Den Höhepunkt erlebten die 4000 Zuschauer im Rennen mit Heinz Frei, der bis zur letzten Abfahrt mit 16 Sekunden Vorsprung in Führung, im Ziel jedoch 27 Sekunden hinter Team-Weltmeister Vittorio Podesta (It) lag. „Ich überschlug mich in einer S-Kurve doppelt. Zudem fiel die Kette raus. Am Ende der Abfahrt musste ich sie zuerst wieder einhängen. Ich stand zweimal still“, erläuterte der im Gegensatz zum ehemaligen Formel-1-Fahrer Alessandro Zanardi (It) entthronte Titelverteidiger.

Zu viel Risiko sei er nicht eingegangen, die Linienführung habe gepasst. "Das Problem war, dass ich mit dem rechten Rad am Rand der neu geteerten Strecke eine weichere Stelle touchierte. Schade, denn dadurch habe ich den Sieg vergeben." Wie die Schürfungen am linken Ellbogen und die Kratzer am Bike zeigten, hatte "Mister Behindertensport" Glück, sich nicht verletzt zu haben.

Mit Lukas Weber sicherte sich im gleichen Rennen ein weiterer Schweizer eher unerwartet die Bronzemedaille. "Für mich war es ein Vorteil, dass es sich um eine Heim-WM handelt und ich die Strecke bis ins letzte Detail kenne", resümierte der bisher "ewige Vierte". An den Paralympics in London (Strasse und Zeitfahren) sowie zweimal an der WM hatte er Platz 4 belegt. Für Weber war es nach Bronze 2010 die zweite WM-Medaille.

Früh überrascht

Für den Exploit sorgte Benjamin Früh. Der 23 Jahre alte Schweizer Meister im Strassenrennen und Zeitfahren überraschte neben den Trainern sich selber. "Mit einer Medaille durfte ich nie rechnen. Obwohl ich im Zeitfahren stärker bin als im Strassenrennen und mich zuletzt im Weltcup als Vierter klassieren konnte", fasste der Zürcher Mediamatiker seine auch von der Konkurrenz viel beachtete Premiere zusammen.

Ebenfalls uneingeschränkt zufrieden mit Bronze zeigte sich Tetraplegiker Tobias Fankhauser, der erstmals an einem internationalen Titelkampf eine Medaille im Zeitfahren gewann. "Die vor mir klassierten Athleten waren eine Klasse besser. Ich kam derart an meine Leistungsgrenze, dass ich vielleicht zehn Prozent von dem wahrnahm, was alles um mich herum geschah. Die Kurve am Ende der Abfahrt hatte ich nicht mehr im Griff. Ich fuhr auf zwei Rädern", so der 26-jährige Paralympics-Zweite von London 2012.

Anders empfand Sandra Graf ihre Bronzemedaille. Als Paralympics-Siegerin 2012 hatte sie sich mehr erhofft. Besonders der Rückstand von zwei Minuten auf die Russin Swetlana Moskowitsch, die sie diese Saison im Weltcup schon geschlagen hatte, irritierte die Appenzellerin. Bisher verlor sie in den Abfahrten Zeit auf ihre Konkurrentinnen, an der WM in den Steigungen. "Ich bin enttäuscht", gab die vor einem Jahr in den USA beim Einfahren mit einem Jeep kollidierte Mitfavoritin zu. Damals musste sie verletzungsbedingt Forfait erklären.

Vier Medaillen wurden von der Schweizer Teamleitung als Ziel herausgegeben. Bereits vor den Strassenrennen sind die Erwartungen mit einmal Silber und fünfmal Bronze übertroffen worden.

Nottwil. Paracycling. WM. Handbike. Zeitfahren. Männer. MH1 (14 km): 1. Nicolas Pieter Du Preez (SA) 41:59,74. Ferner: 3. Benjamin Früh (Sz) 44:52,20. 7. Alain Tuor (Sz) 50:40,73. - MH2 (14 km): 1. Luca Mazzone (It) 27:57,34. Ferner: 3. Tobias Fankhauser (Sz) 29:48,62. - MH3 (15,5 km): 1. Vittorio Podesta (It) 30.15,89. 2. Heinz Frei (Sz) 30:43,64. 3. Lukas Weber (Sz) 31:00,39. Ferner: 10. Jean-Marc Berset 33:33,88. - MH4 (15,5 km): 1. Rafal Wilk (Pol) 28:55,15. Ferner: 15. Athos Libanore 34:20,43. 18. Felix Frohofer 36:03,00. - MH5 (15,5 km): 1. Alessandro Zanardi (It) 28.29,12.

Frauen. WH1 (7 km): 1. Emilie Miller (Au) 47:33,76. - WH2 (7 km): 1. Justine Asher (SA) 37:35.51. - WH3 (7 km): 1. Francesca Porcellato (It) 27:53.94. - WH4 (14 km): 1. Swetlana Moskowitsch (Russ) 27:46,54. Ferner: 3. Sandra Graf 29:47,74. 6. Sandra Stöckli 33:11,21. - WH5 (7 km): 1. Laura De Vaan (Ho) 24.58,43.