Wer vor dem Spiel die Jahrgänge der SG Yellow / Pfadi Espoirs studierte, hätte fast meinen können, dass die Zürcher mit einer Juniorenmannschaft nach Solothurn gereist war. Praktisch alle Jahrgänge waren hohe 90-er und der jüngste Spieler, Daniel Parkhomenko, ist sogar erst 16 Jahre alt. Aber obwohl in der Talentschmiede von Pfadi Winterthur einige Rohdiamanten spielen, die das Potenzial haben, starke Handballer zu werden, mussten sich die Gäste von Beginn weg der Routine beugen. Die Solothurner liessen über die gesamten 60 Minuten nie Zweifel aufkommen, wer die zwei Punkte eintütet.

Eine erste starke Phase hatte der TVS gleich nach Anpfiff der Partie. Schnell legte das Heimteam drei Tore vor und liess in der Defensive über sieben Minuten keinen Gegentreffer zu. Gewohnt sattelfest präsentierte sich die Solothurner Abwehr und Torhüter Taro Diethelm fügte sich mit einer überragenden Leistung nahtlos in die TVS-Abwehr ein. Am Ende wies der Keeper eine Haltequote von sensationellen 47 Prozent aus, nicht weniger als 18 Schüsse konnte er parieren. Umgekehrt war es bei den Zürchern der U21-Nationalspieler, der einen gebrauchten Tag einzog. Zwar war er mit seinen neun Treffern Topschütze seines Teams, jedoch brauchte er dafür nicht weniger als 25 Versuche. In der ersten Halbzeit traf er in 14 Würfen nur gerade drei Mal.

Vorsprung stetig ausgebaut

Die Abschlussschwäche der Gäste wussten die Ambassadoren gekonnt auszunutzen. Geduldig griffen die Solothurner an und warteten auf ihre Abschlusschance. Und obwohl sich auch der Winterthurer Torhüter gut aufgelegt zeigte, konnte der TVS die Differenz laufend vergrössern. In der 14. Minute führten die Gastgeber erstmal mit vier Toren, drei Minuten später mit fünf und bis zur Pause gar mit sechs Treffern Vorsprung (17:11).

Auch nach dem Seitenwechsel präsentierte sich die Szenerie unverändert. Mal um Mal konnte der Solothurner Abwehrwall Bälle gewinnen und eine weitere Länge vorlegen. Als der TVS in der 26. Minute bereits mit 21:12 in Führung lag, sah sich Espoirs-Trainer Kurbalija genötigt, sein zweites Timeout zu nehmen. Dieses schien seine Wirkung vorerst zu verfehlen, die Aarestädter zogen bis zur 40. Minute nämlich auf 24:13 davon. Als jedoch alles nach einem veritablen Kantersieg aussah, zog nun auch der TVS eine schwächere Phase ein, während sich die Winterthurer vor allem in der Offensive stabilisierten. Zehnder und der eingangs erwähnte junge Parkhomenko verhinderten am Ende mit ihren Treffern das drohende «Stängeli».

Den dritten Rang gesichert

Dank der deutlichen Leistungssteigerung im Vergleich zum letzten Spiel gegen den BSV Stans konnte sich am Ende auch der TV Solothurn glücklich wähnen. Während die Aarestädter ihre Tordifferenz um weitere neun Treffer (30:21) aufbesserten, kassierte das punktgleiche Möhlin am selben Abend gegen den Leader RTV Basel eine deutliche Niederlage. Der Ligakrösus und Aufstiegsfavorit siegte mit 33:26 und half damit, dem TV Solothurn den dritten Tabellenplatz zu sichern.

Rein rechnerisch wäre es Möhlin in der letzten Meisterschaftsrunde zwar noch möglich, Solothurn vom Podest zu verdrängen. Dafür müssten die Fricktaler jedoch die um 40 Treffer schlechtere Tordifferenz wettmachen, was doch sehr unrealistisch scheint. Zumal der TV Solothurn im letzten Saisonspiel am kommenden Samstag auf das letztplatzierte – und somit absteigende – Siggenthal trifft und Möhlin gegen Tabellennachbar Kadetten Espoirs antreten muss. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schliesst der TV Solothurn diese NLB-Saison also auf dem dritten Platz ab. Für den kleinen Verein ein sensationeller Erfolg. Umso schöner, dass auch das letzte Saisonspiel in der heimischen CIS-Halle stattfindet, damit die Mannschaft das verdiente Schaulaufen vor eigenem Publikum abhalten kann.