Fussball
Geld ist jetzt nicht mehr Dauerthema in der Garderobe

Sacha Stauffer hat auf diese Saison hin die Farben von Grenchen-Blau in Solothurn-Rot-Weiss gewechselt und fühlt sich wohl. Am 18. Oktober ist das erste Derby zwischen Stauffers Ex- und aktuellem Klub geplant. Doch findet das überhaupt noch statt?

Michael Schenk
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Sacha Stauffer.

Sacha Stauffer.

Marcel Bieri

Sacha Stauffer war quasi die letzte Konstante beim von wildem Aktionismus befallenen FC Grenchen. Acht Jahre war der 28-Jährige essenzieller Teil und lange auch Captain der 1. Mannschaft. Ein Leader auf und neben dem Platz. Mehr als 18'000 Minuten stand er während dieser Zeit für den FCG anlässlich von Pflichtspielen auf dem Platz. Bis es auch ihm zu kunterbunt wurde und er heuer per 1. Juli zum FC Solothurn dislozierte. Da, wo er einst schon in der U15 und U16 spielte. «Ich wurde tipptopp aufgenommen und fühle mich sehr wohl», sagt der Routinier.

Dass sein Ex-Klub in der Meisterschaft derzeit förmlich abgeschlachtet wird, erstaunt Stauffer nicht: «Nein, leider nicht; auch wenn man es natürlich gerne anders sähe. Aber ich habe es fast befürchtet. Das war schliesslich ein Grund, weshalb ich den FCG verlassen habe.»

Er habe nie daran geglaubt, dass die französischen Investoren dem Klub wirklich helfen würden. «Das Interesse dieser Leute war für mich nie ersichtlich», sagt er. Sein Bauchgefühl sei derlei immer flauer geworden, der Glaube an ein gesicherte Zukunft immer winziger und so habe er das Angebot des FC Solothurn angenommen. Obwohl ihm Grenchen deutlich mehr Geld geboten hätte.

Mehr «Titanic» als «Blüemlisalp»

Inzwischen ist die dubiose französische Armada aus der Uhrenstadt bekanntlich wieder abgezogen und altbekannte Leute sind wieder am Ruder. Ob diese jedoch den Dampfer wieder auf Kurs bringen, ist noch ziemlich fraglich. Nach den jüngsten Kanterniederlagen – 0:9 gegen Zug und dem 1:10 gegen Wangen – sieht es beim FC Grenchen nach wie vor mehr nach «Titanic» im Nordatlantik als «Blüemlisalp» auf dem Thunersee aus. Wie es jedoch genau um den einstigen Traditionsverein steht, weiss wirklich wohl allein der Allmächtige.

Am 18. Oktober findet Spielplan in Solothurn das erste Derby in dieser Saison zwischen dem FCS und Grenchen statt. Ob es allerdings überhaupt so weit kommt, daran zweifeln derzeit nicht wenig Leute innerhalb und ausserhalb der regionalen Fussballszene. Auch der langjährige FCG-Regiespieler Sacha Stauffer würde diesbezüglich «nicht mehr die Hand ins Feuer legen.» Natürlich freue er ich sehr auf dieses Datum. Das Derby sei für ihn immer das höchste gewesen, räumt der Defensivspieler ein. «Aber», so fragt Stauffer kritisch, «wer will schon zu einem Klub oder bei einem Klub bleiben, der sich Wochenende für Wochenende metzgen lassen muss?» Es wäre ihm viel lieber, wenn die Vorzeichen auf dieses Derby hin anders aussähen, als sie es im Moment tun.

Einer, der das Gute sehr schätzt

Was dermaleinst eine allfällige Rückkehr zum FCG angeht, so denn die liebe, gute Fee eines Tages doch noch einmal in Grenchen haltmacht und alles zum Guten zaubert, sagt Stauffer: «Sag niemals nie, aber es sieht gar nicht danach aus. Wenn ich mich einmal irgendwo wohlfühle, dann bin ich nur noch schwer wieder von da wegzubringen.» Worte, die in seinem Fall statistisch fundiert sind. Sonst hätte er dem FCG niemals acht Jahre die Treue gehalten.

Inzwischen fühlt sich der Lamborghini-Fan wohl bei seinem neuen, alten Klub Solothurn. «Ich geniesse es, dass im Umfeld Ruhe herrscht», räumt der gelernte Schreiner ein. Das Thema Geld zum Beispiel, das in Grenchen Dauerthema gewesen sei, sei in Solothurn jetzt eine vergleichsweise Nebensächlichkeit. Wenn in Grenchen eine Spesenzahlung nicht pünktlich überwiesen wurde, «gab es sofort Unruhe in der Mannschaft». In Solothurn herrscht inzwischen ein ziemlich straffes Kostenmanagement; ergo sind tendenziell weniger Kicker im Team, für die der Zunder höchste Priorität geniesst, als anderswo. Und auch die Augen von Sacha Stauffer sind schon umgepolt und haben sich von Blau auf Rot-Weiss eingestellt. «Ich hatte damit viel weniger Probleme als einige meiner Freunde und Leute aus dem Umfeld», lacht er.