo bis dato als Schwinger erfahren durfte. «Diesen Moment werde ich nie mehr vergessen.»

In knapp fünf Monaten ist es wieder so weit. In Estavayer-le-Lac wird der Nachfolger von King Mathias Sempach gesucht, sofern dieser seinen Titel denn nicht verteidigt. Für Stalder geht es dannzumal darum, sein eidgenössisches Eichenlaub zu bestätigen. «Das ist mein grosses Saisonziel.» Wobei auch das «Innerschweizerische» oder der Bergklassiker auf der Schwägalp einen hohen Stellenwert für ihn hätten.

In diesem Sinn ist für den Mümliswiler das Rangschwingfest an Sonntag (10.April) in Grenchen eine wichtige Standortbestimmung. «Die Platzierung steht für mich dabei etwas weniger im Vordergrund, als mir ein Bild darüber zu machen, wie die Züge funktionieren, wo ich punkto Kraft und Kondition stehe und wie es meinem Knie geht», sagt der Zimmermann.

2012 und 2013 stand der 45-fache Kranzer in Grenchen im Schlussgang. Einmal Hüne Christian Stucki und einmal der stärkste Turnerschwinger der Gegenwart, Florian Gnägi, waren indes stärker. Er fühle sich nicht schlecht «zwäg». Freilich spüre er den Trainingsrückstand, den er sich nach einer Meniskusoperation vor Weihnachten eingehandelt habe, immer noch.

Obwohl er einen guten Teil des Verpassten zuletzt im Rahmen von drei militärischen Wiederholungskursen wettmachen konnte. Eingeteilt in die helvetische «Spitzensportler-Brigade» konnte der Schwinger aus dem Bezirk Thal im Februar und März drei WKs in Magglingen absolvieren. WKs, die in dem Sinn nichts anderes waren als Super-Trainingslager. «Kraft- und Techniktraining, medizinische Betreuung und Erholung waren ideal», sagt Stalder. Kein Wunder also, wenn fast der ganze Adel der Kurz-und-Lätz-Haudegen von diesem «Angebot» profitierte.

Zusammen mit Stalder weilten auch Sempach, Wenger, Gnägi, Bieri, Anderegg, Glarner, Thürig und so weiter im WK. Ein Niveau also, als ob Barcelona, Manchester United, Real Madrid, Bayern München und Paris Saint-Germain ein gemeinsames Fussball-Trainingslager durchführten. Beim Training im Kreis dieser Bösesten der Bösen seien ihm durchaus noch Grenzen aufgezeigt worden, lässt Stalder durchblicken. Allein, es habe ihn eben auch immer wieder im Knie gezwickt. «Insofern war ich noch nicht wirklich voll parat.»

Wie parat er in Grenchen ist, wird sich zeigen. Ein seit heuer geltender Erlass des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) will es, dass Spitzenschwinger pro Saison auch vier Nicht-Kranzfeste zu bestreiten haben. Damit will man verhindern, dass die regionalen Hallen- und Rangschwingfeste, die der lebensnotwendige Nährboden des urchigen Brauchtums sind, aussterben. Ganz einfach, weil Sponsoren und Zuschauer ausbleiben, wenn die Spitzenleute fehlen, und Letztere nur noch dem «Preisgeld» hinterherrennen.

In Grenchen sind deshalb neben Stalder auch die Eidgenossen Bruno Gisler und Florian Gnägi angemeldet. Christian Stucki, der das Fest in der Reithalle 2014 und 2013 gewann, will sich erst am Sonntag entscheiden. «Voraussichtlich aber», sagt der Verantwortliche des SK Grenchen fürs Anmeldewesen, Markus Willi, «wird er fehlen, weil er noch leicht angeschlagen ist.»

Die Zuschauer werdens verschmerzen; dürfen sie sich dennoch auf hochkarätigen Sport freuen. Schwingsport, der in Grenchen ab heuer wieder im Freien stattfindet. Da in der Reithalle ein neuer Boden verlegt wurde, «wären uns hohe Kosten entstanden, um diesen abzudecken», räumt Willi ein.

Ergo habe man sich vom OK aus entschieden, ins Freie auszuweichen und könne den Wettkampf (Beginn 10 Uhr) jetzt sogar auf vier statt wie bisher nur auf drei Sägemehlringen durchführen. Ganz abgesehen davon, dass ein Schwingfest unter freiem Himmel immer attraktiver daherkommt als in einer Halle. Total werden Rund 170 Aktiv- und Jungschwinger ins Geschehen eingreifen. «Ich schwinge auch lieber draussen als drinnen», sagt Remo Stalder. Na dann . . .