Üblicherweise sind Sprung- und Fallwürfe ihr Metier und 6-0- oder 3-2-1-Systeme ihre Heimat auf dem Spielfeld. Um für einmal einen neuen Impuls zu setzen, wechselten die Handballer des TV Solothurn ihre Turnhose mit der Zwilchhose. Auf dem Gödu-Schwingplatz in Kernenried stand eine schweisstreibende Lektion im urchigen Nationalsport an. «Wir haben das auch schon mit Junioren gemacht und jetzt erstmals auch der ersten Mannschaft», sagt Matthias Heger. Der TVS-Coach, der letzte Saison Zsolt Toth abgelöst hat, ist der Mann von Eveline Steinemann und diese wiederum ist die Schwester vom 101-fachen Kranzschwinger Christian Dick. «Es hat durchaus das eine oder andere Talent dabei», stellt der dreifache Eidgenosse, der das Training zusammen mit Nachwuchstalent Dominik Roth leitet, fest. So etwa Arn Kaspar, der das interne Schwingfest kurzum für sich entscheidet. «Ich habe bis ins Alter von 12 Jahren Judo gemacht – von da her ist noch was übrig geblieben», sagt des TVS’ «little Sempach». In der Tat: Brienzer, Hüfter und innerer Haken des 20-jährigen Kreisläufers sind durchaus sehenswert. Und am Boden machen ehemalige Judokas oder Ringer im Sägemehl ohnehin seit eh und je eine gute Figur. Da gibt’s ja etliche davon...

«Adieu Kindertraum»

«Ahhhhhhh….. adieu Kindertraum», entfährt es da Neo-Schwinger Schneeberger Sebastian, als er für ihn selbst überraschend Kraftwürfel Wassmer Michael mit 165 km/h platt ins feine Sägemehl feuert. Leider ist dem Gewinner dabei etwas Wichtiges im Mittelbereich des männlichen Körpers in die Quere gekommen, als er auf seinen Gegner drauf knallt. Der Sieger bezahlt den Sieg mit einem fühlbaren Andenken. «Aber immerhin habe ich gewonnen», hält der bananförmig gekrümmte Handballer fest. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Sopran-Stimme innert Kürze wieder zum Tenor zurückentwickelt hat. «Riis ihm dr Chopf ab, dä wachst scho wieder nache», spornt anderer seinen Kumpel an. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug und der Spass der Truppe, die in der letzten Saison aus der NLB abstieg und wenig zu Lachen hatte, ist offensichtlich.

Zweikampf kitzelt den Kampfgeist

«Sich einmal von einer anderen Seite kennenlernen, Teamgeist bilden, Spass haben und eine Alternative zu Konditions-, Ball- und Taktiktraining bieten, darum geht es», sagt Coach Heger. Abgesehen, dass fast alle ins Schnaufen kommen wie ein betagter Mississippi-Raddampfer, kitzeln solche Zweikampfsportarten, bei denen Mann auf sich allein gestellt ist und keiner dem anderen die Schuld für irgendwas geben kann, auch den Kampfgeist. Und diesen werden die Solothurner Handballer auch nötig haben, wenn der sofortige Wiederaufstieg in die NLB nächste Saison geschafft werden soll. Nun, wenn sie so zur Sache gehen, wie an der Schwinglektion auf dem Gödu-Schwingplatz, dann müsste das klappen.