Länger als bis zum 0:4 habe er es noch nie ausgehalten, sagt er... Wenn das Debakel des FC Grenchen zuletzt jeweils zu krasse Ausmasse annahm, dann trat er vorzeitig den Heimweg an. «Manchmal tut es schon weh, das mit anzusehen – aber sie können es ja nicht besser», hält Gilbert Raboud fest.

Der 80-Jährige gewann 1959 mit Grenchen den Cup und stand 1960 abermals im Final. Sieben oder acht Saisons seien es gewesen, die er, der Verteidiger, und sein Bruder René, der Stürmer, mit einem Nati-Einsatz gegen Portugal mit dem FCG in der NLA kickten. Anfang der 60er-Jahre spielten Gilbert und René dann sieben Jahre für den FC Solothurn. «Wir waren damals sechs Grenchner in Solothurn.» Nach zwei Saisons in der 1. Liga stieg jener FCS anno dazumal in die NLB auf.

Von den glohreichen Zeiten sind noch Erinnerungen da

Er habe es kommen sehen, sagt der «Back» aus FCG-Glanztagen, dass es einmal so weit komme. So weit, dass sein FCG nun in die 2. Liga inter absteigt – und auch das nur, wenn eine Fusion in den nächsten Wochen zustande kommt. Andernfalls droht der Name FC Grenchen gänzlich von der Fussball-Landkarte zu verschwinden. Ohne fette Sponsoren geht in diesem Geschäft nichts mehr. «Ich habe die erfolgreichsten Tage des FCG miterlebt und bin jetzt auch beim Tiefpunkt mit dabei», sinniert Raboud.

Als Grenchen 1959 Vizeschweizermeister wurde, kamen gegen YB 15 000 Fans mit Extrazügen und rudelweise per Velo über den «Buechibärg» ins Brühl. Anlässlich des finalen 1.-Liga-Derbys waren es 400 – was überwältigenden Saisonrekord bedeutet. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, dass der FC Grenchen je wieder an seine Glanzzeiten anknüpfen könne, zögert Raboud: «Wie gesagt, das Geld spielt heute eine viel zentralere Rolle als bei uns.» Er, der immer als Uhrenmacher tätig war, und seine Mitspieler hätten damals 80 Franken für einen Sieg, 40 für ein Unentschieden und 10 «Stutz» für eine Auswärtsniederlage kassiert – «damit wir uns etwas zu essen kaufen konnten». Verlor man zu Hause, gab es gar nichts.

Die Bilder vom letzten 1.Liga-Derby

«Leichte und gröbere Missverständnisse sind nicht ganz neu in Grenchen»

Nach seiner Aktivzeit war Raboud Trainer in Bettlach, Derendingen, Leuzigen oder bei Fulgor. Zuletzt coachte er die 2. Mannschaft des FC Grenchen in der 2. Liga. Doch statt mit den Reserve-Spielern der 1. Mannschaft, die damals in der NLB spielte, antreten zu können, wie ihm der seinerzeitige Coach Cebinac versprochen habe, «musste ich Senioren aufbieten, um mit genügend Fussballern an die Spiele fahren zu können». Nun, das hat was von der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart – leichte und gröbere «Missverständnisse» sind nicht ganz neu in Grenchen.

«Mit 50 habe ich mein Trainer-Diplom dann weggeschmissen», erzählt die FCG-Legende. Später habe er noch zehn Jahre, bis 60, bei den Superveteranen quer und über den Platz gespielt. «Wir haben fast keinen Match verloren», berichtet der rüstige Rentner nicht ohne Stolz. Fussball begleitet Raboud sein Leben lang.

Auch in Zukunft komme er natürlich ins Brühl. Die frische Luft und die Kollegen, die er treffe, die ihm wichtig seien, seien ligaunabhängig. Was die geplante Fusion mit Fulgor und Wacker betrifft, so hat die FCG-Legende die Einladung für die ausserordentliche GV inzwischen erhalten. «Eine andere Lösung gibt es nicht, darum bin ich dafür», sagt Raboud. Selbst wenn in seinem Fall – verständlicherweise – Wehmut dabei ist.

Matchtelegramm:

FC Grenchen - FC Solothurn 1:2 (0:1)

Brühl. – 420 Zuschauer. – Tore: 4. Hunziker 0:1. 53. Alic (Foul-Penalty) 1:1. 83. Sülüngöz 1:2.

Grenchen: Massari, Mezence, Ngan, Bosko Radevic, Radovan Radevic, Fortunato; Banovi (82. Dalipi), Muhamet, Fotso, Cisma (76. Güggi), Atici.

FC Solothurn: J. Grosjean; Disler (46. Karaboga), Stauffer, W. Grosjean, Du Buisson; Lüthi, Fleury (66. Appelt), Sülüngöz, Hunziker; Veronica (81. Osaj); Mertoglu.

Verwarnungen: W. Grosjean, Sülüngöz, Hunziker, Karaboga (alle FCS).