Fussball 1. Liga
Grenchens Stadion-Abwartin von der Lohnliste gestrichen

Der Vorstand des FC Grenchen führt die Sanierung ohne Treuhänder Jürg Scheidegger durch. Und unterdessen hat man den Vertrag mit Stadion-Abwartin Lori Aubry gekündigt.

Michael Schenk
Merken
Drucken
Teilen
Franz Bieri, Katrin Schlup, Lilo Delsberger, Rolf Lanz, Fabio Bortot, von links, während der 108 GV, des FC Grenchen, am 26. November 2014.

Franz Bieri, Katrin Schlup, Lilo Delsberger, Rolf Lanz, Fabio Bortot, von links, während der 108 GV, des FC Grenchen, am 26. November 2014.

Marcel Bieri

Im Auftrag der Donatoren hatte Treuhänder Jürg Scheidgger beim FC Grenchen eine Buchprüfung durchgeführt. An der GV Ende November resultierte das bitterböse Ergebnis: 150 000 Franken Schulden – notabene ohne Berücksichtigung des unmittelbar vorausgehenden französischen Investoren-Debakels, das den Klub durch Lohnzahlungen an die damals neu engagierten Spieler und die spätere Abfindungen an Trainer Najib Mehli null gebracht, aber rund 30 000 Franken gekostet hat. Scheidegger hob an der GV den Mahnfinger und strich die prekäre finanzielle Situation, in der sich der FCG befinde, explizit heraus. Vorschläge, wie eine allfällige Sanierung durchgeführt werden kann und aussehen muss, gab er dem Vorstand mit auf den Weg.

Inzwischen steht fest, dass Scheidegger an der Ausarbeitung oder Umsetzung des Sanierungsplans selbst nicht mitmacht. Falls er dazu mandatiert worden wäre, hätte er dies natürlich getan. So aber ist der Vorstand nun selber dabei, mit Kreditoren das Gespräch zwecks Aushandlung allfälliger Abzahlungsvereinbarungen oder Verzichtserklärungen zu suchen. «Es läuft ganz gut», bestätigt die Vorstandsvorsitzende, Lilo Dellsperger. Grosse «Baustellen» seien keine mehr vorhanden. «Es sind viele, kleinere Summen, um die es jetzt geht.»

Die Bereitschaft, den Karren wieder zum Laufen zu bringen, sei von diversen Seiten spürbar. Die Geste von Ex-Präsident Rolf Bieri, der auf sein Darlehen von 80 000 Franken verzichtet, habe in dem Sinn Signalwirkung gezeigt. Die Vereinsschuld, die Scheidegger an der GV nannte, hat sich durch Bieris noble Geste auf 70 000 Franken reduziert. Auf der anderen Seite versucht der Vorstand auch da Rechnung zu stellen, wo man dies bis dato versäumt hat oder wo Geldgeber und Sponsoren zuletzt frustriert, brüskiert oder desavouiert ausgestiegen sind.

«An ihrer Arbeit gibt es nichts auszusetzen»

Gekündigt hat man seitens des FC Grenchen unterdessen den Vertrag mit Stadion-Abwartin Lori Aubry, und zwar kurz vor deren Pension. Lori Aubry ist die Mutter von Nadia Aubry. Letztere wiederum ist die Nichte von Ex-Präsi Rolf Bieri und war in diesem verrückten Vereinsjahr selbst zwei Mikro-Phasen lang FCG-Vorstandsvorsitzende. «An ihrer Arbeit gibt es überhaupt nichts auszusetzen», sagt Dellsperger zur Kündigung. Lori Aubrys Mann hatte noch aus eigenen Mitteln eine Zeichnungsmaschine gekauft, mit der er die Fussballfelder zeichnete. Allein Sparmassnahmen hätte sie zu diesem Schritt gezwungen, versichert Dellsperger.

Obwohl Aubrys Lohn von der Stadt gezahlt wird, «sind die Sozialversicherungs-Kosten unsere Sache», sagt die FCG-Vorstandsvorsitzende. Und diese würden mehrere Tausend Franken jährlich ausmachenden, was einfach «nicht mehr drinliege». Und wer macht denn jetzt künftig den Abwart im Stadion Brühl? «Wir haben schon einen Lösung im Hinterkopf, die uns mit Sicherheit nicht so viel kosten wird», hält Dellsperger fest. Hoffentlich keine französische...