Swiss-League-Playoffs
Harmonie im Sturm: Dank den offensiven Linien herrscht beim EHC Olten Zuversicht

Der EHC Olten muss heute im fünften Playoffspiel gegen Thurgau zwingend auf die unglückliche Niederlage reagieren – die intakten Sturmlinien geben grosse Zuversicht.

Silvan Hartmann
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Silvan Wyss hat bislang in vier Playoffspielen sieben Punkte gesammelt

Silvan Wyss hat bislang in vier Playoffspielen sieben Punkte gesammelt

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Ausgleich der Serie (2:2) statt ersten Matchpuck vor eigenem Publikum (3:1) – das müssen die EHCO-Spieler erst einmal verdauen können. Dass diese unfassbare 5:6-Niederlage nach 5:2-Führung nicht geschehen darf, wissen sie alle.

Die grosse Frage vor dem heutigen dritten Oltner Playoff-Heimspiel lautet vielmehr: Wie hat der EHC Olten diese Wende des HC Thurgau wegstecken können?

Oder fällt etwa das mittlerweile stabile Teamgerüst der Oltner, das langsam zu harmonieren scheint, doch plötzlich wieder in sich zusammen?

Klar ist: Wer gestern im Nachgang zu diesem verrückten Spiel vom Sonntag, das auch nationale Sport-Schlagzeilen geschrieben hatte, mit den EHCO-Spielern sprach, bekam einen gefassten Tenor zu hören: Niederlage abhaken, Aufstehen und nach vorne schauen.

«Ein solches Spiel zu verarbeiten, ist nicht einfach», meint Silvan Wyss, der Matchwinner vom Sonntag, der plötzlich keiner mehr war (an 3 von 5 Oltner Toren beteiligt): «Aber wir haben nun viel darüber gesprochen, haben noch einmal viel Videostudium gemacht – explizit auch die letzten paar Minuten noch ein, zwei Mal angesehen. Doch jetzt gilt es nach vorne zu schauen und diese Fehler nicht mehr zu machen», so der Neo-Topskorer, der in den vier Spielen sieben Punkte ergatterte.

Silvan Wyss richtet den Blick nach dem letzten Spiel nach vorne.

Silvan Wyss richtet den Blick nach dem letzten Spiel nach vorne.

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Und auch der mit 330 NLA-Spielen erfahrene Stürmer Lukas Haas meint: «Ich glaube, wir sollten nichts ändern und müssen weiter auf unser Spiel fokussiert sein. Vielleicht war es ja gut, diese Erfahrung gemacht zu haben. Jetzt müssen wir sie nicht ein zweites Mal machen.»

18 Skorerpunkte in 4 Spielen

Die Mannschaft scheint am Dienstagmorgen trotz diesem unerklärlichen Totaleinbruch drei Minuten vor Ende der Partie als Einheit intakt zu sein. Das dürfte nicht zuletzt auch damit zu tun haben, dass der EHC Olten in Spiel vier der Playoffserie gegen den HC Thurgau sonst über 55 Minuten eine sehr gute Leistung zeigte. Die zahlreich mitgereisten EHCO-Fans bekamen vier Sturmlinien zu sehen, die in sich funktionierten. Trainer Chris Bartolone scheint die ideale Zusammenstellung gefunden zu haben. Oltens erste Sturmlinie um Horansky, Sharp und Ulmer fällt stets mit hochklassiger, technischer Raffinesse auf.

Aber noch viel überzeugender agiert derzeit der Sturm um Wyss, Haas und Schirjajew mit überraschenden Spielzügen und purer Effizienz: Hier Silvan Wyss, der Kämpfer und Reisser. Da Lukas Haas, der sich immer besser in Form spielt und zu einem regelrechten Torgarant avanciert. Und dort Jewgeni Schirjajew, der künstlerische Techniker mit viel Spielwitz und Tempo. Sagenhafte 18 Skorerpunkte hat diese Sturmlinie in den vier bisherigen Playoffspielen gesammelt. «Ja, es läuft wirklich sehr gut. In den zwei, drei Spielen der Qualifikation hatten wir noch Mühe, uns zu finden. Doch dann ging der Knoten plötzlich auf und wir haben die Tore geschossen», sagt Wyss.

Er glaubt zu wissen, woran es liegt: «Wir konnten im zweiten Drittel des zweiten Spiels einen Schalter umkippen. Wir haben im Block, aber auch im Team, viel miteinander gesprochen und mögen endlich einander die Scheibe gönnen. Wir kämpfen als Team», so Wyss.

Eine Aussage, welcher auch Lukas Haas zustimmt: «Jeder bringt seine Impulse und Energien in die Linie und macht auch mal den dreckigen Job. Und wenn jeder für jeden geht, dann macht es auch umso mehr Spass», so Haas.

Lukas Haas wird bei Olten langsam aber sicher zum Torgarant.

Lukas Haas wird bei Olten langsam aber sicher zum Torgarant.

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Oder um es mit anderen Worten auszudrücken: Die leise Missgunst, welche die gesamte Mannschaft über die Qualifikation noch hinweg begleitete, scheint aus dem Weg geräumt zu sein, was auch einen wichtigen Effekt mit sich brachte: Der EHC Olten durfte das nötige Glück im Abschluss beanspruchen.

«So kann es definitiv weitergehen», fasst Wyss zusammen, der auf die Frage, ob er sich an den gelben Helm schon gewöhnt habe, schmunzeln muss: «Wer hätte das gedacht, dass ich diesen mal tragen darf? Nein, im Ernst: Ich hatte ihn noch nie. Ich habe mich gefreut. Aber jetzt müssen wir als Mannschaft erfolgreich sein», so der 24-Jährige.

Gewiss muss der EHCO heute Abend (Kleinholz, 19.45 Uhr) wieder auf die Siegerstrasse finden. Es heisst: Verlieren verboten. Ansonsten steht den Oltnern im Auswärtsspiel vom Freitag das Wasser bis zum Hals.

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