Fussball
Goalie Raphael Spiegel lebt jetzt seinen Traum in London

Seit sechs Wochen steht der 19-jährige Goalie Raphael Spiegel aus Langendorf im Kader des Premier-League-Clubs West Ham United. Für den jungen Sportler geht damit ein Traum in Erfüllung, der dank viel Fleiss Realität wurde.

Andreas Fretz
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Raphael Spiegel: Im Mutterland des Fussballs angekommen.

Raphael Spiegel: Im Mutterland des Fussballs angekommen.

Alexander Wagner

Manchmal, da weiss Raphael Spiegel selbst nicht so recht, ob das alles nur ein Traum ist. Vor sechs Wochen hauste er noch in einer Wohnung in Wil, nun residiert er in der Millionenmetropole London. Genauer: in der Nähe von Greenwich am Ufer der Themse. Sein neuer Verein, West Ham United, hat dem Goalie aus Langendorf drei Wohnungen präsentiert. Spiegel hatte die Wahl. Seine neuen Teamkollegen heissen Andy Carroll, das ist jener Stürmer, der an der EM jenes wuchtige Kopfballtor gegen Schweden erzielt hat und dann für 40 Millionen von Liverpool zu West Ham transferiert wurde. Oder der finnische Goalie-Veteran Jussi Jääskeläinen, der in der Premier League über 400 Spiele absolviert hat.

«In der Schweiz habe ich auch mit Cabanas oder Smiljanic gespielt», sagt Spiegel, der bei GC auf der Lohnliste stand, «die Spieler aus der Premier League kannte ich hingegen nur aus dem Fernsehen. Man hält sie für unantastbar, irgendwie für unwirklich. Nun stehe ich im Training neben ihnen und wir unterhalten uns.» Den besten Draht hat Spiegel zum Franzosen Alou Diarra, der einst bei den Bayern spielte und auch ein bisschen Deutsch spricht. Spiegel staunt selbst, wohin ihn der Weg seiner noch jungen Karriere geführt hat: «Aber es zeigt auch, was alles möglich ist, wenn man den Willen dazu aufbringt.» Er habe sich immer alles hart erarbeiten müssen, sagt der junge Torhüter.

Spiegel, der in der Schweiz zuletzt für Brühl und Wil gespielt hat und in der U20-Nati das Tor hütet, fühlt sich wohl im Heimatland des Fussballs. «Ich habe mich gut eingelebt», sagt er, «die Wohnung ist eingerichtet, die obligatorische Stadtrundfahrt durch London habe ich hinter mir.» Bei West Ham ist der Schweizer Goalie Nummer 3. Spielpraxis erhält er in der Premier League U21 mit West Hams zweiter Mannschaft. Zweimal ging das Team als Sieger vom Platz, einmal spielte man unentschieden. Bei der einzigen Niederlage fehlte Spiegel, weil er mit der U20-Nati unterwegs war.

Schweizerische Bescheidenheit

«In England achtet man viel mehr auf die Details», sagt Spiegel, «es herrscht eine andere Mentalität, man muss immer Vollgas geben.» Sämtliche Trainings absolviert der 1,96-m-Mann mit der ersten Mannschaft. Bei den Heimspielen steht er vor dem Anpfiff jeweils im Tor, damit sich seine hoch dekorierten Teamkollegen einschiessen können. Während des Matchs nimmt er auf der Bank Platz und geniesst die einmalige Atmosphäre. Spiegel hofft, dass er bald einmal als zweiter Torhüter aufgeboten wird. «Aber Priorität hat für mich derzeit die U21», fügt er schweizerisch bescheiden an.