Fussball
Solothurns Aussenverteidiger Fabian Kohler seit 161 Pflichtspielen solid, treu und unscheinbar wirkend

«Es ist schwierig, einzuschätzen, wo wir stehen», sagt Solothurns Abwehrspieler Fabian Kohler nach der langen Corona-Zwangspause. Und über den weiteren Saisonverlauf: «Es ist eine spezielle Ausgangslage, wir probieren, noch so viele Punkte wie möglich zu holen».

Pius Rüegger
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Fabian Kohler packt gegen Zugs Le Bigonsan die Grätsche aus.

Fabian Kohler packt gegen Zugs Le Bigonsan die Grätsche aus.

Patrick Hürlimann

Vor acht Monaten, beim 3:1-Sieg in Niederhasli beim GC-Nachwuchs, konnte sich Fabian Kohler letztmals für einen Ernstkampf mit dem FC Solothurn seine Fussballschuhe schnüren. In neun Tagen wird es wieder so weit sein, im Jurasüdfuss-Derby beim souveränen Leader Biel.

Acht Punkte liegen die drittplatzierten Solothurner nach den neun gespielten Runden zurück. «Es ist eine spezielle Ausgangslage, wir probieren, noch so viele Punkte wie möglich zu holen», erachtet der 26-Jährige die nur zweiwöchige Vorbereitungszeit unter normalen Bedingungen als genügend. «Wenn wir in Biel ein gutes Resultat erreichen, gibt uns das Auftrieb, wobei es schwierig ist, einzuschätzen, wo wir stehen. Die Ausgangslage ist aber für alle gleich», sagt der Aussenverteidiger zuversichtlich.

Zur Erinnerung: Das Komitee der Ersten Liga hat entschieden, dass keine Aufstiegsspiele stattfinden und die beiden besten von den drei Gruppensiegern direkt in die Promotion League aufsteigen. Diese Lösung findet Kohler fair, weil so nach einer kurzen Sommerpause die Hoffnung auf eine normale neue Saison besteht: «Die laufende Saison ganz zu beenden, finde ich nicht sinnvoll, obwohl es für Mannschaften im Abstiegskampf bitter ist.»

Er ist ein typischer Mannschaftsspieler

Erfahrungen mit Aufstiegsspielen durfte der in Lüsslingen aufgewachsene und jetzt im Schöngrünquartier in Solothurn wohnende Sportler in seinen acht Saisons in der Ersten Liga dreimal machen. In diesen acht Partien gegen Yverdon 2016/17 (2:1; 1:3), Lancy 2017/18 (2:0; 4:2) und Münsingen (2:1; 0:3) sowie Etoile Carouge 2018/19 (0:1; 0:5) fehlte Kohler übrigens keine einzige Minute. Überhaupt zeichnet sich der solide, treue, unscheinbar wirkende, typische Mannschaftsspieler durch extrem hohe Einsatzzeiten aus.

In seinen bisherigen 144 Meisterschaftsspielen für den FC Solothurn absolvierte er 91,92 Prozent Spielminuten, im Cup in Qualifikation und Schweizer Cup in neun Partien 97 Prozent. In seinen 161 Pflichtspielen für den FCS kommt er auf eine Präsenz von 92,6 Prozent. «Ich habe selten gefehlt, bin nicht verletzungsanfällig und für diese Position gibt es nicht viele Alternativen», erklärt er.

Dreimal stand Fabian Kohler (l.) mit dem FC Solothurn schon in den Aufstiegsspielen zur Promotion League.

Dreimal stand Fabian Kohler (l.) mit dem FC Solothurn schon in den Aufstiegsspielen zur Promotion League.



Markus Müller

Auch in Sachen Fairness ist er ein Vorbild. In den acht Spielperioden sammelte er nur 22 gelbe Karten ein. «Ich habe meine Emotionen recht gut im Griff», sagt er. Auch als Torschütze weist der Bucheggberger tiefe Werte aus – sechs Tore. «Ich laufe viel, aber der Ertrag ist klein», sieht er einen Bezug zu seiner Position.

Aussenverteidiger ist Kohler zufällig geworden. «Als ich auf die Saison 2013/14 von Trainer Patrick Grolimund nach einem Jahr bei den A-Junioren (Coca-Cola-League) ins Fanionteam nachgezogen wurde, fiel der nominelle Aussenverteidiger Loris Lüthi (heute Breitenrain) verletzt aus», erzählt er. Vorher agierte er meist im Mittelfeld, zentral oder als Flügel. Ebenfalls nur zufällig, durch Kollegen, kam er überhaupt zum Fussball und zu den F-Junioren des FC Leuzigen.

Auf 2010/11 holte ihn der FC Wacker Grenchen für zwei Saisons zu den B-Junioren in der Coca-Cola-League. Es folgte der Wechsel 2012/13 zum A-Nachwuchs in die Kantonshauptstadt. Seit Grolimund konnte er sich unter Aziz Saylir, Bidu Zaugg, Dariusz Skrzypczak und Jürg Widmer immer als Stammspieler behaupten.

Bald mit dem Bachelor und einer neuen Stelle

Nach der Lehre als Polymechaniker schloss Kohler die Berufsmatur erfolgreich ab. An der Fachhochschule in Biel studiert er Mikro- und Medizintechnik. Zurzeit ist er mit seiner Bachelor-Arbeit zum Thema «CMC-Fräsmaschinen, Sensor-/Messtechnik» beschäftigt. Nach deren Abschluss kann er diesen Sommer eine Stelle bei einem Industriepartner antreten.

Durch das pandemiebedingte Studium im Homeoffice konnte er diese Situation auch auf den Fussball adaptieren. «Die zehn Tage Quarantäne nach der Spielabsage mit dem folgenden Unterbruch im letzten Oktober waren für mich nicht megaschlimm, war ich es doch vom Studium her gewöhnt, allerdings hatte ich nach einer Woche genug», sagt Kohler. Sportlich lief nichts mehr. «Nur Krafttraining zu Hause war möglich, wobei die meisten Spieler nicht frustriert waren, da es absehbar war», ordnet er ein.

Fabian Kohler jubelt mit Teamkollege Massimo Veronica.

Fabian Kohler jubelt mit Teamkollege Massimo Veronica.



Hans Peter Schläfli

Ab Anfang Jahr konnte zuerst zumindest in Fünfer-Gruppen – vier Spieler und der Trainer – und dann in 15er-Einheiten kontaktlos trainiert werden. Die Perspektive, den Cup-Achtel- final gegen Kriens austragen zu können, gab Ansporn. Die Absage löste grosse Enttäuschung aus: «Wir freuten uns, einmal einen Achtelfinal zu spielen. Wenn die Regeln für alle Amateurklubs einheitlich gewesen wären, wäre es für uns einfacher gewesen, den Entscheid zu akzeptieren», zeigt Kohler gleichzeitig Verständnis. Nun hofft er, sich Anfang Juli zu Hause gegen Lancy in der zweiten Vorqualifikation in den nächsten Schweizer Cup zu spielen.