Fussball
Solothurn-Trainer Widmer vor dem Cup-Knüller gegen den FCZ: «Das ist eine Herkulesaufgabe für uns»

Der FC Solothurn empfängt am Samstag im Schweizer Cup in der ersten Runde den Super-League-Spitzenreiter FC Zürich. «Wir wollen einen tollen Auftritt zeigen, unser Bestes geben und aus diesem besonderen Spiel etwas mitnehmen», sagt der FCS-Coach.

Pius Rüegger
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Der FC Solothurn schaffte den Einzug in den Schweizer Cup 2021/22 dank Siegen gegen Echallens (2:1 nach Penaltyschiessen) und Lancy (4:3).

Der FC Solothurn schaffte den Einzug in den Schweizer Cup 2021/22 dank Siegen gegen Echallens (2:1 nach Penaltyschiessen) und Lancy (4:3).

Alexander Wagner

Mit einem Top-Highlight startet der FC Solothurn in die neue Saison: Der FC Zürich, Co-Leader der Super League, darf am Samstag zum 1/32-Final im Schweizer Cup 2021/22 im Stadion empfangen werden. «Das ist eine Herkulesaufgabe für uns», freut sich Jürg Widmer, Trainer des gastgebenden Erstligisten. «Wir wollen schauen, was wir daraus machen können», fügt er an.

«Für uns ist der FC Zürich ein guter Gegner, wir sind sehr zufrieden, vor allem, weil wir wieder vor Zuschauern spielen können», freut sich auch Solothurns Captain und Goalgetter Loïc Chatton. Er und seine Mitspieler wollen diese Chance wahrnehmen, nachdem sie im letztjährigen Cup im Achtelfinal gegen Kriens pandemiebedingt nicht antreten durften. «Wir waren enttäuscht, hatten aber Verständnis für diese Entscheidung», trauert der Topstürmer diesem unglücklichen Ausscheiden trotzdem nach.

Gerade dieser Hintergrund verleihe der Mannschaft zusätzlichen Antrieb und Kraft. Chatton sagt: «Wir sind froh, so ein Spiel endlich in Solothurn zu haben, das motiviert uns sehr, gibt uns zusätzliche Emotionen. Wir sind uns bewusst, wer der Gegner ist. Das ist ein grosses Geschenk. Wir glauben aber an uns. Wir haben nichts zu verlieren. Und wenn wir gewinnen, wird in der ganzen Schweiz von uns gesprochen.»

Man spürt, die Fokussierung ist beim FCS vorhanden, etwas Aussergewöhnliches zu schaffen. «Die ganze Mannschaft ist bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Wir haben eine gute Vorbereitung gehabt und warten auf dieses Spiel», unterstreicht Chatton dessen Bedeutung.

Zürichs weisse Weste nach drei Spieltagen

Mit den beiden Auswärtssiegen in Lugano (2:0) und Luzern (3:1) sowie dem 3:1-Heimerfolg gegen Lausanne dazwischen weisen die umformierten Stadtzürcher mit ihrem deutschen Neu-Trainer André Breitenreiter bei elf Zuzügern und zehn Abgängern eine optimale Startbilanz auf. Mit dem ebenfalls drei Siege aufweisenden FC Basel führen sie die Tabelle in der Super League blütenweiss an. Nur dank des besseren Torverhältnisses von 13:2 zu 8:2 liegen die Basler vorne.

In beneidenswerter Frühform: Der FCZ gewann seine bisherigen drei Meisterschaftsspiele in der neuen Saison.

In beneidenswerter Frühform: Der FCZ gewann seine bisherigen drei Meisterschaftsspiele in der neuen Saison.

Christian Merz/Keystone

«Der FC Zürich hat gezeigt, dass er bereit ist, auf seine grossen Ziele konzentriert hinzuarbeiten. Für einen Verein aus der Super League ist es logisch, dass er im Cup möglichst weit kommen will, um auch über diesen Weg international spielen zu können, und uns deshalb als Unterklassigen sehr ernst nehmen wird», erwartet FCS-Trainer Jürg Widmer einen entsprechend ambitionierten Gast. «Wir wollen einen tollen Auftritt zeigen, unser Bestes geben, um aus diesem besonderen Spiel etwas mitnehmen zu können», will der FCS-Teamverantwortliche entgegenhalten.

Drei Spieler verpassen den Cup-Schlager

Mit Ausnahme von Philippe Gerspacher und Noel Anderegg, die beide verletzt sind, sowie Gian Huber, der aus beruflichen Gründen fehlt, ist das gesamte Kader einsatzbereit. Die definitive Aufstellung ergibt sich aus den Mittwoch- und Freitagstrainings, lässt sich Widmer noch nicht in die Karten blicken.

Einen Vorgeschmack darauf, wie die Startelf im Cup-Schlager gegen den FCZ aussehen könnte, lieferte aber die Hauptprobe gegen das gleichklassige Vaud U21 aus der Westgruppe. «Grosse Änderungen sind nicht zu erwarten, denn es ist kein Geheimnis, dass wir kein 30-Mann-Kader haben; es ist nicht gross, dafür ausgeglichen», sagt der Trainer. Das Kader umfasst drei Goalies und 17 Feldspieler. Eine kurzfristige Mutation gab es noch. Der 18-jährige Verteidiger Samuele Castiglione wechselte zur U21 des FC Thun. «Er will sich anderweitig entwickeln», erklärt Widmer diesen Abgang.

Zurück zur geglückten Generalprobe: Dank der Tore von Emmanuel Mast in der 14. und der 82. Minute und Sebastian Gerspacher (71.) verblieb ein klarer 3:0-Sieg. «Es war ein korrekter Auftritt gegen einen spielerisch schnellen und technisch starken Waadtländer Nachwuchs», blickt Widmer zurück. Das Timing hat er auf die Meisterschaft ausgerichtet. Der Cup-Fight ist eine erfreuliche Vorausgabe. Nach vorher leichten Gegnern – 2:0 in Schöftland, 7:1 in Gränichen – sei es wichtig gewesen, nochmals gefordert zu werden.

«Die beiden Spiele waren ideal, um die offensiven Automatismen zu verbessern», sagt Widmer. «Wir haben viel gearbeitet, sind auf Kurs und zuversichtlich. Wir haben mehrere Spieler, die auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden können. Die Jungen haben sich näher an die Cracks heran entwickelt, sodass wir mehr potenzielle Spieler für die Stammformation haben als vor einem Jahr, wobei diese Entwicklung dem Umstand geschuldet ist, dass sich die Jungen aufdrängen», vermerkt Widmer positiv.

Der FC Solothurn ist gerüstet, sich im morgigen 1/32-Final so teuer wie möglich gegen den klaren Favoriten, den grossen und traditionsreichen FC Zürich zu verkaufen, sein Publikum zu überzeugen und für sich zu gewinnen. Die Voraussetzungen für einen Fussball-Leckerbissen sind gegeben.

Immer mal wieder gegen die Berner Young Boys: Das sind Solothurns bisherige Cupspiele gegen Super-League-Klubs

2015 unterlag der FC Solothurn dem FC Thun in der ersten Cuprunde 0:4.

2015 unterlag der FC Solothurn dem FC Thun in der ersten Cuprunde 0:4.

Keystone

15. August 2015 Solothurn unterliegt in der ersten Runde dem FC Thun. Gianluca Frontino und Ridge Munsy erzielen je zwei Tore für den Sechsten aus der Super-League-Saison.

Saison 2009/10 Kein Cup-Knüller, aber Solothurn zieht dank Siegen gegen Belp (7:0) und Härkingen (3:1) in die Achtelfinals ein. Dort bedeutet der SC Kriens aus der Challenge League Endstation (2:4).

2005 kam der grosse FC Basel ins Stadion und liess dem FC Solothurn beim 4:1-Sieg keine Chance.

2005 kam der grosse FC Basel ins Stadion und liess dem FC Solothurn beim 4:1-Sieg keine Chance.



Hanspeter Bärtschi
Die Basler Fans beim Cup-Match im Stadion des FC Solothurn.

Die Basler Fans beim Cup-Match im Stadion des FC Solothurn.



Hanspeter Bärtschi

19. September 2005 Der grosse FC Basel mit Spielern wie Pascal Zuberbühler, Patrick Müller, Boris Smiljanic und Julio Hernán Rossi gastiert im Stadion und bezwingt den FC Solothurn im 1/32-Final mit 4:1.

10. November 2002 Nachdem sie drei Cup-Runden überstanden haben – Siege gegen Baudepartement Basel, Brugg und Echallens – verlangen die Solothurner auch den Young Boys alles ab (1:2).

Die Young Boys um Captain Thomas Häberli bekundeten 2002 viel Mühe gegen den FC Solothurn. 2:1 zugunsten der Berner endete das Spiel.

Die Young Boys um Captain Thomas Häberli bekundeten 2002 viel Mühe gegen den FC Solothurn. 2:1 zugunsten der Berner endete das Spiel.

Keystone

12. November 2000 In der fünften Runde scheitert Solothurn nur knapp am damaligen NLA-Klub Yverdon (0:1). Dessen Lauf endete erst im Final mit der 0:3-Pleite gegen Servette.

14. November 1999 Xamax kommt im Sechzehntelfinal im Stadion ins Straucheln. Der Favorit setzt sich am Ende aber doch mit 3:2 durch.

24. September 1994 Solothurn, damals in der NLB, trifft auf YB. Eine knappe Angelegenheit: 2:2 steht es nach der Verlängerung, die Berner setzen sich im Penaltyschiessen durch.

6. November 1993 Mit dem FC Lugano wartet im Sechzehntelfinal der NLA-Sechste auf den FC Solothurn. Die Tessiner ziehen dank des 3:1-Erfolgs in die nächste Runde ein.

7. April 1990 Nachdem die Solothurner Muri aus dem Wettbewerb geworfen haben, müssen sie die Segel wieder einmal gegen YB streichen – 1:3.

14. September 1969 Der FCS kassiert gegen Servette eine 0:7-Packung. Den Einzug in die Sechzehntelfinals hatte er per Münzwurf geschafft.

19. Dezember 1965 Der FC Solothurn zieht mit einem 5:1-Sieg gegen Aarau in die Achtelfinals ein. Dort unterliegt er mit dem gleichen Resultat YB.

6. Januar 1963 Der FC Biel, der damals in der NLA spielt, bodigt den FC Solothurn im Achtelfinal mit 2:0.

6. Januar 1946 Das erste Cup-Duell mit YB. Die Hauptstädter entscheiden den Sechzehntelfinal mit 2:1 für sich.

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