Fussball
Drei Spiele als Schritt Richtung Normalität – der FC Grenchen ist bereit für den Restart

Die Spieler trainieren sogar gerne mit Maske, so sehr sehnt man beim FC Grenchen der Wiederaufnahme des Spielbetriebs entgegen.

Raphael Wermelinger
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Mehr als sieben Monate sind seit Grenchens letztem Ernstkampf, dem Gastspiel beim SC Zofingen (0:0), vergangen.

Mehr als sieben Monate sind seit Grenchens letztem Ernstkampf, dem Gastspiel beim SC Zofingen (0:0), vergangen.

Otto Lüscher

Sieben Monate liegt der letzte Ernstkampf des FC Grenchen mittlerweile zurück. «Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor», sagt Trainer Mirko Recchiuti. «Ich habe das Gefühl, wir spielen schon eine ganze Saison nicht.» Seit dem 0:0 beim SC Zofingen am 24. Oktober grüsst seine Elf in der Gruppe 5 der 2. Liga inter von Platz fünf. Neun von zwölf Vorrundenpartien hat der FCG absolviert. Die Bilanz: vier Siege, vier Unentschieden und eine Niederlage. Drei Spiele der Vorrunde sind noch ausstehende. Diese sollen dank weiterer Lockerungen im Amateursport im Juni nachgeholt werden. Grenchen trifft noch auf das Spitzenduo Lachen/Altendorf und Freienbach und auf den Tabellenneunten FC Einsiedeln.

«Ich bin optimistisch, dass wir die Vorrunde fertig spielen können», hat Recchiuti die drei Spiele im Juni fix eingeplant. Er ist froh, dass dadurch ein Stück Normalität zurückkommt, dass es endlich wieder losgeht nach der langen Zwangspause, «dass wir endlich wieder spielen können». Eine Wertung der Halbsaison sei für abstiegsbedrohte Klubs bitter, ist Recchiuti froh um die sichere Tabellenlage des FC Grenchen. «Im Idealfall gäbe es nur Aufsteiger und ­keine Absteiger, dafür grössere Ligen in der nächsten Saison.»

Lieber mit Maske als nur Passübungen und Läufe

Sein Team sei bereit für den allfälligen Restart und physisch in einem guten Zustand wie immer. «Wir haben keine Pause gemacht, meistens dreimal pro Woche trainiert.» Zuerst in 5er- und jetzt in 15er-Gruppen. Seit kurzer Zeit kann Recchiuti wieder Übungen mit Körperkontakt einbauen – mit Maskenpflicht allerdings. «Die Spieler haben es positiv aufgenommen, so blöd es tönt», sagt er. «Denn die Alternativen wären Passübungen und Läufe.» Beim Restart werde allen Teams im technischen Bereich Qualität fehlen. «Wegen Verletzungen mache ich mir keine Sorgen. Bei uns ist die Grundbasis definitiv vorhanden.

«Wir sind physisch in einem guten Zustand wie immer und bereit für den Restart», sagt FCG-Trainer Mirko Recchiuti.

«Wir sind physisch in einem guten Zustand wie immer und bereit für den Restart», sagt FCG-Trainer Mirko Recchiuti.

Hans Peter Schläfli

Verteidiger Ian Schläppi bestätigt: «Ich fühle mich fit. Mit richtigen Trainings ist es zwar nicht zu vergleichen, aber das Niveau ist trotzdem recht hoch und wir versuchen immer, das Maximum herauszuholen aus der Situation. Fussballerisch ist es etwas komisch, aber rein physisch fühle ich mich sehr gut.» Die Zeit ohne Ernstkampf beschreibt er als schlimm, eine so lange Pause hat der 22-Jährige noch nie erlebt. Ihm fehlen Ziele: «Fussballspielen hat mich immer motiviert, auch anderweitig Sport zu machen.» Er vermisst das Kabinenleben und die Kameradschaft. «Und die Emotionen des Wettkampfs», sagt er. «Ich habe mit dem FC Grenchen den Aufstieg in die 2. Liga inter erlebt, wo wir in den Vorrunden einige Siege feiern konnten. Zu zeigen, was wir drauf haben, das fehlt mir extrem.»

Schläppi geht aufgrund der aktuellen Lage davon aus, dass die Lockerungen für den Amateursport kommen und die drei Spiele stattfinden im Juni. Trotzdem sei dieses Szenario noch weit weg. Zu oft habe er sich während der Pandemie schon Hoffnungen gemacht, um doch wieder enttäuscht zu werden. Der Versuch, die Vorrunde zu Ende zu spielen, macht in seinen Augen Sinn. «Ich bin einfach froh um jeden Match», sagt er. Der FCG sei in der glücklichen Lage, dass er sich keine Sorgen mehr wegen eines Abstiegs machen müsse. «Das Niveau der Spiele im Juni wird wohl nicht das höchste sein. Dass wir verletzungsanfälliger sind wegen der kürzeren Vorbereitungszeit, denke ich aber nicht.»

Den Abschluss der Vorrunde betrachtet er auch als gute Möglichkeit, hinsichtlich der neuen Saison «ein paar Spiele in die Beine zu bekommen». Endlich wieder mal einen Ernstkampf bestreiten zu dürfen, stehe im Vordergrund. «Wenn wir antreten, wollen wir natürlich auch gewinnen», stellt Schläppi klar, «aber im Vordergrund steht, dass wir diese Saison sauber abschliessen. Und dann können wir hoffentlich endlich wieder mal eine ganze spielen.»

Das Gesellschaftliche hat gelitten im letzten Jahr

Präsident Giovanni Eterno freut sich, dass ab Juni noch mehr Leben in den Klub zurückkehrt. «Die Trainings haben wir unter den Vorgaben immer weitergeführt, waren also immer aktiv. Dass jetzt auch die erste Mannschaft bald wieder spielen darf, ist hoffentlich ein weiterer Schritt Richtung Normalität.» Er hält es für wichtig, dass die aktuelle Saison gewertet wird.

Der Klub habe während der Pandemie zwar finanzielle Einbussen erlitten. «Aber wir sind nicht in einen Notstand geraten», führt Eterno aus. Dass das Gesellschaftliche auf der Strecke blieb, habe deutlich mehr geschmerzt. «Es hat mir wehgetan für die Spieler, die gar nichts machen durften eine Zeit lang. Es war eine Belastung für unsere Trainer, den Platzwart, für alle zusammen. Ein grosser Mehraufwand, aber mit weniger Freude und Kontakten. Einige Folgen der Pandemie werden sich wohl erst noch zeigen.» Im Moment sei er aber einfach froh, «bald wieder ein Spiel der ersten Mannschaft anschauen zu können, um zu sehen, ob die Jungs bereit sind».

Ist froh, «bald wieder ein Spiel der ersten Mannschaft anschauen zu können»: FCG-Präsident Giovanni Eterno.

Ist froh, «bald wieder ein Spiel der ersten Mannschaft anschauen zu können»: FCG-Präsident Giovanni Eterno.

Hanspeter Bärtschi