Es gibt Gesprächspartner, die entweder nichts sagen oder dann mit Floskeln um sich schmeissen. Carmen Küng gehört weder zur einen noch zur anderen Kategorie. Wer es mit ihr aufnimmt, muss sich auch neben dem Eis warm anziehen.

Küng trägt ihr Herz auf der Zunge, unverfälscht, kantig, wortgewaltig, zuweilen unbequem, aber immer echt und garantiert nie langweilig. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Neu werden die berufliche und die örtliche Umgebung sein, wo man Carmen Küng antreffen wird.

Good bye Curling

Nach fast zwei Jahrzehnten ist mit Schluss mit Curling. Die Olympischen Spiele in Sotschi waren Küngs letzte Einsätze als Spitzensportlerin. Sie endeten mit dem unliebsamen vierten Rang.

Zum zweiten Mal nach Vancouver unterlag das Team von Mirjam Ott im kleinen Final. Das Verpassen einer olympischen Medaille bezeichnet sie als grösste Enttäuschung in ihrer langen sportlichen Laufbahn.

Am Entschluss, ihre Karriere zu beenden, hatte die Niederlage gegen die Britinnen keinen Einfluss. Der Entscheid stand schon länger fest. Carmen Küng wagt mit 36 Jahren einen Neustart. Lebensplan B, wie sie selbst sagt.

Sie hat ihren Wohnsitz nach Laax verlegt. Mit ihrem Lebenspartner bezieht sie in diesen Tagen eine Eigentumswohnung. Die Stelle als Pflegefachfrau in Bern hat sie gekündigt, am kommenden Montag beginnt sie im Kantonsspital Chur ihren neuen Job. Über all dem steht der Wunsch, in naher Zukunft eine Familie zu gründen.

Erfolgreiche Karriere

Carmen Küng hat im Schweizer Curling nachhaltig Spuren hinterlassen. Ihre ersten Gehversuche machte sie im CC Solothurn. Ihren ersten internationalen Auftritt hatte sie 1996 an der Junioren-WM.

Die Erfolge liessen nicht lange auf sich warten. Sie wurde mehrfach Schweizer Meisterin, sie gewann EM-Gold, Silber und Bronze. Sie holte sich an Weltmeisterschaften zweimal Bronze und - als Höhepunkt vor zwei Jahren mit Janine Greiner, Carmen Schäfer und Mirjam Ott den WM-Titel im kanadischen Lethbridge.

Mit dem Skip feierte die Feldbrunnerin die grössten sportlichen Erfolge und landete dank ihr - indirekt - auch privat den Volltreffer. Küng lernte ihren Freund via Mirjam Ott kennen.

Das Curling verliert mit Carmen Küng eine Persönlichkeit. Sie verkörperte den Typus Leistungssportlerin, wo Geselligkeit und Spass ebenfalls ihren Platz hatten. Nicht umsonst erhielt sie den Übernamen «Pausenclown».

Die Muntermacherin verlagert ihren Lebensmittelpunkt nun vom Jurasüdfuss in der Surselva. Ihre Solothurner Fan-Gemeinde wird die unverkrampfte Art vermissen. Gegen aufkommendes Heimweh hat Küng vorgesorgt. Zur Laaxer Wohnung gehört ein Studio, das Freunden und Familie offensteht. In diesem Sinne: Allegra...