Nach acht Trainingseinheiten auf dem Eis – davon vier offizielle –, sowie unzähligen schweisstreibenden Sommertrainings neben des Eisrinks startete gestern der EHC Olten mit dem ersten von insgesamt acht Testspielen in ein neues Kapitel, das am 15. September mit dem ersten Saisonspiel so richtig seinen Auftakt findet. Zum Start der Vorbereitungsphase gastierte mit den Adlern aus Mannheim sogleich der klangvollste aller EHCO-Testgegner im Kleinholz (siehe Programm unten).

Und der EHC Olten brauchte sich vor dem diesjährigen DEL-Playoff-Halbfinalisten nicht zu verstecken und verschaffte sich als Aussenseiter in den Startminuten mit kernigen Checks wertvollen Respekt. Die wahren Kräfteverhältnisse zwischen dem Underdog aus der Swiss League und dem DEL-Topklub waren über weite Strecken kaum auszumachen.

Die Adler, zu Beginn wohl überrascht über die physische Gangart der Oltner in einem Augustspiel, wurden nach dem Startdrittel stärker, ja mächtiger. Mit einem starken Stellungsspiel und robustem Zweikampfverhalten kämpften sich die Deutschen ins Spiel.

Die Adler nutzten das erste Powerplay auf eine Strafe von Marco Truttmann wegen Hakens nach sehenswerter Kombination aus (27.). Mannheims Ex-NHL-Spieler Andrew Desjardins erhöhte daraufhin zum 2:0, worauf die Deutschen wieder einen Gang herunterschalteten (35.).

Dies wiederum eröffnete den Oltnern viele Räume, welche sie erstaunlich effizient ausnutzen konnten: Erst setzten Haas und Grossniklaus Torschütze Ueli Huber exzellent ein, worauf sich auch Tim Bucher und zugleich Neuverpflichtung Tim Grossniklaus selber als Torschützen eintragen lassen konnten. Insbesondere Letzterer erzielte mit einem strammen Schuss von der blauen Linie ein ansehnliches Tor.

Apropos Neuzugänge: Sowohl die Verteidiger Eigenmann und Grossniklaus wie auch Gerber und Ausländer Cason Hohmann dürften nach weiterer Angewöhnungszeit echte Verstärkungen sein. Oltens neuer Ausländer deutete bereits seine Schnelligkeit an, bewies feine Hände und ein starkes Auge, sodass er oftmals am Ursprung der gefährlichsten Oltner Torchancen stand.

«Ich bin zufrieden. Es war schön, endlich dieses Trikot tragen zu dürfen. Mannheim war ein echt starkes Team, gegen das wir gut dagegenhalten konnten. Ich bin zuversichtlich und freue mich auf die Saison», sagte er nach seiner EHCO-Premiere. Der zweite EHCO-Ausländer, Bryce Gervais, kam erst vor wenigen Tagen an und figurierte auf dem Matchblatt noch als überzählig.

Die Adler, die mitunter auf ihre Superstars Marcel Goc und Matthias Plachta verzichtet hatten, zeigten vor allem in den letzten zehn Spielminuten den Oltnern die derzeit grösste Baustelle auf: So spielfreudig und technisch beschlagen sich der EHCO in der Offensive zeigt, so fragil agiert noch die Hintermannschaft. Weil Luca Zanatta verletzungsbedingt noch einige Tage ausfällt, beorderte EHCO-Trainer Chris Bartolone Stürmer Stéphane Heughebaert neben Anthony Rouiller in die Verteidigung.

Es ist nicht auszuschliessen, dass Heughebaert auch in den nächsten Spielen die Position des Verteidigers übernimmt. Diese Tatsache zeigt aber auch: Will der EHC Olten über eine komplette Saison in den vorderen Rängen der Swiss League ein Wörtchen mitreden, braucht es ein breiteres Kader in der Defensive. Auf Anfrage bestätigt EHCO-Sportchef Marc Grieder, dass er nicht untätig bleibt und ihm «die Sache durchaus bewusst ist».

VIP-Tribüne: Fankurve gesperrt

Unter dem Strich zeigte der EHCO ein respektables erstes Testspiel, das mehr Unterhaltung bot als manch trostloses Swiss-League-Spiel. EHCO-Trainer Chris Bartolone meinte danach: «Wir haben einige neue Spieler, ein neues System. Es braucht Zeit. Der grosse Unterschied machte das Puckmanagement aus, bei dem die Adler versierter waren. Es sind diese Kleinigkeiten, die entscheidend sind. Aber ich bin zufrieden. Ich habe bereits 85 Prozent Gutes gesehen.»

Zu reden gab unter den 1129 Zuschauern im Kleinholz auch ein EHCO-Projekt abseits des Spielgeschehens: Die Oltner Fankurve ist aufgrund eines Gerüsts für die laufenden Bauarbeiten der VIP-Tribüne für die komplette Vorbereitungsphase gesperrt.

Die EHCO-Fans der Kurve mussten deshalb angrenzend in der Stehplatz-Rundung das Spiel verfolgen. Die Tribüne soll bis zum Saisonstart am 15. September fertig erstellt sein. Noch gibt es vor dem Saisonstart offene Baustellen aus dem Weg zu räumen.