Fussball
Grenchens willige Jekami-Truppe verliert gegen Kriens 0:9

Die Überforderung war gigantisch. Trotzdem hat es jeder einzelne der insgesamt 14 eingesetzten Grenchner Spieler verdient, nach der 0:9-Kanterniederlage gegen Kriens vom FCG ein herzliches Dankeschön zu bekommen. Denn jeder hat sein Bestes gegeben.

Hans Peter Schläfli
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Die Grenchner Nadircan Dilsiz und Egzon Mustafi wehren vor dem Krienser Ridge Muny ab.
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Kein Fingerspitzengefühl: Schiedsrichter Simon Roth zeigt beim Stand von 0:7 Agron Ibraimi (Nummer 13) wegen angeblichem Hands die rote Karte, Goalie Nadircan Dilsiz ist entsetzt.
Der Grenchner Mohamed Barry kommt gegen den Krienser Nicholas Walker zu spät, FCG-Trainer Patrick Bösch beobachtet im Hintergrund.
Der Grenchner Liridon Alimi versucht den Krienser Ridge MMunsy zu stoppen.
Und wieder muss FCG-Goalie Nadircan Dilsiz einen Ball aus dem Netz holen.
FC Grenchen verliert gegen Kriens 0:9
Der Grenchner Liridon Alimi muss den Krienser Lucas Thöni ziehen lassen.

Die Grenchner Nadircan Dilsiz und Egzon Mustafi wehren vor dem Krienser Ridge Muny ab.

Hans Peter Schläfli

Die Geschichte dieses einseitigen Fussballspiels ist rasch erzählt. Es war schon ein Erfolg für die Grenchner, dass das 0:0 bis zur 12. Minute hielt. Wenn der FCG ausnahmsweise einmal bis über die Mittellinie vordringen konnte, kam die Anweisung von Trainer Patrick Bösch: «Ball halten, Ball halten.» Es gab einen einzigen ernsthaften Schuss auf das Krienser Tor, abgegeben durch Wassim Rihai in der 74. Minute.

Kampf gegen das «Stängeli»

Positiv ist zu werten, dass es mit dem 0:9 nur ein einstelliges Resultat gab. Dies, obwohl Schiedsrichter Roth in der 77. Minute jegliches Fingerspitzengefühl vermissen liess und auf Penalty und Platzverweis wegen absichtlichen Handspiels entschied, als Captain Agron Ibraimi auf der Linie rettete. Obwohl der Arm am Körper war, und dies beim Zwischenstand von 0:7. Aber die Grenchner kämpften auch mit einem Mann weniger tapfer weiter gegen das «Stängeli».

«Es tut jedesmal extrem weh», sagte am Ende Grenchens Goalie Nadircan Dilsiz. 26 Tore hat er bei seinen drei bisherigen Einsätzen kassiert, also rund alle 11 Minuten eines. Trotzdem bereue er seinen Wechsel zum FCG nicht. «Es ist meine grosse Chance, mich einmal auf diesem Niveau präsentieren zu können», sieht er das Positive.

Und er war nicht auf verlorenem Posten, er wurde von einem halben Dutzend seiner Fans – alles ehemalige Mitspieler vom Viertligisten Post Solothurn – moralisch unterstützt. In der ersten Halbzeit sah Dilsiz einzig beim vierten Gegentreffer unglücklich aus, als er wie im Boden verwurzelt zusah, wie Guto Capellini einen Freistoss direkt verwandelte. Dafür zeigte er in der zweiten Hälfte ein paar unglaubliche Rettungsübungen gegen alleine anstürmende Krienser.

Grenchen nicht konkurrenzfähig

Der FC Grenchen leidet also weiter unter dem Schuss ins eigene Knie, den er sich mittels Vorstandsentscheid vor vier Wochen gegeben hat. Mitten in der Saison den guten Spielern plötzlich die versprochenen Spesenzahlungen zu streichen hat zur Folge, dass der FCG seither keine konkurrenzfähige Mannschaft mehr aufs Feld senden kann.

Jekami, also jeder kann mitmachen, heisst jetzt seither das Motto. Der FC Grenchen schickte in den letzten Wochen stapelweise Transferformulare an den Fussballverband. Die Kandidaten wurden aber nicht einmal ansatzweise selektioniert. So stehen jetzt 30 Namen auf der Mannschaftsliste und ab Mittwoch sind alle spielberechtigt. Darunter hat es Leute, die bisher nur in der 5. Liga kickten.

Auf die Frage, ob er schon einmal gegen eine schlechtere Mannschaft gespielt habe, sagte der Krienser Henrique Bem diplomatisch: «Concordia ist auch nicht viel besser.» Der in der Region bestens bekannte Brasilianer, der zuletzt beim FC Langenthal spielte, wollte die in allen Belangen inferioren Grenchner nicht noch mit Worten demütigen.