Fussball Solothurner Cup
Der Drittligist FC Welschenrohr bietet dem FC Iliria bis in die Nachspielzeit die Stirn

Ein Tor in der 94. Minute durch Dardan Llugaliu ebnet dem Favoriten Iliria den Weg zum Sieg über den Unterklassigen. Die weiteren Halbfinalisten heissen FC Olten, FC Biberist und FC Bellach.

Hans Peter Schläfli, Raphael Wermelinger
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Ilirias Siegtorschütze Dardan Llugaliu setzt sich im Kopfballduell gegen Welschenrohrs Ernst Christ durch.

Ilirias Siegtorschütze Dardan Llugaliu setzt sich im Kopfballduell gegen Welschenrohrs Ernst Christ durch.

Hans Peter Schläfli

Wenn im Solothurner Cup ein Mittelfeldklub aus der 3. Liga gegen das individuell am besten besetzte Spitzenteam der 2. Liga antritt, das es sich leisten kann, mit Samoell Prenaj den Solothurner Torschützenkönig 2020 erst für die zweite Hälfte einzuwechseln, dann erwartet man einen Spielverlauf wie bei San Marino gegen Italien.

Doch in Welschenrohr sah dies ganz anders aus: Die unterklassigen Rosinlitaler hatten für diesen Viertelfinal einen effizienten Spielplan, bauten sorgfältig von hinten hinaus auf und waren gegen Iliria Solothurn in der ersten Hälfte sogar die bestimmende Mannschaft. Wenn bei einem Zweikampf auf den ersten Blick kein Sieger zu erkennen war, dann eroberten sich immer wieder die Männer, auf deren Schultern «allez Ro­sières» geschrieben steht, den sogenannten zweiten Ball.

Zwei Tore in vier Minuten und zwei Platzverweise

Welschenrohrs starke Leistung wurde nach exakt einer Stunde belohnt, als Adrian Fankhauser mit einem herrlichen Schlenzer von rechts, der sich auf der linken Seite ins gegnerische Tor senkte, das 1:0 schoss. Doch die Freude beim FC Welschenrohr dauerte nur kurz.

Iliria erwachte endlich und Nazim Elezi glich den Spielstand sofort wieder aus. Was folgte, war ein offener Schlagabtausch. Es war spannend und jeder Ausgang schien möglich. Ein echter Cupfight eben. Und da gehen auch mal die Emotionen hoch. Besonders, als in Welschenrohrs Strafraum ein Gegner in einem grenzwertigen Zweikampf zu Fall kam, aber kein Penaltypfiff erfolgte.

Simon Eggenschwiler (Welschenrohr) verteidigt den Ball gegen Fabrizio Laus (Iliria).

Simon Eggenschwiler (Welschenrohr) verteidigt den Ball gegen Fabrizio Laus (Iliria).

Hans Peter Schläfli

«Jetzt kommt gleich das Revanchefoul», rief ein Zuschauer, als David Spaqi quer über das Feld rannte – und tatsächlich mit mehreren Sekunden Anlauf Patrick Eggenschwiler ummähte. Der Platzverweis war der verdiente Lohn dafür. Hätte der FC Welschenrohr mit einem Mann mehr die Sensation geschafft? Man wird es nie wissen, denn Goalie Ivo Teutschmann sah sich ebenfalls in der Rolle eines Racheengels, rannte zur Mittellinie, begann ein Gerangel mit den Gegnern und sah dafür ebenfalls verdientermassen die rote Karte. Es liefen bereits die letzten fünf Minuten.

Iliria mit der Entscheidung in der Nachspielzeit

Es blieb spannend, bis ein unnötiges Foul des FC Welschenrohr draussen an der Seitenlinie die Entscheidung in der Nachspielzeit nach sich zog: Hasan Gedici drehte den Freistoss perfekt mit dem linken Fuss zu Mitte, wo Dardan Llugaliu mit dem Kopf unhaltbar das 2:1 für die Gäste erzielte.

Während die Solothurner Adler ihren Sieg feierten, würdigte auf der anderen Seite Trainer Martin Kamber die Leistung seiner Mannschaft. Er sei stolz, Welschenrohr trainieren zu dürfen, und jeder Spieler dürfe stolz auf die gezeigte Leistung sein. Er würdigte den riesigen Aufwand, der von seinem Team betrieben wurde, um für dieses eine Spiel bereit zu sein.

Mattia Sasso (Iliria) wagt gegen Welschenrohr eine Direktabnahme.

Mattia Sasso (Iliria) wagt gegen Welschenrohr eine Direktabnahme.

Hans Peter Schläfli

Wer Welschenrohr spielen sah, der sah eine Mannschaft, die in der kommenden Saison problemlos den Aufstieg in die 2. Liga schaffen würde. «Würde» deshalb, weil Ernst Christ, Manuel Müller, Tobias und Adrian Fankhauser zurücktreten. «Es rücken gute Junge nach, aber wir werden sicher etwas Zeit für den Aufbau brauchen», sagte Martin Kamber, womit auch gleich klar ist, dass der Trainer seine Arbeit weiterführen wird.

Iliria trifft auf Bellach, Biberist auf Olten

In den weiteren drei Viertelfinals waren die Klubs aus der höchsten Regionalliga unter sich. Am deutlichsten verlief das Aufeinandertreffen zwischen Biberist und Klus/Balsthal. Der FC Biberist, der die Meisterschaft in der 2. Liga als Neunter drei Plätze hinter Klus/Balsthal beendet hat, legte bereits in der 3. Minute durch ein Tor von Andreas Felder vor.

Nach einer knappen Stunde Spielzeit glich FCKB-Topsorer Denis Kostadinovic für die Gäste aus. Doch keine fünf Minuten später lag Biberist nach Ivan Dorics erstem von zwei Treffern wieder vorne. Zwischen der 70. und der 82. Minute legten die Wasserämter drei weitere Tore zum schliesslich deutlichen 5:1-Erfolg bei.

Im Halbfinal wartet der FC Olten auf Biberist. Die Oltner bodigten den FC Subingen mit 4:3. Auf Sandro Iandiorios 1:0 fanden die Gäste aus Subingen kurz vor der Pause eine Antwort - Luca Cappelli traf zum 1:1. In der 68. Minute ging Subingen erstmals in Führung: Alain Kocher erzielte das 2:1. Doch Furkan Tan (70.), Giovanni Gerardi (80.) und Hazir Zenuni (89.) stellten die Weichen für den FCO wieder auf Sieg. Peter Csimas Anschluss in der Nachspielzeit kam zu spät für Subingen.

Nachdem er den letzten Drittligisten eliminiert hat, wartet auf den FC Iliria in der nächsten Runde der FC Bellach. Das Team des Trainerduos Alban Xhema und Arben Gjidoda warf mit dem FC Wangen bei Olten den diesjährigen Aufsteiger in die 2. Liga inter aus dem Pokal-Rennen (5:4).