Swiss League
Grosse Freude und erhitzte Gemüter: Der EHC Olten vor dem Derby in Langenthal

Stürmer Daniel Carbis steht sinnbildlich für den guten Oltner Saison-Restart, wäre da nur nicht das schlechteste Powerplay der ganzen Liga.

Silvan Hartmann
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Daniel Carbis schoss gegen Thurgau ein ansehnliches und wichtiges Tor - folgt schon heute mehr?

Daniel Carbis schoss gegen Thurgau ein ansehnliches und wichtiges Tor - folgt schon heute mehr?

freshfocus/Marc Schumacher

Wie Daniel Carbis am vergangenen Freitag – 65 Sekunden vor Schluss der Partie gegen Thurgau – von der Seite her nach einem Doppelpass mit Fuhrer in den Slot stürmte und die Scheibe am längeren Pfosten über die Linie bugsierte, war grosse Klasse. Es war nebst den unzähligen Paraden von Torhüter Silas Matthys jene entscheidende Szene des Oltner 2:1-Sieges, über die im Nachgang gerne diskutiert wurde.

Ausgerechnet er, ausgerechnet Daniel Carbis! Der Neuzuzug startete noch neben den beiden Ausländern in die Saison, wurde dann aber schon bald durch Jewgeni Schirjajew ersetzt. Carbis nahm den Entscheid sportlich zur Kenntnis. Er spiele hier in Olten in einer guten Mannschaft, weshalb es sekundär sei, in welcher Linie er spiele.

Ja, dieses Tor habe ihm gutgetan, sagt er und spricht es gleich selbst an: «Vor allem auch, weil es mir persönlich nicht so gut lief und auch der Mannschaft nicht besonders viel geglückt war.»

Ziel: Ein gutes Startdrittel gegen Langenthal

Trainer Fredrik Söderström war nach dem Spielende die Erleichterung und Freude ins Gesicht geschrieben – nicht nur wegen den gewonnenen drei Punkten, sondern auch, weil eben dieser Daniel Carbis sich vom Sorgenkind zum Matchwinner spielte. «Ich mag es ihm besonders gönnen. Er hatte keinen einfachen Saisonstart und haderte etwas mit sich selbst. Wir hatten dann ein gutes Gespräch mit ihm geführt», hielt Söderström unmittelbar nach dem Spiel fest.

Daniel Carbis bestätigt darauf angesprochen: «Ja, es gilt für uns alle: Wenn man ein Anliegen hat, dann soll man das ansprechen dürfen und die Türe der Coaches steht uns immer offen. Das habe ich genutzt. Ich hatte mit Fredrik und Marc Grieder ein gutes Gespräch, woraus ich sicher etwas gestärkt hervorging.»

Die grosse Frage bleibt vor dem heutigen Derby in Langenthal: War dieser 2:1-Sieg für Carbis und Co. der gewünschte Turnaround? Daniel Carbis will so weit nicht gehen, hält aber fest: «Es war sicher eine grosse Freude da, dass wir nach der Quarantäne wieder gut gestartet sind. Nun wurden wir mit den zwei Spielabsagen wieder etwas ausgebremst und müssen quasi wieder von Neuem den Tritt finden. Deshalb legen wir wieder viel Wert auf ein gutes Startdrittel. Ich bin optimistisch, dass uns das gelingt», so Carbis.

Emotionen und Redebedarf im Mittwochstraining

Nebst einem guten Startdrittel, das letztmals in Langenthal 0:3 verloren ging, tut der EHC Olten auch gut daran, sich im Powerplay zu steigern. Mit einer Überzahl-Ausbeute von 12,8 Prozent belegen die Oltner diesbezüglich den letzten Platz der Liga.

Die Specialteams sorgen denn auch im Mittwochstraining für Musik, das lausige Powerplay erhitzt die Gemüter: Erst zerstört Cédric Hüsler völlig ausser sich sein Arbeitsgerät, zieht seinen Stock über das Torgehäuse.

Nur wenige Minuten später lupfts Trainer Fredrik Söderström während der nicht wunschgemäss geglückten Übung auf der Bank stehend den Deckel, schmeisst eine Trinkflasche aufs Eis und benutzt das eine oder andere Kraftwort. Seine Message: Reisst euch zusammen! Und sonst sitzen auch noch andere Spieler auf der Bank, die gerne in Überzahl auf dem Eis stünden.

Auch nach diesen Szenen besteht unter den Spielern viel Rede- und Klärungsbedarf. Emotionen und Reibungspunkte, nach denen sich Trainer Söderström erst kürzlich noch so sehr gesehnt hatte, weil man im Kleinholz zu lieb miteinander umgehe, sind zu sehen.

Carbis’ Meinung über die Specialteams: «Klar, die Statistik ist nicht überragend. Wir müssen daran arbeiten und uns verbessern. Aber es war überhaupt nicht so, dass ich nur Schlechtes gesehen hätte. Das erste Powerplay lief gut und im Zweiten haben wir Potenzial nach oben. Und das Boxplay war in Ordnung, ich mache mir keine Sorgen.»

Fuss mit Fussverletzung, Oehen und Rytz zurück

Noah Fuss verletzte sich im Abschlusstraining zum Spiel gegen Thurgau am Syndesmoseband am Fuss. Jetzt ist klar: Das 19-jährige Stürmertalent vom SC Bern fällt bis Ende Jahr aus. Damit dürfte auch sein grosser Traum, eine Teilnahme an der U20-WM, in die Ferne rücken.

Ins Lineup zurückkehren dürften hingegen Stürmer Cyril Oehen und Verteidiger Philipp Rytz. Während Oehen die etwas längere Quarantäne abgesessen hat, fühlt sich Rytz nach einem schwereren Covid-Verlauf wieder fit genug, eine Partie zu bestreiten.

Nach einer Ausleihe an den HC Lugano ist auch Torhüter Simon Rytz zurück im Kader. Wer den Vorzug erhält, entscheiden die Coaches erst heute. Silas Matthys dürfte dank der guten Partie gegen Thurgau gute Karten besitzen. (sha)