Fussball
FC Oensingen oder SC Fulenbach: Wer muss runter in die 3. Liga?

Das letzte Spiel in der Solothurner 2. Liga entscheidet über den Abstieg. Der FC Oensingen kann sich mit einem Punktgewinn selbst retten, ist aber von argen Personalsorgen geplagt. Der SC Fulenbach muss tatenlos zusehen und auf einen abschliessenden Sieg des FC Subingen hoffen.

Raphael Wermelinger
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Der SC Fulenbach ist durch mit seinen elf Saisonspielen und kann nur noch hoffen, dass Oensingen nicht punktet.

Der SC Fulenbach ist durch mit seinen elf Saisonspielen und kann nur noch hoffen, dass Oensingen nicht punktet.

Bruno Kissling

Saisonfinale in der 2. Liga. Das letzte Spiel der Kampagne 2020/21 entscheidet über den einzigen Absteiger. In den Hauptrollen: Der FC Oensingen, der sich mit einem Sieg oder Unentschieden noch retten kann. Und der SC Fulenbach, der zum Zuschauen verdammt um den Ligaerhalt bangen muss. Der Nebendarsteller heisst FC Subingen. Der Gastgeber könnte sich mit einem Sieg gegen den FC Oensingen vom neunten auf den siebten Schlussrang verbessern.

Ein 4:2-Auswärtssieg beim FC Biberist am zweiten Spieltag und ein 4:1 beim FC Mümliswil am neunten Spieltag – mehr lag nicht drin für den FC Oensingen in zehn Spielen. In der Vorsaison waren es noch zehn Punkte aus ebenso vielen Spielen. Was zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs Platz sechs bedeutete. Respektabel für einen Aufsteiger. Nach vier Spielen und nur einem gewonnen Punkt übernahm Slobodan Banjalic den Trainerposten von Andreas Frei. Er verlor beim Einstand gegen Bellach, danach blieb Oensingen fünfmal in Folge ungeschlagen und stiess bis zum Ende der Vorrunde 19/20 ins Mittelfeld der 2. Liga vor.

2018 stieg der FC Oensingen letztmals aus der 2. Liga ab. Ein Jahr später gelang der direkte Wiederaufstieg.

2018 stieg der FC Oensingen letztmals aus der 2. Liga ab. Ein Jahr später gelang der direkte Wiederaufstieg.

Bruno Kissling

Jetzt, gut anderthalb Jahre später, sieht die Lage für den FC Oensingen deutlich ungemütlicher aus. Die Oensinger haben ihr Schicksal zwar in den eigenen Händen und Banjalic sagt, dass er und das Team sich auf den ersten Ernstkampf nach so langer Zeit freuen. Doch Zuversicht kling anders.

«Im Winter haben uns sieben Stammspieler verlassen», begründet er. Ein Spieler ist verletzt, zwei sind in den Ferien – ihm fehlt praktisch eine ganze Elf. «Wir hatten Trainings mit nur vier, fünf Spielern. Das ist einfach nicht das Niveau für die 2. Liga», fügt er an. «Die Spieler, die weggegangen sind, haben uns geschwächt. Ich bin ein wenig enttäuscht von ihnen.» Die Abgänge wird er mit Spielern aus der zweiten Mannschaft und Junioren kompensieren müssen.

Der Subingen-Match ist erst Banjalics 17. Meisterschaftsspiel an der Seitenlinie des FC Oensingen. Und es wird sein letztes sein, was die Situation noch spezieller macht für ihn: «Ich möchte einen korrekten Abgang.» Die Chance sei da, Oensingen werde alles versuchen, aber: «Wir sind der Aussenseiter. Subingen ist seit Jahren eine sehr stabile Mannschaft. Und wir sind leider einfach nicht komplett. Ich kann von den Junioren und den Spielern der zweiten Mannschaft nicht extrem viel erwarten.»

Vor dem Start in die Saison 2020/21 hatte Trainer Slobodan Banjalic (mittlere Reihe, links aussen) ein imposantes Team. Mittlerweile sind sieben Stammspieler weg. Einer fehlt gegen Subingen verletzt, zwei sind in den Ferien.

Vor dem Start in die Saison 2020/21 hatte Trainer Slobodan Banjalic (mittlere Reihe, links aussen) ein imposantes Team. Mittlerweile sind sieben Stammspieler weg. Einer fehlt gegen Subingen verletzt, zwei sind in den Ferien.

Bruno Kissling

Die Frage, ob der FC Oensingen nächste Saison in der 2.- oder der 3. Liga spielt, wird am Samstagabend geklärt. Die Zukunft von Trainer Slobodan Banjalic dagegen ist noch offen. Er ist bereits seit mehr als zwanzig Jahren Trainer und «möchte schon noch mal etwas machen». Zwei, drei interessante Anfrage habe es bereits gegeben, aber Banjalic will sich eine Verschnaufpause gönnen. «Wenn das richtige Angebot kommt, werde ich bereit sein», sagt er motiviert.

Fulenbach hat gehofft, noch selbst eingreifen zu dürfen

Fulenbach-Trainer Alain Roussel wird sich das Saisonfinale auf dem Affolter live ansehen. «Es geht schliesslich um unsere Zukunft, die wir leider nicht mehr selbst in den Händen haben», sagt er. Sein Team gewann zum Saisonauftakt das Direktduell der Abstiegskandidaten in Oensingen 2:1 und erkämpfte sich in der zweiten Runde ein 2:2 gegen den FC Olten. Aus den restlichen neun Spielen schauten nur noch zwei Punkte heraus – 1:1 gegen Subingen und 2:2 gegen Härkingen. Reichen diese sechs Punkte für den Nicht-Abstieg?

Alain Roussel sorgt in Fulenbach für den Umbruch - mit einem Umweg über die 3. Liga? Wäre auch kein Beinbruch, sagt er, hofft aber, dass Subingen den Match ernst nimmt und gewinnt.

Alain Roussel sorgt in Fulenbach für den Umbruch - mit einem Umweg über die 3. Liga? Wäre auch kein Beinbruch, sagt er, hofft aber, dass Subingen den Match ernst nimmt und gewinnt.

Hans Peter Schläfli

Wenn Subingen gewinn, ja. Bei Punktgleichheit entscheiden die Strafpunkte. Fulenbach hat 25 auf dem Konto, Oensingen 27. «Auch die nächste Saison in der 2. Liga wird schwierig, wenn wir oben bleiben», sagt Roussel. «Der SC Fulenbach war jahrelang erfolgreich. Jetzt befinden wir uns seit drei Jahren in einem Umbruch. Die Mannschaft ist sehr jung und hat viel Qualität.» Und sie habe in den vergangenen Monaten bewiesen, dass sie in die 2. Liga gehöre: «Alle waren immer voll dabei im Training.» Auch bei einem Abstieg würde das Team zusammenbleiben «und so schnell wie möglich wieder rauf kommen», so Roussel, der sich freilich ein anderes Szenario vorstellt: «Ich hoffe, dass Subingen den Match ernst nimmt und gewinnt.»

Der Nebendarsteller Subingen macht keine Experimente

Der FC Subingen spielt im Abstiegskampf zwischen Oensingen und Fulenbach die nicht ganz unwichtige Nebenrolle. Fulenbach erwartet von den Subingern einen Sieg und drückt die Daumen. Der FC Oensingen auf der anderen Seite hofft wahrscheinlich, dass die Wasserämter nicht mit der letzten Konsequenz zu Werke gehen. Ob es am Ende den FC Oensingen oder den SC Fulenbach erwischt, kann dem FC Subingen indes egal sein. Natürlich würde der Trainer das so direkt niemals sagen.

Dominik Ellenberger freut sich auf das letzte Saisonspiel: «Diese Woche lief endlich wieder einmal so ab, wie wir es von früher kannten – lange ist es her. Mit drei Trainingseinheiten und dem ersten Testspiel am Dienstag.» Dabei habe er die Freude bei seinen Spielern gespürt, sich endlich wieder mit jemandem messen zu können.

Doch reichte die eine Woche Training ohne Auflagen als Vorbereitung? «Wir sind sicher noch nicht dort, wo wir hinwollen, aber auch nicht ganz unten», antwortet Ellenberger. «Wir haben immer ein bisschen was gemacht. Aber das kann man natürlich mit einem Ernstkampf nicht vergleichen.»

«Diese Woche lief endlich wieder einmal so ab, wie wir es von früher kannten – lange ist es her. Mit drei Trainingseinheiten und dem ersten Testspiel am Dienstag», sagt Subingens Trainer Dominik Ellenberger.

«Diese Woche lief endlich wieder einmal so ab, wie wir es von früher kannten – lange ist es her. Mit drei Trainingseinheiten und dem ersten Testspiel am Dienstag», sagt Subingens Trainer Dominik Ellenberger.

Hans Peter Schläfli

Der FC Subingen hat aktuell drei Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen auf dem Konto. Mit einem Dreier gegen den FC Oensingen könnten sich die Subinger noch vom neunten auf den siebten Platz vorarbeiten. «Beides nicht ganz das, was wir eigentlich erwartet haben», sagt Ellenberger. Aber doch ein Unterschied, bestätigt er. Fulenbach kann also aufatmen. Der FC Subingen ist definitiv motiviert und bereit, den Sieg zu holen und wird keine grossen Experimente machen. «Es werden die elf Spieler an den Start gehen, die in die erste Elf gehören», sagt Dominik Ellenberger.

Wichtiger als dieses letzte Meisterschaftsspiel ist für den FC Subingen aber ganz klar der Solothurner Cup. In einer Woche treffen die Wasserämter im Viertelfinal auf den FC Olten. Die Begegnung in der Meisterschaft beim Saisonstart im August entschied der FC Subingen mit 2:1 für sich. In der Endabrechnung überflügelt der FC Olten als Tabellenvierter den FC Subingen allerdings deutlich.

«Wenn du in die Halbfinals willst, musst du sowieso jeden Gegner schlagen können», sagt Ellenberger. Er macht nur noch einen Aussenseiter unter den Viertelfinalisten aus. Aber auch das sei nur auf dem Papier so. Denn um ein Gastspiel beim Drittligisten Welschenrohr hätte er sich nicht gerissen: «Wenn dir ein frühes Tor gelingt, kann es vielleicht einfach werden gegen den Drittligisten. Wenn nicht, dann wird es aber immer schwieriger.»