Handball
Nur ein Tor fehlt: Der HV Olten verpasst den Aufstieg in die NLA dramatisch

Oltens 28:26-Sieg im Barrage-Rückspiel gegen Herzogenbuchsee bleibt wertlos. Die Hypothek aus dem Hinspiel ist zu hoch. «Wir waren während 105 der insgesamt 120 Minuten das bessere Team», hadert Trainer Christian Müller und hofft auf einen neuen Anlauf in der kommenden Saison.

Raphael Wermelinger
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Der NLA-Klub HV Herzogenbuchsee und der Herausforderer HV Olten lieferten sich zwei packende Barrage-Duelle.

Der NLA-Klub HV Herzogenbuchsee und der Herausforderer HV Olten lieferten sich zwei packende Barrage-Duelle.

Andre Albrecht

Das Barrage-Rückspiel ist an Dramatik nicht zu überbieten. Sechzig Minuten Spannung auf dem Feld und ohrenbetäubender Lärm von den beiden Fanlagern auf der Tribüne. Und dann das Herzschlagfinale: Herzogenbuchsee im Ballbesitz. Topkorerin Anina Steiner bleibt zuerst am Oltner Block hängen und mit dem zweiten Abschluss an Torhüterin Stephanie Knörr. Kurzer Jubel bei den Oltnerinnen, immer noch 28:26 vorne – ein Tor fehlt. Trainer Christian Müller rennt sofort zum Zeitnehmer-Tisch und nimmt ein Timeout.

13 Sekunden bleiben auf der Uhr. Der letzte Angriff der Saison muss also sehr schnell ausgeführt werden. Ivana Müller-Ravlic eröffnet ihn mit dem Pass nach links zu Hannah Bopp. Einmal prellen, zwei, drei Meter machen und Ball zurück in die Mitte zu Ravlic-Müller. Die Verteidigerin greift zu – Foul. Noch fünf Sekunden. Lina Büttiker zu Ravlic-Müller, die wieder von der Gegnerin gestellt wird.

Dann ist es aus. Die HVO-Spielerinnen gehen zu Boden. Erschöpft von der langen Meisterschaft, die Anfang September begann. Aber vor allem enttäuscht. Wieder nichts mit dem Aufstieg in die NLA. In der vergangenen Saison wurden sie vom Coronavirus und dem Saisonabbruch eingebremst. Heuer fehlt ein Treffer.

«Dieses Tor können wir überall suchen», sagt Trainer Christian Müller nach dem Drama. «Das müssen wir aber gar nicht. Wir waren während 105 der insgesamt 120 Minuten das bessere Team.» Schwach war lediglich die Startviertelstunde des Hinspiels vom Mittwoch. In der sich der NLB-Beste «ans Niveau gewöhnen musste» und sich den kapitalen Rückstand einhandelte. 4:10 stand es nach 15 Minuten. Nach einer deutlichen Steigerung musste sich Olten am Ende mit drei Toren Differenz geschlagen geben.

Keine tiefe Hypothek für das Rückspiel, aber auch keine aussichtslose Situation. Was der HV Olten eindrücklich bewies. Die Oltnerinnen starteten zwar wieder nervös, doch diesmal waren sie nach etwas mehr als vier Minuten und dem 1:2 durch Tospkorerin Nina van Polanen im Spiel angekommen. Obwohl sie zwei frühe Strafen verbüssten, lagen sie in der achten Minute erstmals in Führung. Nach einer Viertelstunde egalisierten sie den Rückstand aus dem Hinspiel. Und als Cedrine Zanitti zum 8:4 traf, führten sie erstmals auch im Gesamtskore – Timeout und totale Verunsicherung bei Herzogenbuchsee.

Bis zum Seitenwechsel baute der HVO den Vorsprung auf sechs Tore aus. «Wir müssten das Spiel sicher mit fünf Toren gewinnen», hadert der Trainer hinterher. In der zweiten Hälfte habe dem Team phasenweise die letzte Konsequenz gefehlt. «Wir waren im Angriff zu wenig aktiv und abgeklärt und in der Defensive haben wir den letzten Schritt nicht mehr gemacht. Es sind wirklich Kleinigkeiten, die am Schluss entscheidend waren.»

Das NLA-Team steigerte sich in der zweiten Halbzeit. Nach 45 Minuten war Herzogenbuchsee wieder dran – 19:21. Mit Simona Negronis Tor zum 27:24 standen die Oltnerinnen sieben Minuten vor dem Ende ein letztes Mal rechnerisch in der NLA. Ihr Sieg stand in diesem Rückspiel nie in Gefahr. Doch er fiel zu knapp aus. Um ein verflixtes Tor. Und eigentlich ist es ja doch eher die zu hohe Heimniederlage drei Tage davor, die den Aufstieg verhinderte.

«Viel können wir uns nicht vorwerfen. Unser Plan ist zum grössten Teil aufgegangen», hält Christian Müller fest. «Um das Sacken zu lassen, brauchen wir wohl einen Moment. Dann, hoffe ich, starten wir in der nächsten Saison einen neuen Angriff.» Wie sich das Kader verändern wird, ist auch von der Entwicklung der Coronalage abhängig. Diese Saison wurde die Meisterschaft in der NLB lange unterbrochen. Inklusive Modusänderung absolvierte der HV Olten nur 13 Spiele.

Nach sechs Spielen stand bereits die Teilnahme an der Barrage fest. Weil die Reserve-Teams der NLA-Klubs Brühl und Zug Oltens grösste Konkurrenten waren. Die Finalrunde war eine Farce. Müller muss befürchten, dass sich Spielerinnen mit NLA-Ambitionen keine weitere Saison in der zweithöchsten Liga antun. «Wir werden intensive Gespräche führen müssen», sagt er. «Wir sind alle mitverantwortlich für die Situation und können sie im nächsten Jahr gemeinsam korrigieren.»