Handball
«Die Spielerinnen sind heiss darauf, zu schaffen, was sie schon lange verdient haben»

Die Oltner Handballerinnen wollen mit Verspätung rauf in die NLA. Sie sind noch zwei Spiele vom dritten Aufstieg innert vier Saisons entfernt. Sportchef und Co-Trainer Christian Müller spricht vor der Barrage gegen Herzogenbuchsee von einem Duell auf Augenhöhe.

Raphael Wermelinger
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Nina van Polanen war mit 49 Toren in der Hauptrunde und 39 in der Aufstiegsrunde die beste Skorerin der NLB.

Nina van Polanen war mit 49 Toren in der Hauptrunde und 39 in der Aufstiegsrunde die beste Skorerin der NLB.



Remo Fröhlicher (Olten, 26. Januar 2019)

Bereits seit über einem Monat fiebern die Oltner Handballerinnen dem Barrage-Spiel vom Mittwoch entgegen. Mit einem Jahr Verspätung winkt dem HV Olten der Aufstieg in die NLA. In der Auf-/Abstiegsrunde der vergangenen Saison belegten die Oltnerinnen den dritten Zwischenrang und hätten die Promotion mit grosser Wahrscheinlichkeit erreicht, wäre die Saison nicht wegen des Coronavirus abgebrochen worden. «Jetzt bekommen wir endlich die Chance, das zu schaffen, was wir schon lange verdient haben», freut sich Co-Trainer und Sportchef Christian Müller.

Am 24. April beendete der HV Olten die Hauptrunde mit seinem vierten Sieg im sechsten Spiel auf Platz zwei. Dazu je ein Unentschieden und eine Niederlage – die Hauptrunde musste verkürzt werden und bestand aus lediglich sechs Spieltagen. Mit dem Einzug in die Aufstiegsrunde stand auch schon fest: Olten ist für die Barrage gegen das schlechteste NLA-Team qualifiziert. Denn die Konkurrenten in der Aufstiegsrunde waren die Reserve-Teams der NLA-Klubs Zug und Brühl sowie der BSV Stans, welcher auf den Aufstieg verzichtete.

Die Aufstiegsrunde der Vier wurde dadurch sportlich irrelevant. Neue Erkenntnisse hat sie dem HV Olten nicht gebracht, bestätigt Müller: «Es ist für kein Team um etwas gegangen, es war absoluter Nonsens, sportlich sehr fragwürdig.» Die Gegner seien mal mehr, mal weniger motiviert gewesen. «Wir haben es eigentlich noch recht gut gemacht», findet er. Und obwohl die ganze Aufstiegsrunde mühsam gewesen sei, zeigt er sich froh, dass «wir überhaupt spielen durften und in den Rhythmus kommen konnten».

Der HVO sicherte sich den ersten Platz und verdiente sich die Teilnahme an der Barrage damit auch auf dem sportlichen Weg. Trotz der abschliessenden Niederlage am Samstag gegen LK Zug II. Erst die zweite Niederlage der Oltnerinnen in dieser Saison. Die erste kassierten sie gleich im ersten Saisonspiel – ebenfalls gegen die Zugerinnen. «Wirklich? Das ist so lange her. Die Saison dauert schon so lange», kann sich Müller nicht mehr erinnern.

Die Resultate in der Hauptrunde sagen in seinen Augen nicht allzu viel aus, auch diese Niederlage nicht. Die anderen Spiele habe das Team «resultatmässig easy gewonnen», das 39:40 am Samstag gegen Zug sieht er als «Schuss vor den Bug im richtigen Moment. Ich mache mir wegen dieses Spiels keine Sorgen.»

Auch die langjährige NLA-Spielerin Ivana Ravlic-Müller ist nach ihrer Babypause wieder an Bord.

Auch die langjährige NLA-Spielerin Ivana Ravlic-Müller ist nach ihrer Babypause wieder an Bord.

Remo Fröhlicher

Einige Spielerinnen wie Topskorerin Nina van Polanen und Andrea Schlegel sind angeschlagen. Normal nach einer von der Anzahl Spiele her – nur 14 werden es am Ende sein – kurzen, aufgrund der Umstände aber sehr langwierigen Saison. Doch auch das trübt Müllers Optimismus vor den zwei Begegnungen mit dem HV Herzogenbuchsee nicht: «Wir spielen mit denen, die wir haben – und die sind auf jeden Fall gut genug und schaffen es.» Für das Gesamtprojekt des Vereins sei der Aufstieg entscheidend, sagt er. «Und damit das Team zusammenbleibt.»

Der Aufstieg in die NLA wäre die Krönung von Müllers Arbeit als Sportchef und Co-Trainer von André Bichsel. Vor vier Jahren stiegen die Oltnerinnen in die 2. Liga ab – der Tiefpunkt. Doch mit zwei Aufstiegen in Serie gelingt die grosse Auferstehung. Und wäre nicht Corona gekommen, hätte der HVO wohl den Hattrick geschafft und diese Saison schon in der höchsten Liga absolviert. «Es waren viele fragwürdige Entscheide vom Verband und der Liga. Wir haben so lange die Chance nicht bekommen», hadert Müller. «Die Spielerinnen sind heiss darauf, zu schaffen, was sie schon lange verdient haben.»

Er empfindet das Team in den letzten Tagen nicht als nervöser als sonst. Druck sei natürlich da, «aber ich spüre eher Freude und auch Dankbarkeit bei den Spielerinnen, dass diese Aufstiegsspiele endlich bestreiten können.» Der Gegner im heutigen Heimspiel und im Rückspiel vom Samstag heisst Herzogenbuchsee. Die Oberaargauerinnen belegten in der Hauptrunde der NLA den drittletzten Platz, mussten sich in der Abstiegsrunde von Yellow Winterthur überholen lassen und verloren die Playout-Serie gegen GC Amicitia in drei Spielen (1:2).

«Vor dem Beginn der Playouts stand für mich der Gegner fest», sagt Müller. «Wer im Vorteil ist, ist sehr schwierig zu sagen. Sie spielten zuletzt nicht auf dem Niveau, auf dem sie eigentlich könnten.» Er rechnet mit einem Duell auf Augenhöhe. Dass das letzte NLA-Ticket in nur zwei Spielen vergeben wird, kann er nicht nachvollziehen. «Eine Best-of-3-Serie wäre fairer gewesen, wie bei den NLA-Playouts», sagt Christian Müller. «Jetzt geht es im Hin- und Rückspiel zweimal um alles. Am Ende könnte die Tordifferenz, also jeder Treffer, entscheiden.»

Christian Müller, Sportchef und Co-Trainer der HVO-Frauen.

Christian Müller, Sportchef und Co-Trainer der HVO-Frauen.

zvg