Eishockey
Heinz Ehrler: «Das war nicht vorstellbar»

Der Frust nach dem Playoff-Out sitzt beim SC Langenthal tief. Jeder vmüsse sich jetzt an der Nase nehmen, sagt Sportchef Reto Kläy. Das gilt insbesodnere auch für Topskorer Brent Kelly, der in den Playoffs nicht traf.

michael lüthi
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Der Kanadier Brent Kelly – hier gegen den Visper Bielmann – war in den Playoffs ein Ausfall

Der Kanadier Brent Kelly – hier gegen den Visper Bielmann – war in den Playoffs ein Ausfall

Solothurner Zeitung

Katzenjammer beim SC Langenthal. Wieder gibts vorzeitig Ferien. Die Oberaargauer schafften es auch im fünften Anlauf in Folge nicht, die Playoff-Viertelfinals zu überstehen. Die Negativ-Serie fing in der Saison 2006/07 an: Als Qualifikationssieger scheiterte der SCL damals am krassen Aussenseiter GCK Lions in der ersten Playoff-Runde. Dann folgte der Hammer: Der SC Langenthal musste unten durch, war plötzlich nur noch ein Mittelfeld-Team und schied dreimal in Serie im Viertelfinal aus.

Nun in dieser Saison, mit der besten Mannschaft seit langem, schien alles angerichtet, um sogar ein Wörtchen um den Titel mitzureden. Doch der kampf- und willensstarke EHC Visp wuchtete die Ehlers-Truppe überraschend früh aus dem Bewerb. Die Leistungsträger brachen in der alles entscheidenden Phase der Meisterschaft ein. Vor allem der Kanadier Brent Kelly muss wohl sein Piano neu stimmen. In der Quali schoss er noch 32 Tore, in sechs Playoff-Partien bloss eines – von einem Ausländer darf, ja muss mehr erwartet werden.

Bedenklicher Untergang

Die Art und Weise, wie der SCL vorgestern in Visp unterging, sollte den Verantwortlichen zu denken geben. Nach einem 0:2-Rückstand in der Serie kam der Qualifikationsvierte wieder bis auf 2:3 heran. Und am letzten Sonntag führte er die Walliser beim 10:4-Kantersieg in der eigenen Halle regelrecht vor. Doch diesen Schwung vermochten die Oberaargauer am Dienstag in Visp nicht in Zählbares umzumünzen. Im Gegenteil: Dieser Sieg war der Untergang des SCL-Dampfers.

«Vergessen ist in den Playoffs das Wichtigste. Das ist die grosse Kunst. Das haben wir leider nicht geschafft», sagte Stürmer Fadri Lemm nach der peniblen 1:6-Niederlage in Visp. «Dieser 10:4-Sieg war irgendwie noch in unseren Köpfen drin.» Ein «Stängeli» als Giftspritze, als Partykiller. Die Berner wussten beim letzten Spiel in Visp nicht, wie ihnen geschah. Nach nur acht Minuten war die Schlacht verloren. Auch beim dritten Auftritt bei den heimstarken Vispern gabs für die Berner nichts zu holen. Wieso ist es denn so schwer in der Litternahalle zu gewinnen? «Wenn ich das nur wüsste», sagte Lemm konsterniert und ergänzte: «In Gottes Namen, nun ist es halt so.» Er werde nun viel Zeit mit der Freundin und der Familie verbringen. «Aufs Eis zu gehen, hat jetzt keinen Sinn. Es bringt auch nichts, zwei Wochen am Playoff-Aus rumzustudieren.»

«Auftritt in Visp war nicht akzeptabel»

Die Geschäftsleitung des SC Langenthal hat hart am erneuten und diesmal überraschenden Viertelfinal-Out zu beissen. Mit versteinerten Mienen liefen die Mitglieder vorgestern in Visp an der Medienschar vorbei – kommentarlos. «Es war besser, im ersten Moment des Frusts nichts zu sagen», so Sportchef Reto Kläy gestern am Telefon. Eine detaillierte Analyse könne und wolle der Verein noch nicht präsentieren, das sei noch zu früh. «Aber jeder von uns muss sich jetzt an der Nase nehmen.» Kläy ist völlig perplex: «Der Frust ist extrem gross. Unser Auftritt in Visp war nicht akzeptabel. Wir haben uns keinesfalls auf eine Niederlage vorbereitet. Ich war absolut überzeugt, dass wir in Visp gewinnen werden. Es war für mich nicht vorstellbar, dass es so rauskommen würde. Denn wir hatten das Momentum auf unserer Seite.» Der Schock beim SCL sitzt tief. «Vor allem weil wir wussten, dass mit diesem Team sehr viel möglich gewesen wäre. Aber wenn man es nüchtern betrachtet, haben wir trotz dem Ausscheiden einen Schritt vorwärts gemacht.»