Manch etablierte NLA-Equipe käme gewaltig ins Rotieren, würden sie jeden «Trumpf» ins Feld, sprich Ries, führen . «Wir würden auf jeden Fall viel Bewegung ins Spiel bringen», lacht Andreas Zeisner. Der Informatik-Ingenieur ist Präsident der HG Grossrinderfeld aus Baden-Württemberg – der einzigen Hornussergesellschaft Deutschlands. Besonders ihre «Quotenfrau», wie Zeisner sagt, das sogenannte «Nummern-Girl», brächte die weltbesten»Stäcken-und-Schindel-Koryphäen» mächtig in die Bredouille. Der 44-Jährige schmunzelt: «Ihr haben wir schon etliche, gute Resultate zu verdanken.»

Zu den Langschlägern der Zunft gehört sie nämlich nicht, die Deutsche «Nousser-Nati». Durchschnittlich fliegen deren Kunststoffscheiben 200 bis 220 m weit. Darauf kann man sich als Gegner einstellen, denn das sind hierzulande übliche Weiten in den tiefesten Stärkeklassen. Feuert indes einer extrem schlecht, sozusagen als «Nummern-Girl», mit dem Träf am Stecken den Nouss auf dem Bock ab, dann weiss niemand, wo das Geschoss landet. Tendenziell viel, viel näher der Abschussstelle als weiter davon entfernt.

In einem Terrain, das für «Profis» tote Zone ist, weil da nie ein Spiel stattfindet. Dort stehen die schlechtesten Abtuer und die ersten 100 Meter sind überhaupt nicht gedackt. Damit läss das abwehrende Team einen Nouss im Feld fallen. Und dieser Fehler wiegt viel gewichtiger, als jeder Monster-Streich. In solch taktischen «Variationen» läge die Chance der Ausländer. Aber: «Natürlich würden wir nie absichtlich so spielen, weil es wider allen Gepflogenheiten ist.»

Ein verziertes Trink-Horn, das die Besten der Besten an Grossanlässen gewinnen, ist dennoch das höchste Ziel der Grossrinderfelder. Kunststück bei diesem Namen. Gereicht hat es bisher nicht. «Nächstes Jahr am Interkantonalen in Aeschi aber packen wirs», sagt Präsi Zeisner mit einem Augenzwinkern «Selbstverständlich würden wir gern an der Spitze mitmischen aber dafür kommen wir viel zu selten zum Trainieren.» Viele ihrer Mitglieder seien auf der Suche nach Arbeit aus der strukturschwachen Region in Tauberfranken weg- und Richtung der nahegelegenen Grossstädte Stuttgart, Frankfurt und Nürnberg gezogen. Darum-, und weil Hornussen in Deutschland nie massentauglich wird, steht der Spass bei den Deutschen «Stratosphären-Ping-Pong-Spielern» im Vordergrund.

Ihr traditionelles, dreitägiges Trainingslager absolvierte die HG Grossrinderfeld heuer bei HG Recherswil-Kriegstetten – dem Schweizermeister von 2012. «Wir sind jedes Jahr bei einer anderen Gesellschaft eingeladen», sagt Zeisner. Insofern seien sie «die gern gesehenen Exoten.» Dieses freundschaftliche und kameradschaftliche Miteinander ist etwas, das für die Deutschen einen grossen Reiz ausmacht. «Es gibt weder Kratzen, Beissen noch Treten, wie man das von vielen anderen Sportarten her kennt», hält Zeisner fest. Fast ein bisschen Anti-Deutsch. «Der eindeutig Bessere gewinnt und der eindeutig Schlechtere gibt dem Sieger nach dem Spiel die Hand.» Ja mehr noch – bei Hornussern ist es üblich, dass der Gastgeber den Gast nach dem Match zum Essen einlädt. Man stelle sich so einmal nach einem Fussball-Länderspiel zwischen Deutschland und Holland vor.

Apropos Wettkampf: Am Eidgenössischen Hornusserfest in Limpach im August sind die Swissness-Botschafter punkto «Bauern-Tennis» natürlich auch am Start. «Für ein eigenes Team reicht es uns diesmal allerdings leider nicht», so Zeisner. Dafür fehle es ihnen an Personal. Darum werden er und seine Kollegen im Berner Mittelland dannzumal, in anderen Teams starten. «Das geht dann schon», erklärt Zeisner. Klar, denn so gut, dass sie in der 8. Stärkeklasse Unterschlupf finden, sind die Deutschen «Nationalspieler» allweil.