Schwingen
Gehen dem Solothurner Verband die Schwinger aus? – Was Präsident Michael Saner dazu sagt

Michael Saner, seit Dezember Präsident des Solothurner Schwingerverbands, erklärt die Nachwuchsförderung zu seinem Hauptanliegen und spricht über die Chancen des Solothurner Duos am Unspunnen-Schwinget

Raphael Wermelinger
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So locker wie Michael Saner seine Kinder Luana und Dario sollen Bruno Gisler und Marcel Kropf am Unspunnen-Schwinget ihren Gegner schultern. Bruno Kissling

So locker wie Michael Saner seine Kinder Luana und Dario sollen Bruno Gisler und Marcel Kropf am Unspunnen-Schwinget ihren Gegner schultern. Bruno Kissling

Bruno Kissling

Mit Bruno Gisler und Marcel Kropf sind am Sonntag am Unspunnen-Schwinget zwei «Böse» vom Solothurner Kantonalen Schwingerverband (SKSV) am Start. Kropf habe «Pfuus wie ne Cheib», sagt Präsident Michael Saner über den 31-Jährigen aus Mümliswil. «Wenn er sein ganzes Potenzial abrufen kann, kommt er ins vorderste Drittel der Rangliste.» Höher sind die Erwartungen an den dreifachen Eidgenossen Bruno Gisler aus Rumisberg: «Wenn bei ihm alles zusammenpasst, kann er um den Schlussgang mitreden.»

Saner hatte darauf gehofft, dass der SKSV drei oder gar vier Schwinger nach Interlaken schicken könne. «Leider hatten wir dieses Jahr aber Verletzungspech», bedauert er. Thomas Stüdeli verletzte sich bereits im Vorjahr am Knie und pausiert heuer. Lorenz Blatter und Remo Stalder sind ebenfalls angeschlagen.

«Wir sind ein kleiner Kanton, da fallen diese Ausfälle noch mehr ins Gewicht», sagt Saner, der aber sofort hinterherschickt: «Jetzt sind wir mit zwei Schwingern am Unspunnen dabei, das ist auch gut.» Jahrelang hätten die Solothurner gar keine Eidgenossen mehr in ihren Reihen gehabt, stellt er klar. Mit Gisler und Stalder sind es im Moment deren zwei. Schwarzmalen müsse man die Situation bei den Solothurner Aktivschwingern daher nicht.

Zehn Jahre Thal-Gäu-Präsident

Mitte Dezember 2016 wurde der Laupersdörfer Michael Saner zum neuen Präsidenten des SKSV gewählt. Davor war der gelernte Metzger viele Jahre beim Schwingklub Thal-Gäu tätig. Als Leiter der Jungschwinger, danach übernahm er die Aktiven und schliesslich war er knapp zehn Jahre lang Präsident des SK Thal-Gäu.

Seine Laufbahn im Sägemehl war dagegen von kurzer Dauer: «Ich begann erst mit 15 Jahren. Der Sport faszinierte mich zwar sofort, vor allem die Kameradschaft. Ich selber gehörte aber nie zu den fleissigen Schwingern. Ich trainierte zwar zweimal pro Woche, an die Spitze hätte es aber niemals gereicht.» Es sei aber gar nicht das Ziel, dass jeder, der mit Schwingen beginne, dereinst ein Spitzenschwinger werden müsse. «Auch Trainer, Helfer oder Funktionäre sind immer gesucht.»

Er geht mit bestem Beispiel voran. Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist Saner mittlerweile Präsident des SKSV. Seine Bilanz: «Ich hätte nicht mit so viel Aufwand gerechnet. Aber ich mache die Sachen lieber richtig und investiere dann gerne auch etwas mehr Zeit. Grundsätzlich habe ich mich sehr gut eingelebt.» Als Höhepunkte seiner bisherigen Amtszeit nennt Saner die Einweihung der neuen Schwinghalle in Solothurn. Aber auch das Solothurner Kantonalschwingfest in Deitingen: «Es ist schon sehr speziell, wenn man das erste Mal die Festrede halten darf.» Gefreut habe er sich insbesondere über den grossen Zuspruch und auch das Lob aus den Schwingerkreisen.

Nachwuchs hat Priorität

Als grösste Baustelle eruiert Michael Saner die zu geringe Anzahl an Jungschwingern im Kanton: «Da müssen wir eindeutig mehr machen. Es braucht noch viel mehr Werbung, um den Nachwuchs für den Schwingsport zu begeistern. Aber wir sind dran. Mit Inseraten, neuen Flyern und Transparenten.» Dieses Jahr werde der SKSV erstmals einen Jungschwinger-Förderpreis vergeben.

Diesen erhält der Klub, der am meisten leistet in Sachen Anwerben und Betreuen von Nachwuchsschwingern. «Ende Jahr gibt es einen Wanderpokal und einen kleinen finanziellen Beitrag als Anreiz», erklärt Saner. Denn wenn es verpasst werde, kontinuierlich Werbung zu machen für den Sport, gäbe es Löcher bei einigen Jahrgängen, die nicht mehr zu stopfen seien. «Das bröckelt dann immer mehr ab», weiss der Laupersdörfer.

Als «sehr gut» bezeichnet der SKSV-Präsident die Resultate der Solothurner Aktivschwinger im 2017. Saner verweist auf das Aargauer Kantonalschwingfest Anfang Mai, als mit Kropf und Gisler zwei Solothurner im Schlussgang standen: «Dass zwei Fremde den Sieg unter sich ausmachten, war für die Aargauer natürlich hartes Brot.» Gisler gewann in Brugg und wenig später auch in Deitingen am Solothurner Kantonalschwingfest. Saner bezeichnet Gisler als Spitzenschwinger und Glücksfall für den SKSV. Er erhebt aber gleichzeitig den Mahnfinger.

Denn der 34-Jährige befinde sich doch allmählich im Herbst seiner Karriere. «Er wird ein grosses Loch hinterlassen, welches es wiederum zu füllen gilt. Deshalb ist es so wichtig, dass wir noch mehr ins Jungschwingerwesen investieren.» Die Nachwuchsschwinger hätten dieses Jahr hart gearbeitet. Das Ziel laute, dass sich acht bis zehn Solothurner Jungschwinger für den Eidgenössischen Jungschwingertag 2018 qualifizieren. «Sicher ein sportliches, aber kein unrealistisches Ziel», wägt Michael Saner ab.

Keine Würste bestellt im Vorfeld

Sein Unspunnen-Tag beginnt morgen bereits um 5 Uhr früh. Dann gehts mit dem Vereinsbus Richtung Interlaken. Während des Fests wird Saner bei den Ehrengästen sitzen. «Ich wäre auch gerne bei meinem Klub gesessen, aber auf der Ehrentribüne kann man natürlich gute Verbindungen knüpfen und mögliche Ideen für die Zukunft aufgleisen», spricht der Präsident aus ihm heraus. «Am Abend gibt es hoffentlich noch etwas zu feiern», fügt er an. Vorbereitet sei aber nichts: «Nehmen wir an, Gisler gewinnt; dann müsste er etwas organisieren.

Wir vom SKSV würden ihn natürlich dabei unterstützen. Schon im Vorfeld Bratwürste und Bier zu bestellen, wäre aber doch ein bisschen zu optimistisch gewesen.» Wer ist in seinen Augen denn der Topfavorit auf den Unspunnen-Sieg? «Eigentlich müsste es ein Berner machen. Aber ich glaube, die stolpern über ihre eigenen Füsse. Ich sehe eher Armon Orlik vorne.»