«Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert». Ein Zitat, das sowohl Wilhelm Busch als auch dem Dramatiker Bertolt Brecht zugeschrieben wird. Diesen Worten folgend lebte es sich für den FC Grenchen ziemlich gelassen.

Die Wild-West-Saison 2014/15, die in der Fast-Pleite und dem «Salto mortale» von der 1.- in die 2.Liga inter führte, ist noch nicht aus allen Köpfen raus. «Es gab durchaus Kommentare, ob es nun weitergehe wie zuletzt», hält der neue FCG-Coach Silvan Rudolf fest. Dies, nachdem die neu formierte Truppe mit 22 neuen und einem «alten» Spieler das erste Meisterschaftsspiel gegen Zofingen 1:5 verlor.

«Natürlich konnten wir nie an einem Punkt schnuppern», gibt der soeben 27 Jahre alt gewordene FCG-Coach selbstkritisch zu. Trotzdem muss man das «Früher» und «Jetzt» gewaltig relativieren. Der FCG ist inzwischen in guten Händen und die 1. Mannschaft ist bereit, viel für den Erfolg zu tun. «Die meisten von ihnen kennen aber bisher nur die regionale 2. Liga oder die Junioren-A-Coca-Cola-League», sagt Rudolf. «Die 2. Liga-inter ist dagegen ein ‹Quantensprung›.»

Golf zur Einstimmung

Rudolf kann sich noch gut an sein Debüt in der fünfthöchsten Liga erinnern. «Ich hatte damals nach 20 Minuten das Gefühl, einen Match in den Beinen zu haben.» In dem Sinn bräuchten seine Jungs noch etwas Zeit und Kredit, sich zu finden und sich an die neue Aufgabe zu gewöhnen.

Sie tun das mit nicht weniger als vier Trainings pro Woche. «Die Stimmung und der Kit im Team sind toll», freut sich der Coach. So hat sich die 1. Mannschaft etwa am Samstag mit dem Vorstand zu einem Team-Event getroffen. Nach einem Mittagessen stand eine gesellige Runde Golf an. «Wir kommen immer besser in Fahrt», ist Rudolf guten Mutes. Zuversichtlich, dass der Name «FC Grenchen» nach zusammengenommen zuletzt 21 Niederlagen in Serie bald wieder als Sieger in Erscheinung tritt.

Gleich zu Beginn gegen Aufstiegsanwärter

Der junge FCG-Coach, der sonst als Materialwart der Schweizer Nati unterwegs ist, ist froh, dass seine Elf jetzt gleich zu Beginn der Saison auf starke Teams trifft. Zofingen gehört wie die heute im Stadion Brühl gastierenden Zürcher von Red Star zu den Aufstiegsanwärtern. «Damit ist der Tarif jedem klar.»

Rudolf ist ein Trainer, der gerne nach vorne spielen lässt und die Aussenverteidiger gern auch mal in der Vorwärtsbewegung sieht. «Aber alles zu seiner Zeit.» Insofern hat man sich im Hinblick auf das heutige Spiel eingehend mit der Analyse des Zofingen-Matchs, sprich dem taktischen Grundverhalten, befasst. Was dabei rausgekommen ist, davon kann sich das Publikum heute Abend im ersten Heimspiel des neuen FC Grenchen ein Bild machen. Was es auch ist – zu genieren braucht sich dafür ganz bestimmt niemand ...