Fussball 1. Liga
Grenchen-Trainer Bösch: «Sie haben Charakter gezeigt»

Schlusslicht Grenchen gibt bei der 0:3-Niederlage gegen die Black Stars auf dem Platz ein Lebenszeichen. Daneben zeichnet sich beim Erstligisten der nächste Ärger ab.

Daniel Weissenbrunner
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Grenchens Stürmer Péter Csima (l.) scheitert knapp an Black Stars Goalie Eldin Beganovic.

Grenchens Stürmer Péter Csima (l.) scheitert knapp an Black Stars Goalie Eldin Beganovic.

Uwe Zinke

Hätte Peter Csima seine Chance nach knapp einer Stunde, als er alleine vor Torhüter Beganovic auftauchte, verwertet, wer weiss, die Grenchner hätten das scheinbar Undenkbare geschafft und wären vielleicht mit einem Punkt nach Hause zurückgekehrt. Hätte, wenn und aber. Der Ungar scheiterte am Goalie der Black Stars. Es wäre der Ausgleich zum 1:1 gewesen. Praktisch im Gegenzug erzielten die Basler das 2:0 und stellten so die Weichen zum letztlich standesgemässen Sieg zwischen dem Aufstiegsaspiranten und dem Abstiegskandidat.

Wie ein Absteiger traten die Grenchner zum Erstaunen der Zuschauer nicht auf. Trainer Patrick Bösch hatte es fertig gebracht, mit nur einem Rasentraining seine neuformierte Truppe auf die Aufgabe einzuschwören. Wie ihm das gelang, bleibt sein Geheimnis. Tatsache ist, dass die Grenchner als Mannschaft auftraten und nicht als orientierungsloser Haufen wie in der Vorbereitung, als es reihenweise penible Niederlagen absetzte. «Sie haben Charakter gezeigt», zollte Bösch seinen Spielern Respekt.

Die Rolle des Schwarzen Peters

Zum Feiern war ihm und Sportchef Renato Brun trotzdem nicht zu Mute. Schliesslich liegen die Grenchner weiterhin am Tabellenende und die anhaltenden Negativmeldungen in den Medien schlagen den beiden allmählich aufs Gemüt. Sie sehen sich in der Rolle des Schwarzen Peters.

Im Verein zeichnet sich der nächste Grabenkampf an. Bösch und Brun vermissen die Unterstützung des Vorstandes. Bei Spielern, die man verpflichten wollte, legte die Führungsetage ihr Veto ein. Nicht wegen der Kosten, sondern wegen des Status. «Das wäre kein Problem gewesen», versichert der Sportchef. Die Kandidaten hätten mit einer dreimonatigen Aufenthaltbewilligung die Mannschaft im Abstiegskampf unterstützen sollen. Er erhielt ein Njet. «Will der FCG tatsächlich in der 1. Liga bleiben», fragt sich Brun.

Aus dem Spital direkt ans Spiel

Es ist nicht der einzige Ärger, der sich beim Sportchef angestaut hat. Er verbrachte die Nacht auf den Samstag mit Lungenbeschwerden notfallmässig im Spital. Obschon er angeschlagen war, fuhr er danach direkt ans Spiel nach Basel. «Im Unterschied zum Vorstand», moniert Patrick Bösch. Ausser Hauptsponsor und Beisitzer Franz Bieri habe es auch während der Vorbereitung niemand von der Vereinsführung für nötig befunden, sich ein Bild von der Mannschaft zu machen. «Es waren immerhin elf Begegnungen.»

Bösch will seinen Weg trotz der Divergenzen beharrlich weitergehen. Er glaubt nach wie an das Wunder von Grenchen. Nach der Leistung gegen die Black Stars erst recht. Am Samstag steht die wegweisende Partie gegen Tabellennachbar Concordia auf dem Programm. «Ich bin überzeugt, dass wir die drei Punkte holen.» Alles andere legt er zur Seite – vorerst jedenfalls.