Radsport

Gerlafinger Rad-Team ist «da, wo es hingehört»

Das gesamte Roth-Akros-Team Gerlafingen.

Das gesamte Roth-Akros-Team Gerlafingen.

Nach einer turbulenten Vergangenheit ist das Gerlafinger Rad-Team Roth-Akros für die neue Saison ideal aufgestellt. «Jetzt sind wir da, wo wir hingehören», sagt Teamboss Stefan Blaser.

Anfang Oktober hiess es beim Profi-Rad-Team Roth aus Gerlafingen noch: «Das Ausbleiben eines potenziell grossen Co-Sponsors sowie unvorhergesehene finanzielle Verbindlichkeiten im sechsstelligen Bereich aus der Saison 2015 zwingen uns dazu, unser Pro-Continental-Team zurückzuziehen.»

Ohne finanzielle Sicherheit sei es unmöglich, das Team auf diesem Niveau eine weitere Saison fahren zu lassen, erklärte Teamboss Stefan Blaser, Haupteigentümer der expandierenden Firma Roth, damals. Und: «Wir bedauern diesen Schritt sehr. Wir waren in Verhandlungen für neue Partnerschaften, doch leider kamen diese nicht zustande.» Dabei durfte man in diesem Sommer dank einer Wild Card an der Tour de Suisse und der Tour de Romandie mitfahren. Damals war man neben dem inzwischen aus finanziellen Gründen aufgelöste IAM World Tour Team die Nummer 2 im Land.

Zu dieser Wild Card kam es freilich nur, weil man sich beim Team Roth 2015 auf Roberto Marchetti verliess und ihn zum Teamchef machte. Leider wurden Verträge zu kryptischen Konditionen abgeschlossen, Investitionen getätigt, die angesichts des knappen Budgets völlig überrissen waren, Sponsoren gefunden, die es nicht gab, und versprochen, was unmöglich war.

Dafür stand plötzlich ein Luxus-Teambus im Hof, so gross wie jene der millionenschweren World-Tour-Equipen. So ging es, bis Blaser im Herbst 2015 den Stecker zog und sich von Marchetti trennte: «Als es um Bargeldübergaben in Italien ging, wurde es zu viel. Das ging nicht», so Blaser.

Sich blenden lassen

Just der angeblich neuen Sponsoren wegen, die es dann effektiv nicht wirklich gab, hatte man sich beim Team Roth jedoch seinerzeit entschieden, in die Pro-Continental-Stufe aufzusteigen. Die zweithöchste Klasse im Radsport und ein reiner Profibetrieb. So kam man im März 2016 eben zum Tour-de-Suiss-Ticket. «Wir hätten nie in die Pro-Stufe aufsteigen dürfen; aber wir haben uns blenden lassen», gibt Blaser heute zu.

Nach der Landesrundfahrt wurde es dann auch dunkel ums Team Roth. Es drohte der Untergang des Teams, respektive man sah sich gezwungen, zurückzubuchstabieren. Als U23-Development-Team wollte man so ursprünglich die Saison 2017 bestreiten.

Seit Mitte November siehts nun wieder deutlich rosiger aus. Mit dem Bieler IT–Unternehmen Akros fand man einen Co-Sponsor für die nächsten drei Jahre. Kurz darauf folgten weitere Good News. Ende November fand das erste Teamtreffen des neuen Roth-Akros-Teams in Gerlafingen im «Stützpunkt» im Bolacker 3 statt. Fahrer und Betreuer trafen sich, um sich über die neue Saison zu unterhalten und sich kennen zu lernen.

Dabei wurde der amtierende Profi-Schweizer-Meister Jonathan Fumeaux als neues Teammitglied vorgestellt. Der 28-jährige Sittener kam vom IAM Cycling. «Wir sind froh, Jonathan an Bord zu haben; er wird eine Führungsrolle einnehmen und den jungen Fahrern ein Lehrmeister sein», sagt Blaser. Für Fumeaux ist der Wechsel eine Herausforderung. «Ich freue mich, in einem Schweizer Team bleiben zu können und mein Meister-Trikot weiter auf internationaler Ebene präsentieren zu dürfen.

Es ist eine Gelegenheit, meine Erfahrungen mit den jüngeren Fahrern zu teilen und ihnen als Leader zur Seite zu stehen», so der Walliser. Kurz nach der Verpflichtung von Fumeaux stiess mit dem Luzerner Pirmin Lang (32) ein weiterer Ex-World-Tour-Pro von IAM-Cycling zu den Solothurnern. Ausserdem konnte die italienische Edelschmiede «Kuota» aus Villasanta in der Nähe von Mailand als neuer Rad-Ausrüster gewonnen werden. Die Italiener versorgen das Team Roth-Akros in den nächsten zwei Jahren mit Hightech-Pedal-Maschinen.

«So macht es wieder Freude»

Mit neuem Co-Sponsor, neuem Rennrad-Ausrüster, alten und neuen Fahrern und neuem Mut und neuer Moral geht es so für das Team Roth nun in die Saison 2017. «Jetzt sind wir da, wo wir hingehören», sagt Blaser. In der Continental-Klasse – quasi der Nationalliga C des Radsports also –, und das mit einem reinen Schweizer Team. Wobei das Team unterteilt ist. 8 der 17 unter Vertrag stehenden Fahrer bilden das U23-Development-Team und stammen fast ausschliesslich aus dem letztjährigen Junioren-Team.

Zu diesem Nachwuchs-Team gehört auch der hoffnungsvolle U19-Bahnweltmeister Stefan Bissegger.

«So macht es wieder Freude», freut sich Blaser nach den teuren Disharmonien der letzten Monate. Eine Tour de Suisse oder Tour de Romandie gibt es heuer für das Team Roth so nicht mehr, dafür etwa eine Kroatien-, Österreich- oder Elsass-Rundfahrt und keine ausufernden Kosten.

U19-Bahnweltmeister Stefan Bissegger (l.) verstärkt das U23-Team.

U19-Bahnweltmeister Stefan Bissegger (l.) verstärkt das U23-Team.

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