Mountainbike
Heimvorteil nutzen: Bündner Power mit Solothurner Touch

Die Region wird immer mehr zur Biker Hochburg – vor allem dank grosser Anstrengungen im Nachwuchsbereich. Vital Albin, Nick Burki und Ursin Spescha sind die Aushängeschilder des Solothurner Bike Teams und gehören zur europäischen Elite.

Michael Forster
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Die schnellsten 98er-Jahrgänger Europas: (vl.) Ursin Spescha, Vital Albin und Nick Burki.

Die schnellsten 98er-Jahrgänger Europas: (vl.) Ursin Spescha, Vital Albin und Nick Burki.

Michael Forster

Fünfzehnmal 40/20, zehnmal 30/30 oder den ersten kurzen Aufstieg fünfmal voll durchziehen: So lautete das Programm der drei besten Fahrer Europas auf Stufe U17 vorgestern Nachmittag. Vital Albin, Nick Burki und Ursin Spescha sind die Aushängeschilder des Solothurner Bike Teams (siehe Zweittext) und wollen morgen Samstag, wenn sie im Rahmen der Bike Days zum Rennen der Junioren starten, einen möglichst guten Eindruck hinterlassen.

Da gilt es unter anderem, den Heimvorteil auszunutzen und die Trainings auf der in unmittelbarer Nähe gelegenen Strecke zu absolvieren. Weil sich der Parcours über endlos lange Quartierstrassen hinzieht und auch in der Abfahrt nur wenig Zeit gutzumachen ist, wollen sich die drei Neo-Junioren in den Aufstiegen einen kleinen Vorteil erarbeiten. So ging es am Mittwoch in diesen Bereichen richtig zur Sache, mit Intervallen à 30 oder 40 Sekunden – mit der entsprechend kurzer Erholung von 30 resp. 20 Sekunden.

Zwei Bündner in Solothurn

Ihre Erfolge, welche im letzten Jahr mit dem Besetzen des kompletten EM-Podests einen ersten Höhepunkt erreicht haben, kommen also nicht von ungefähr. Das Training nimmt im Leben der drei Mountainbiker einen wichtigen Teil ein – verbunden mit der Ausbildung. Sie alle haben sich für die Kombination Sport und Schule entschieden, Spescha an der United School of Sports in Zürich, Albin und Burki an der Sportklasse in Solothurn. Dabei kann einzig der Derendinger Burki von einem Standortvorteil profitieren: Seine beiden Teamkollegen verliessen im letzten Sommer ihre Heimat, um im Unterland dem Traum Bike-Profi ein entscheidendes Stück näherzukommen.

Professionelle Betreuung auf dem Weg an die Weltspitze

Wenn in der Schweizer Mountainbike-Szene vom Nachwuchs die Rede ist, dann kommt man um einen Namen nicht herum: Reto Burki. Unter seiner Leitung hat das Tropical Solothurn in den letzten Jahren an der nationalen Serie, dem BMC Racing Cup, reihenweise für Glanzlichter und starke Leistungen gesorgt und die Mannschaftswertung nach Belieben dominiert. In dieser Saison nun wagt Burki mit dem Bike Team Solothurn den nächsten Schritt. «Wir wollen ambitionierten Fahrern, welche auf die Karte Mountainbike setzen, nach den Kids-Kategorien eine Chance geben», so der Teambesitzer. «Die wirklich Guten werden herausgepickt und auf eine Karriere vorbereitet.»

Für das Team, welches derzeit aus Vital Albin, Nick Burki, Ursin Spescha, Ivory Cameron und Rebecca Rudolf von Rohr besteht, konnte mit Roland Richner ein ausgewiesener Fachmann als sportlicher Leiter verpflichtet werden. Wenngleich sich die Sponsorensuche als «sehr schwieriges Unterfangen» herausstellte, kann Burki seinen aufstrebenden Fahrern ein professionelles Umfeld bieten, einerseits mit der materiellen Betreuung, andererseits mit der Begleitung selbst an die Rennen im Ausland. Ziel ist es, das Team in Zukunft noch mehr mit Fahrern aus den eigenen Reihen zu bestücken, welche im MTB-Sport etwas erreichen können. (mf)

«In Graubünden gibt es kein Sportgymnasium für Sommersportarten», bedauert Albin, welcher sich bereits in der letzten Saison dem Tropical Team in Solothurn anschloss und im Verlauf des Jahres unter anderem den U17-Europameistertitel feiern konnte. «In Davos, Ftan oder Schiers liegt ganz einfach zu lange Schnee, das ist mehr für Langläufer.» So hatte er die Wahl zwischen Zürich, Bern und Solothurn und entschied sich für Letzteres. Zum Beispiel, weil er sich in der Gastfamilie in Solothurn sehr wohl fühlt, aber auch, weil ihn mit Nick Burki und anderen Teammitgliedern eine lange Freundschaft verbindet, die mittlerweile fast zehn Jahre und viele Rennsaisons zurückreicht.

Morgen wird davon aber nicht mehr viel zu spüren sein. Im Rennen der Junioren werden die beiden ebenso zu Kontrahenten wie Albin und Spescha, beide in der Nähe von Ilanz, nur wenige Kilometer voneinander entfernt, aufgewachsen. Obwohl die drei in diesem Jahr weder das Rennen in Schaan, noch jenes in Tesserete absolvieren konnten und deshalb noch keine Cup-Punkte aufweisen, können sie sich in den vorderen Startpositionen einreihen. Dies, weil auch die gewonnenen Weltcuppunkte aus ihren internationalen Renneinsätzen berücksichtigt werden. Zwar ist die Konkurrenz im älteren Jahrgang bei den Junioren mit unter anderem dem WM-10. Filippo Colombo gross, und doch hoffen Burki (Podest) und Albin (Top 5) auf einen vorderen Platz.