Schwingen
Hercules ist immer noch solo

Vorjahressieger Remo Stalder will am «Kantonalen» in Laupersdorf erneut kräftig zupacken. Vorbereitet hat sich der Sennenschwinger speziell gut; der Mümliswiler gehört einer Hochleitsungs-Trainingsgruppe an, die sich wöchentlich in Kirchberg trifft.

Michael Schenk
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Vor Jahresfrist gewann Remo Stalder in Solothurn das Kantonale und den Muni Hercules. Rytz

Vor Jahresfrist gewann Remo Stalder in Solothurn das Kantonale und den Muni Hercules. Rytz

Vor Jahresfrist hat Remo Stalder aus Mümliswil mit seinem Sieg am Solothurner Kantonalschwingfest für einen Husarenstreich gesorgt. Es war der bislang erste und letzte Schlussgang für den 23-jährigen Zimmermann. Verändert hat sich für ihn durch die Beförderung in den erlauchten Kreis der Kranzfestgewinner «nicht viel. Ich werde öfter angesprochen. Und die Einteilung, vor allem in einem 1. Gang, ist natürlich härter geworden», hält Stalder fest.

Natürlich sei es sein Ziel am Sonntag in Laupersdorf (Anschwingen 8.30 Uhr) seinen Triumph zu wiederholen, und wieder mit einem stolzen Preis nach Hause zu gehen. Vorjahres Siegermuni Hercules ist immer noch der einzige, «dicke Scheck» im Stall. Zoro könnte in Laupersdorf der zweite werden. «Für einen Sieg braucht es immer auch Glück, sagt Stalder. Den Schlussgang freilich, den möchte der designierte Leader der Solothurner «schon schaffen». Zumal mit Christoph Bieri und den Thürig-Zwillingen gleich drei Protagonisten des Nordwestschweizer Verbandes am gleichzeitig stattfindenden Luzernischen in Beromünster-Gunzwil sein werden. Härtester Widersacher im Kampf um den Sieg dürfte damit Stalders Solothurner «Landsmann» Bruno Gisler werden.

Vorbereitet auf die eidgenössische Saison, deren Höhepunkt Ende August das ESAF in Burgdorf ist, hat sich der kräftige Sennenschwinger heuer speziell gut. «Ich habe mehr gemacht als in anderen Jahren.» So gehört der Mümliswiler einer quasi Privat-Hochleistungs-Trainingsgruppe an, die sich einmal wöchentlich in Kirchberg trifft. Eine Gruppe, zu der der «Schwinger des Jahres 2012», Matthias Sempach, dessen Bruder Stefan, der starke Seeländer Florian Gnägi, die Innerschweizer Suppiger-Brüder Werner und Martin sowie Jung-As Remo Käser gehören. «Wir legen viel Wert auf die Schwünge», hält Stalder fest. Und: «Ich bin sicher, dass mich diese Trainings in jeder Beziehung stärker gemacht haben.» Einen Kranz hat er heuer – am Baselstädtischen – bereits gewonnen. Dies notabene noch ohne die grosse Nummer zu bodigen.

Mit Kameraden des SK Mümliswil trainiert der Titelverteidiger am Kantonalen schon seit Jahren mit den starken Kirchbergern zusammen. Das habe sich einfach einmal so ergeben. Heuer mutierte diese Trainingseinheit indes zum veritablen nationalgladiatorischen Zusammenzug. Dies da all jene Schwinger, die heuer ihre Sportler-RS und -WKs in Magglingen absolviert haben, einmal pro Woche in Kirchberg zum Training waren. Derlei kam ein ultrahochkarätiges Feld zusammen. «Zeitweise waren 15 Eidgenossen dabei», hält Stalder fest. König Kilian Wenger ebenso wie dessen Oberländer Spezis Matthias Glarner und Simon Anderegg, Top-As, Matthias Sempach, der Nordwestschweizer Leader, Christoph Bieri, die Thürig-Brothers und andere. Ein Umfeld, in dem Stalder folglich noch zu den Schmalbrüstigen gehört hat – noch.

Den Unterschied zur absoluten Spitze beschreibt Remo Stalder, der in Burgdorf Eidgenoss werden möchte, so: «Erfahrung und Selbstvertrauen machen viel aus. Wer so oft gewinnt wie ein Matthias Sempach, der tritt bestimmter auf.» Indes: «Einen Rücken zum Gewinnen hat jeder.» Will heissen, schwingerisch ist Stalder ein Plattwurf gegen einen der ganz «Bösen» immer zuzutrauen. Vorausgesetzt der Kopf spielt mit. Die mentale Komponente nimmt eben auch im Schwingen eine absolut zentrale Rolle ein. Ein mental labiler Athlet hat, wenn ihm ein Berg von «Denkmal» vis-à-vis gegenübertritt, oft schon kapituliert, ehe der Kampf begonnen hat. Der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden war ein Meister dieser psychologischen Kriegsführung. «Ich muss noch daran arbeiten, nicht zu viel Respekt zu haben», sagt Stalder.

Nun, wer wie der 28-fache Kranzer mit so hochkarätigen Partnern trainiert und sich mit ihnen umgibt, der dürfte das Fürchten bald verlernen.