Fussball Solothurner Cup
Der Fünftligist SC Derendingen wirft den Titelverteidiger Iliria aus dem Cup

Geht es nach Trainer Salvatore Giuliano, soll der SC Derendingen in ein paar Jahren wieder zu den Spitzenklubs des Kantons gehören. «Unser langfristiges Ziel ist es, wieder einen attraktiven Verein aufzubauen – diese Mannschaft ist nur der Anfang des Projekts», sagt er.

Raphael Wermelinger
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Erst seit rund drei Monaten ist die Mannschaft des SC Derendingen zusammen.

Erst seit rund drei Monaten ist die Mannschaft des SC Derendingen zusammen.

zvg

«Wir haben sicher bis um 3 Uhr gefeiert. Einige Spieler nahmen am Donnerstag spontan frei, andere mussten früh wieder raus», blickt Salvatore Giuliano auf den Coup im Solothurner Cup gegen den FC Iliria zurück. Der Fünftligist SC Derendingen warf den Titelverteidiger, der am Sonntag noch im Schweizer Cup gegen YB im Einsatz stand, im Sechzehntelfinal raus.

«Um ehrlich zu sein, wir wussten, dass wir eine Chance haben gegen sie», sagt Giuliano, «wir wollten uns auf jeden Fall so gut wie möglich verkaufen.» Das ist dem SC Derendingen definitiv gelungen – 2:1-Sieg gegen den Favoriten. Ermin Basini schoss den SCD in der Startviertelstunde in Führung, Iliria glich nach zwanzig Minuten aus, in der zweiten Halbzeit gelang Massimiliano Bianco der Gamewinner.

«Wir spielten stinkfrech auf und pressten gleich von Anfang an», zeigt sich Trainer Giuliano stolz über die Leistung seiner Mannschaft. Iliria sei zwar angerannt in der Schlussphase, «sie hatten aber nicht viele Topchancen». Es brauchte indes auch ein paar taktische Fouls, um den Exploit zu schaffen – Derendingen handelte sich in der letzten halben Stunde vier Gelbe Karten ein. «Vieles lief am Ende über den Kampf», sagt Giuliano, «einige Spieler hatten Krämpfe und dann gab es auch noch acht Minuten Nachspielzeit. Aber auch die haben wir überstanden.»

Viel Erfahrung aus höheren Ligen

Ein Blick aufs Kader der Derendinger verrät – das ist kein normaler Fünftligist. Ein grosser Teil der Spieler hat bereits Erfahrung in der 2. Liga oder 3. Liga gesammelt. Oder sogar in der 1. Liga wie Massimo Veronica, der jahrelang für den FC Solothurn spielte. «Wir sind erst seit drei Monaten zusammen. Es ist fast unglaublich, wie fest die Mannschaft in dieser kurzen Zeit zusammengewachsen ist. Und dass wir jetzt schon Mannschaften schlagen können, die seit Jahren sehr erfolgreich sind», sagt Giuliano. Die grössten Stärken des Teams? «Wir sind individuell sehr stark und unberechenbar. Mindestens eine gute 3.-Liga-Mannschaft.»

Salvatore Giuliano trainiert das Team zusammen mit David Steiner. Davor war das Duo bei der zweiten Mannschaft des FC Zuchwil engagiert. Sie schafften 2019 mit 17 Siegen und nur einer Niederlage den Aufstieg in die 4. Liga und lagen dort 2019/20 wiederum an der Spitze, als die Saison abgebrochen wurde.

Der Schritt zum SC Derendingen hat einen traurigen Grund: der tödliche Unfall eines Freundes. An der Beerdigung im vergangenen Oktober sahen sich viele ehemalige SCD-Junioren wieder. Und beschlossen, «dass wir zum SC Derendingen zurückkehren und wieder eine Mannschaft gründen».

Der Klub, der sogar mal in der NLB gespielt und 2005 mit dem Sieg im Solothurner Cup den letzten grossen Erfolg gefeiert hat, stieg Ende 2009/10 aus der höchsten Regionalliga ab. 2015 folgte der Fall in die 4. Liga und zwei Jahre später kam der SCD schliesslich ganz unten in der 5. Liga an. In den vergangenen zwei Saisons stellte Derendingen kein Aktivteam mehr.

Jetzt sind die Blaugelben zurück auf der Fussball-Landkarte. Und wie: In der Meisterschaft gewann der SCD die bisherigen vier Spiele locker, erzielte durchschnittlich fast acht Treffer pro Partie und kassierte insgesamt nur ein Gegentor. «Der Ball ist rund, wir müssen jeden Gegner ernst nehmen», sagt Giuliano. Im Cup sollte jeder Gegner den SC Derendingen ernst nehmen, sonst blüht ihm das gleiche Schicksal wie dem FC Iliria.

Ob und wann der Klub dereinst wieder einmal in der 3.- oder gar 2. Liga spielen wird, will Giuliano nicht prognostizieren: «Unser langfristiges Ziel ist es, wieder einen attraktiven Verein aufzubauen – diese Mannschaft ist nur der Anfang des Projekts.» Nebst dem Fanionteam stellt der SCD in dieser Saison fünf Junioren-Equipen. «Wir wollen den Klub dahin bringen, wo er mal war», sagt Giuliano, «mit einer stabilen Aktivmannschaft und guten Junioren. Derendingen soll wieder top sein im Kanton.»

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