Fussball
Grenchen droht ein Fussball-Grounding

Die Fussballvereine in Grenchen kämpfen mit Trainingsplatzproblemen. Es geht aber weit um mehr: In der Uhrenstadt steht die Zukunft der Fussballvereine auf dem Spiel. Heute Abend will die demissionierte Geschäftsleitung eine Erklärung abgeben.

Daniel Weissenbrunner
Merken
Drucken
Teilen
Harte Landung: Die Grenchner Vereine (im Bild Adrian Moser) müssen sich momentan mit wenig Platz zufrieden geben

Harte Landung: Die Grenchner Vereine (im Bild Adrian Moser) müssen sich momentan mit wenig Platz zufrieden geben

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Erstligist FC Grenchen hat sein Programm am vergangenen Wochenende mit einem Sieg im Testspiel beim FC Bern aufgenommen. Doch der Schein trügt: Dem Verein ist nicht nach Jubeln zumute. Die Mannschaft von Trainer Hans-Peter Kilchenmann liegt bei Saisonhälfte nur auf Rang 11 mit einem dünnen Polster zu den Abstiegsplätzen.

Schwerer wiegt jedoch die Tatsache, dass die Zukunft des Vereins auf wackligen Beinen steht. Die vierköpfige Geschäftsleitung zieht sich im Sommer geschlossen aus ihren Ämtern zurück. Auslöser für die Demissionen war das verworfene Kunstrasenprojekt von vergangenem Herbst.

An der heutigen Versammlung erklären sich Mario Bernasconi und seine Vorstandskollegen ihren Mitgliedern. Mögliche Interessenten für eine Nachfolge haben sich beim (Noch-)Präsidenten bis gestern nicht gemeldet, wie Bernasconi bestätigt.

Auch andere Vereine haben Probleme

Ähnlich düster präsentiert sich die Stimmung auch bei den anderen Fussballvereinen in Grenchen. Die prekäre Trainingsplatzsituation stellt die Verantwortlichen vor grosse Probleme und raubt ihnen die Lust an ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. «Ich kann den Entscheid des FC-Vorstandes gut nachvollziehen. Wir haben uns die gleiche Frage gestellt, ob es unter diesen Voraussetzungen noch Sinn macht», sagt Christian Schlup. Der Ehrenpräsident von Wacker Grenchen stellt seit zwei Jahrzehnten einen beträchtlichen Teil seiner Freizeit dem Fussball zur Verfügung. Er lässt durchblicken, dass damit bald Schluss sein wird. «Die Enttäuschung ist gross und nicht wenige erwägen bei uns den Rücktritt», erklärt Schlup . «Für den Verein käme dies einer Katastrophe gleich.»

Schlup bedauert zudem, dass aufgrund der bedrohlichen Lage der Ton unter den Vereinen rauer geworden sei. Anstatt solidarisch aufzutreten, wie im Vorfeld zur Abstimmung des Kunstrasenprojekts, als sich ein Unterstützungskomitee bildete, sind die Klubs nun daran, für sich die bestmöglichen Trainingsbedingungen herauszuschlagen.

Stadt nicht erfreut

Alles andere als erfreut mit der aktuellen Situation zeigt sich auch Grenchens Stadtpräsident Boris Banga. «Der Fussball besitzt betreffend Juniorenbewegung, Breitensport und Integration einen sehr hohen Stellenwert in unserer Stadt.» Rund 700 Spieler verteilen sich in Grenchen auf die vier Vereine FC, Wacker, Ital und Fulgor. «Deshalb kann es uns nicht egal sein, was mit den Vereinen geschieht.» Banga bringt für die Verdrossenheit der Klubvertreter Verständnis auf. Das Nein zum Kunstrasen war auch für ihn enttäuschend. «Ich würde es jedoch sehr bedauern, wenn aus diesem Entscheid heraus ein Klub verschwinden würde.» Die Stadt setze im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles daran, um die angespannte Platzsituation zu entkrampfen, verspricht Banga.

In Bezug auf ein neues Kunstrasenprojekt will sich der Grenchner Stadtpräsident zeitlich nicht festlegen. «Es gibt eine politische Anstandsfrist, um das Grundstück ins Verwaltungsvermögen der Stadt zu überschreiben. Wenn das geschehen ist, kann ein nächster Versuch unternommen werden.» Ob das Christian Schlup als Vorstandsmitglied bei Wacker Grenchen noch erleben wird, ist unwahrscheinlich. Er will in spätestens einem Jahr kürzertreten.