«Ich kann es kaum erwarten, den Anpfiff des Schiedsrichters zu hören», fiebert Schönenwerds Trainer Bujar Dervisaj dem wichtigsten Spiel der Saison entgegen. Morgen um 17.30 Uhr trifft sein Team im Final des Schweizer Cups in Fribourg auf Lausanne. Nach dem enttäuschenden Abschneiden in der Meisterschaft ist es für den TVS die grosse Chance, der Saison 2014/15 doch noch eine positive Wende zu geben. «Ich freue mich, dass wir trotz des fünften Platzes in der Meisterschaft doch wieder einen Final erreicht haben», so Dervisaj. «Für die Spieler wird es ein Highlight, vor einer solch schönen Kulisse antreten zu dürfen.»

In das Duell gegen den diesjährigen Playoff-Finalisten Lausanne starten die Schönenwerder in der Rolle des Aussenseiters. Drei der vier Direktbegegnungen in diesem Jahr gingen an die Waadtländer. Zudem pflegte der TV Schönenwerd mit dem Cup in den letzten Jahren alles andere als eine Liebesbeziehung. Entsprechend bescheiden ist der Leistungsausweis. Der Wettbewerb endete für die Niederämter jeweils spätestens in den Viertelfinals. In der sechsten NLA-Saison hat es nun aber endlich einmal geklappt mit dem erstmaligen Finaleinzug.

Schweizer

Elf Schweizer, zwei ausländische Profis: Kein anderes NLA-Finalrundenteam setzt derart konsequent auf einheimisches Schaffen wie der TVS. «Wir sprechen nicht nur davon, dass wir junge Schweizer Spieler fördern, sondern wir geben ihnen auch die Möglichkeit, sich in der NLA zu präsentieren», erklärt Sportchef Daniel Bühlmann die Philosophie des Klubs. Angeführt wird die grosse Schweizer Fraktion von Captain Jan Schnider. Der mittlerweile 32-Jährige zählt nach wie vor zu den besten Spielern mit Schweizer Pass und verleiht dem jungen Team dank seiner Routine viel Stabilität. Daneben müssen – oder dürfen – aber auch die jungen Spieler viel Verantwortung übernehmen. Für geeigneten Nachwuchs sorgt der Klub gleich selber: Im Februar sicherte sich Schönenwerd den dritten U23-Meistertitel in Folge, und vor Wochenfrist beendete die zweite Mannschaft die NLB-Finalrunde ungeschlagen auf dem ersten Platz. Ausserdem pflegt der TVS eine enge Zusammenarbeit mit der Swiss Volley Talent School der Region Aargau.

Ausländer

Der TV Schönenwerd startete mit nur einem Ausländer in die Saison, und auch bei der Besetzung dieser Position blieb der Klub seiner Philosophie treu. Mit dem erst 21-jährigen australischen Nationalspieler Jordan Richards wurde ein junger, talentierter Angreifer verpflichtet, der erst am Anfang seiner Profikarriere steht. «Jordan passt perfekt in unser Schema», erklärt Trainer Bujar Dervisaj. «Wie die anderen jungen Spieler in unserem Team hat er grosses Potenzial, braucht aber noch viel Arbeit. Bei uns kann er Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln.» Auf die Finalrunde hin stiess dann noch der routinierte lettische Mittelblocker Viktors Korzenevics neu zum Team mit dem Ziel, für mehr Präsenz in der Mitte zu sorgen und somit die Aussenpositionen zu entlasten.

Dervisajs Prognose ... und Sorge

«Unser Motto muss lauten: Geniesse jeden Ballwechsel.» Dies hat Bujar Dervisaj seinen Spielern in der Woche vor dem Final eingetrichtert. Als grösste Stärke seines Teams sieht er den Spirit: «Wir haben zwar keinen Spieler, der 30 Punkte pro Spiel macht, aber wenn das Team richtig in Fahrt kommt, ist alles möglich.» Man wisse genau, wie Lausanne spiele. Im letzten Aufeinandertreffen stimmte bei seiner Mannschaft sowohl die Annahme als auch die Block-Defense. Sich in der Offensive noch mehr konzentrieren und «die Punkte killen», lautet Dervisajs Erfolgsrezept: «Aufgrund des Saisonverlaufs ist LUC sicherlich der Favorit, aber am Finaltag beginnt alles bei null – und es kann immer etwas Unerwartetes passieren. Ich denke, am Schluss entscheidet die Tagesform und auch das nötige Quäntchen Glück.» Trotz Vorfreude plagt Dervisaj eine grosse Sorge. Leandro Gerber, der schon in der Finalrunde wichtige Spiele verpasst hatte, leidet an einer Mittelohrentzündung. «Leandro konnte die ganze Woche nicht trainieren», zeigte sich Dervisaj skeptisch, «ich weiss nicht, ob es bis Samstag reicht.» Der ganze Verein und die Fans hoffen und bangen mit ihm.