«Ich bin ein ehrgeiziger Trainer, der fundiert und beharrlich arbeitet», sagt Jürg Widmer über sich selbst. Er will den FC Solothurn in der kommenden Saison dynamisch spielen lassen. Ihm ist wahrscheinlich auch nicht entgangen, dass die Solothurner in der vergangenen Saison im Schnitt lediglich 1,8 Tore pro Spiel erzielt haben.

«Das Team soll agieren, attraktiv und mutig nach vorne spielen und in der Zone drei präsent sein», sagt der 61-jährige Berufstrainer, der seine Laufbahn 1981 bei den C-Junioren seines Stammvereins FC Gränichen gestartet hat. Zudem war er zehn Jahre lang Captain in der ersten Mannschaft und stieg mit Gränichen in die 2. Liga auf. Ein Fighter sei er gewesen, so Widmer.

«Jede Trainerstation ist wichtig», sagt er rückschauend. In der frühen 90ern zog es ihn zum U18-Team des FC Aarau. Danach gings zum FC Baden, von 1996 bis 1998. «Das war die Zeit, als es gerade losging mit Spitzen-Juniorenfussball.» Gleichzeitig fungierte Widmer als Assistent von Claude Ryf beim NLB-Team.

Abstecher ins Wallis

Er kehrte zum Aarau zurück und arbeitete zwischen 1998 und 2012 nacheinander als Nachwuchstrainer, Technischer Leiter der Juniorenabteilung und Projektleiter des Team Aargau. «Dann hatte ich genug vom Bürojob und fasste den Entschluss, nach Naters zu gehen.»

Zwei Saisons lang war er Trainer beim Erstligisten FC Oberwallis Naters und leitete die Ausbildungsstätte. Als «sehr speziell, aber gut und wichtig» bezeichnet er den Abstecher ins Wallis, worauf drei Jahre beim SC Schöftland folgten, gekrönt mit dem Aufstieg in die 2. Liga inter 2016.

Seit zehn Tagen ist Jürg Widmer offiziell neuer Trainer des FC Solothurn. Er übernimmt den Posten von Dariusz Skrzypczak, der nach zwei sehr erfolgreichen Jahren in seiner Heimat Polen als Assistenztrainer bei Lech Posen eine neue Herausforderung gefunden hat.

Solothurn ist etwas für ihn

Ervin Gashi, den er beim FC Naters trainiert hatte und der mittlerweile im Solothurner Nachwuchs arbeitet, setzte Widmer von Skrzypczaks Weggang in Kenntnis. «Das wäre doch was für dich, meinte Gashi. Ich war gerade auf der Suche nach etwas Neuem und antwortete, er solle Sportchef ‹Bidu› Zaugg einen Gruss ausrichten. Das war die erste Annäherung.»

Anfang Jahr trainierte er noch den FC Eschenbach in der 2. Liga inter. Dass der Klub zur Saisonhalbzeit im Winter mit drei Punkten abgeschlagen am Tabellenende lag, schreckte ihn nicht ab. «Der Abstieg stand zu diesem Zeitpunkt praktisch fest», so Widmer.

«Meine Aufgabe bestand vielmehr darin, das Team zusammenzuhalten und für die anstehende Saison in der 2. Liga vorzubereiten.» Was gelungen sei. Obschon die Rückrunde sportlich nicht wirklich erfolgreicher war, fiel das Team nicht auseinander und glänzte mit einer hohen Trainingspräsenz.

Im letzten Spiel der Saison konnte Widmer mit den Innerschweizern gar noch den einzigen Sieg feiern. «Ich möchte auch diese Erfahrung nicht missen», blickt Widmer zurück. «Es war interessant zu sehen, wie sich der Fussball an der Schwelle von der 2. Liga zur 2. Liga inter entwickelt.»

Viel Kompetenz vorhanden

Seine erste Trainingseinheit beim FC Solothurn wird Jürg Widmer am kommenden Donnerstag leiten. Vorerst gehe es darum, die neuen Kollegen sowie die Abläufe im Klub besser kennenzulernen. Mit Sportchef «Bidu» Zaugg und Ronny Vetter, dem Chef der FCS-Nachwuchsabteilung, trifft er auf altbekannte Gesichter: «Ich habe beide kennen- und schätzengelernt in der Vergangenheit und weiss, dass mit ihnen sehr viel Kompetenz da ist beim FC Solothurn.»

Das Kader kennt er dagegen noch nicht bis ins Detail und in Sachen Transfers hat er vollstes Vertrauen zu Sportchef «Bidu» Zaugg. «Das ist seine Kompetenz, ein gutes Kader zusammenzustellen. Wir werden sicher genug Qualität haben. Ob es Anpassungen braucht, werden wir miteinander anschauen.»

Die Solothurner Elf wird wohl deutlich jünger werden. «Es muss das Ziel des FC Solothurn sein, dass immer wieder eigene Spieler den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Die Jungen bringen Dynamik und sind ehrgeizig. Ich freue mich sehr, mit ihnen zu arbeiten.»

Keine Ausreden

Widmer zeigt auch Respekt vor der neuen Aufgabe. Immerhin qualifizierte sich Solothurn in den letzten drei Saisons immer für die Aufstiegsspiele und kam der Promotion League sehr nahe. «Das waren grossartige Leistungen», anerkennt Widmer.

«Ich kenne aber meinen Auftrag. Man muss die Situation neu beurteilen und ein Fundament hinbekommen, um die Ziele und Ideen des Vereins umzusetzen.» Dass es eine Zwischensaison geben könnte, hört er nicht gerne.

Der Begriff sei negativ behaften: «Es geht immer darum, die optimale Leistung herauszuholen. Die Ausrede, wir sind in einer Zwischensaison mit vielen jungen Spielern, zählt sicher nicht. Denn das Team wird gut genug sein, eine ähnliche Leistung abzurufen wie in den letzten Jahren.»

Glücklich mit der Einteilung

Die Vorbereitung sei kurz. Gerade mal vier Wochen hat Widmer Zeit, um seine Mannschaft für das erste Pflichtspiel fit zu machen. «Die Herausforderung besteht darin, möglichst schnell in den Wettkampfmodus zu kommen», sagt er. Die Gruppeneinteilung für die Saison 2019/20 ist bereits draussen.

Drei neue Gegner warten auf den FC Solothurn. Der FC Wohlen, der Absteiger aus der Promotion League. Der SV Muttenz, der Aufsteiger aus der 2. Liga inter, und der FC Baden, der sich dieses Jahr den ersten Platz in der Gruppe 3 gesichert hatte und in den Aufstiegsspielen am FC Black Stars gescheitert war.

Widmer ist glücklich mit der Einteilung, freut sich insbesondere auf die Duelle gegen den FC Baden, dessen Trainer er schon lange kennt: «Mit Ranko Jakovljevic stehe ich wöchentlich im Austausch. Diese Treffen müssen wir wohl sistieren vor den Direktbegegnungen.»