Warum gelingt es nicht, auf dem Platz Grenchen einen oder zwei starke Fussballklubs statt vier mehr oder weniger dümpelnde zu führen. Warum machen sich Ital, Wacker, Fulgor und der FC Grenchen gegenseitig das Leben schwer, wenn ein Zusammengehen finanziell, sportlich und gesellschaftlich viel mehr Erfolg verspräche?

Statt über Investoren-Gruppen, finanzielle Not, Abstieg, fehlende Funktionäre oder Spieler, die, wie auf einem Rösslispiel, von Klub zu Klub rotieren, wäre die Chance gross, dass man als ein Verein in der Fussballstadt Grenchen über Zuschauerrekorde, Tabellenspitzen und noch erfolgreicheren Nachwuchs reden könnte. Marcel Bolliger, Präsident von Wacker und Befürworter einer Fusion, bringt es schön auf den Punkt: «Wir polieren eben lieber Oldtimer, anstatt dass wir in neue Wagen investieren.»

Zum Nachtessen eingeladen

«Natürlich ist es auch ein Anliegen der Stadt, dass die vier Fussballvereine enger zusammenarbeiten oder sich ganz vereinen», sagt François Scheidegger. Im Gemeinderat gab es diesbezüglich auch schon eine Interpellation. Auf die Initiative des Grenchner Stadtpräsidenten hin haben sich nun Vertreter der vier Klubs Ende April erstmals zu einem Nachtessen getroffen.

Primär ging es darum, sich kennen zu lernen. «Die Diskussion war offen und konstruktiv», erinnert sich Scheidegger. «An der Einsicht», so der Jurist, «dass gemeinsam mehr möglich ist und das vieles vereinfachen würde, fehlt es nicht.» Das Wort Fusion habe er zu Beginn gar nie in den Mund genommen, so Grenchens Stapi. «Das kam schnell von den Vereinen selber.» François Scheidegger macht keinen Hehl daraus, dass ihm ein einziger Klub – wie der dann auch heissen möge – am liebsten wäre. «Ich könnte auch damit leben, wenn vorerst aus vier zwei würden.»

In Runde 3 deutlich werden

Am zweiten runden Tisch in der Causa «Miteinander», der unlängst stattfand, habe er sich eher zurückgehalten und zugehört. In Runde drei, die bald stattfindet, «werde ich dann allerdings schon deutlich konkreter darlegen, was wir von der Stadt erwarten», sagt Scheidegger. Schliesslich hat diese als Besitzerin und Betreuerin von sportlichen Infrastruktur-Anlagen ein essenzielles Interesse an einer sinnvollen Lösung.

«Sich gegenseitig kaputt- und sich das Leben schwerzumachen, bringt niemandem was», hält Scheidegger fest. Ein Sponsor gebe auch lieber einem Verein Geld als vieren.

Auf Stufe Nachwuchs ist man sich grundsätzlich einig. Angedacht ist auf die übernächste Saison hin ein neuer Verein, der alle Nachwuchsspieler auf dem Platz Grenchen vereint und finanziell von den Stammvereinen der Jungs getragen wird. Die Lizenzen der Nachwuchskicker bleiben ebenfalls beim Stammverein. Für eine gewisse Unsicherheit hat der FC mit seiner geplanten Fussball-Akademie gesorgt. Diese soll indes losgelöst vom «normalen» Nachwuchs funktionieren und als eine Art überregionales Zusatzangebot für Talente da sein.

Die Aktiven als Problemzone

Auf Aktivstufe wird es, wie überall, wo es um Fusionen geht, heikler. Wacker und Fulgor Grenchen haben schon in den 1930er-Jahren über eine Fusion debattiert. Bis heute konnte aber keine der Parteien über ihren Schatten springen. Indem sich nun der Stadtpräsident persönlich der Sache annimmt, und quasi als Mediator wirkt, trifft und spricht man jetzt in einem etwas gehobeneren, offizielleren Rahmen. In einer viel weniger kompromisslos von Testosteron und Tradition getränkten Umgebung also.

«Im Moment», erklärt François Scheidegger, «können alle noch aus einer Position der Stärke raus verhandeln.» Verpasst man jedoch den Zug, könnte das bald nur noch aus einer Position der Not sein. Immerhin: Bei Fulgor und Absteiger Wacker tönt es so, als ob man schon nächste Saison als Spielgemeinschaft in der 3. Liga antreten wollte. Quasi die Vorstufe zur Fusion, bei der die hochheiligen Vereinsnamen noch bestehen bleiben.