1. Liga

Goalgetter Loïc Chatton ist beim FC Solothurn, «um zu helfen»

Jürg Widmer (rechts aussen) steigt in seine zweite Saison als Trainer des FC Solothurn.

Jürg Widmer (rechts aussen) steigt in seine zweite Saison als Trainer des FC Solothurn.

Am Wochenende beginnt die neue 1.-Liga-Saison für den FC Solothurn mit dem Gastspiel beim SC Goldau. Loïc Chatton amtet in seinem fünften Jahr bei den Solothurnern als neuer Captain – eine Annäherung an den Torgaranten.

Loïc Chatton und der FC Solothurn – es ist eine wahrhaftig gute Symbiose, die schon seit Juli 2016 Bestand hält. Chatton ist Torgarant, seit er 2016 von Neuenburg Xamax gekommen war, ja mittlerweile Solothurns grosse Lebensversicherung: 63 Tore hat der 29-Jährige bisweilen in seiner 1.-Liga-Zeit verbucht. Er ist stets zur Stelle, wenn er gefragt ist. Eine Statistik, auf die man als Stürmer zweifellos stolz sein darf. Loïc Chatton lacht.

«Ja, schon. Aber es ist auch ein Verdienst der Mannschaft», sagt er ganz teamorientiert und meint weiter: «Als Stürmer will ich immer Tore schiessen, aber eigentlich ist es egal, wer die Tore schiesst. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft Spass haben.»

Und dieser Spass, der kam in der Saison 2019/20 schon etwas zu kurz. Das lässt sich auch aus der Tabelle erahnen: 20 Punkte aus 14 Spielen, nur Platz 6 für den FC Solothurn. «Das entsprach nicht unseren Vorstellungen. Wir haben in der Hinrunde zu viele Punkte völlig unnötig liegen gelassen», sagt Chatton rückblickend.

Umso grösser sei eigentlich die Motivation gewesen, in der Rückrunde anzugreifen, um die verlorenen Punkte wettzumachen. Doch machte Corona den Fussballern einen grossen Strich durch die Rechnung, die Saison gipfelte im Abbruch. «Schliesslich war die Coronapause für uns gar nicht mal so schlecht. Wir hatten Zeit, durchzuatmen. Jeder hat sich selbst hinterfragt, wir haben viel miteinander gesprochen, was auch für etwas frische Luft gesorgt hat», sagt Chatton mit seinem sympathischen französischen Akzent.

Loïc Chatton freut sich über seinen Treffer in der Cup-Quali gegen Zug.

Loïc Chatton freut sich über seinen Treffer in der Cup-Quali gegen Zug.

Bereits am 22. Juni hatten Chatton und Co. den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. «Das Schutzkonzept funktioniert gut. Jeder Einzelne übernimmt Verantwortung und hat die Regeln zu befolgen, auch im Privatleben.» Der FC Solothurn schlägt ein neues Kapitel auf, peilt nach dem sechsten Platz einen höheren Topplatz an.

«Klar, wir spielen Fussball, um zu gewinnen. Wir wollen mit Erfolgen die Siegermentalität zurückgewinnen und wollen oben mitspielen können», sagt Chatton, «aber nicht um jeden Preis. Wir haben einige junge Spieler, die zuerst einmal mit viel Matchpraxis integriert werden müssen.» Und dies will er als Captain zu einer seiner Hauptaufgaben machen. «Ich möchte meine Erfahrung weitergeben. Ich bin hier, um zu helfen.»

Erfahrungen hat der 29-Jährige zur Genüge. Bis ins Alter von 18 Jahren kämpft er sich bei seinem Stammverein Biel in die Chal­lenge-League-Mannschaft. Kurze Zeit später wird der FC Sion auf ihn aufmerksam, er debütiert in der Super League. In dieser Zeit, 2010/2011, gewinnt er mit den Wallisern den Schweizer Cup und erreicht seinen persönlich höchsten Marktwert: Er soll laut Transfermarkt 300000 Franken betragen haben.

Doch Loïc Chatton kann sich auf höchster Stufe nicht richtig durchsetzen, wird ausgeliehen an den FC Lugano, der damals noch in der Challenge League spielte. Er wird danach von Ligakonkurrent Neuenburg Xamax übernommen, worauf sein Weg zum FC Solothurn führt. Loïc Chatton will die Zeit als Profifussballer nicht missen.

«Es war eine schöne Zeit, ich habe jeden Tag genossen, den Traum von so vielen jungen Fussballern leben zu dürfen», sagt er. Als grössten Unterschied bezeichnet er, dass er als Profi «nur Fussball im Kopf» gehabt habe. «Hier dreht sich zwar noch immer alles um Fussball, aber es ist nicht mehr unsere Priorität.»

Wer mit Loïc Chatton spricht, der spürt, dass ihm die positive Stimmung im Team besonders wichtig ist. Er fühle sich wohl beim FC Solothurn – und nimmt damit Wind aus den Segeln. So machten Abwanderungsgelüste um seine Person die Runde, worauf Chatton seinen Vertrag beim FC Solothurn um zwei weitere Jahre verlängert hatte. «Ich habe immer gesagt: Ich will bleiben, der FC Solothurn hatte immer Priorität für mich. Ich spüre, dass die Leute mir vertrauen.»

Loïc Chatton gefällt es in Solothurn. So sehr, dass er selbst viele Pendlerstunden in Kauf nimmt. Denn der 29-Jährige wohnt in Bern, arbeitet bei einem grossen Uhrenhersteller in Biel und spielt Fussball in Solothurn. «Es ist nur eine Frage der Einstellung.» Es ist der beste Beweis: Das Feuer brennt weiterhin in ihm, so wie es seit über vier Jahren ungebrochen für den FC Solothurn tut.

Seine Wichtigkeit für den Klub hat er letzte Woche im ersten Pflichtspiel schon wieder bewiesen, als er Solothurn in der Cup-Qualifikation in die Verlängerung schoss. Der FCS gewann gegen Zug am Ende im Penaltyschiessen.

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