Fussball
FC-Solothurn-Rückkehrer Robin Huser: «Die Trainer sind alles»

Robin Huser erfüllte sich seinen Traum von Einsätzen beim FC Basel. Mit 23 Jahren hat er seine Profi-Karriere nun aber beendet. Mit dem FC Solothurn will er nach vielen Rückschlägen seine Fussball-Leidenschaft wieder wecken.

Raphael Wermelinger
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Seine letzte Station als Profi ist der FC Chiasso. Im Oktober löst Robin Huser den Vertrag mit dem Challenge-League-Klub vorzeitig auf.

Seine letzte Station als Profi ist der FC Chiasso. Im Oktober löst Robin Huser den Vertrag mit dem Challenge-League-Klub vorzeitig auf.

Andy Müller/Freshfocus

«Ich will immer noch performen auf dem Platz, aber der Fussball steht bei mir nicht mehr an erster Stelle», sagt Robin Huser. In Bern macht er gerade ein Praktikum bei Hyll. Ein Start-up, das den Buchungsprozess fürs Skifahren vereinfachen will.

Sein Arbeitsort ist ein Fabrikgebäude, das von aussen nicht viel hergibt, innen aber mit topmodernen Büros überrascht. «Meine Aufgaben bewegen sich vor allem in den Bereichen Social Media und Marketing», erklärt er. Jüngst erschien die neue App; Hyll baut das Angebot aus. «Ich werde für die Adventures, die wir neu anbieten, verantwortlich sein», freut sich Huser, dass er auch nach seinem dreimonatigen Praktikum bleiben darf.

Fussball spielt er wieder bei dem Klub, bei dem seine Karriere vor gut zehn Jahren so richtig Fahrt aufgenommen hat. Als 12-Jähriger wechselt er von seinem Stammverein FC Subingen zum FC Solothurn. Nach anderthalb Jahren schafft er den Schritt zur U14 des FCB. «Ich hatte Freude, war stolz und träumte von der ersten Mannschaft», blickt er zurück. Rasch darf er mit den Älteren trainieren – es geht lange Zeit rasant und steil bergauf für ihn.

Mit 17 kommt Robin Huser 2015 zu seinem Debüt in der ersten Mannschaft des FC Basel.

Mit 17 kommt Robin Huser 2015 zu seinem Debüt in der ersten Mannschaft des FC Basel.



Hans Peter Schläfli
Ab der Saison 2014/15 darf Robin Huser (ganz recht aussen) mit dem FCB-Fanionteam trainieren.

Ab der Saison 2014/15 darf Robin Huser (ganz recht aussen) mit dem FCB-Fanionteam trainieren.

Andy Mueller/Freshfocus

Am 20. Mai 2015 debütiert er in der ersten Mannschaft. Bei der 1:2-Niederlage gegen Aarau spielt er durch. «Ich war nur beim Aufwärmen nervös», sagt er. «Die Atmosphäre war geil – das Brügglifeld ist ein geiles Stadion.» Dass es um nichts mehr geht, da der FCB sich den Titel schon frühzeitig sichert, kommt ihm entgegen. Er spielt frei auf und zeigt «ein gutes Spiel – für das erste zumindest». Fünf Tage später darf er wieder über neunzig Minuten ran – 2:2 im zweitletzten Saisonspiel gegen Thun.

«Zwei Spiele durfte ich machen für den FCB. Neben Spielern wie Elneny, Delgado, Kakitani, Breel (Embolo, d.Red.) und Albi (Ajeti)», sagt Huser nicht ohne Stolz. Mit 16 Jahren durfte er erstmals mit der ersten Mannschaft ins Trainingslager. Ab der Rückrunde 2014/15 trainierte er mit dem Fanionteam. Auch bei der Meisterfeier auf dem Barfüsserplatz ist er dabei. «Ich bin froh, dass ich ein Teil dieser Mannschaft sein durfte und ich die Meisterfeier vor derart vielen Fans miterlebt habe.»

Robin Huser (2. von rechts) während der Meisterfeier 2015 auf dem Barfüsserplatz.

Robin Huser (2. von rechts) während der Meisterfeier 2015 auf dem Barfüsserplatz.

Andy Mueller/Freshfocus

Zwei Rückschläge bringen die Karriere ins Stocken

Die Trainer sind alles, sagt Huser im Verlauf des Interviews. Was er damit meint: Nach seiner ersten halben Saison bei der ersten Mannschaft des FCB ersetzt Urs Fischer Paulo Sousa, seinen Ziehvater. Während der Vorrunde 2015/16 trainiert er noch mit den Profis – allerdings «nicht auf meiner Position». Im Winter die Degradierung in die U21. «Der erste Rückschlag in meiner Karriere. Den konnte ich aber recht schnell verarbeiten», sagt er.

Robin Huser nach einem Einsatz in der Europa-League 2015 mit Mohamed Elneny (l.) und Adonis Ajeti (r.).

Robin Huser nach einem Einsatz in der Europa-League 2015 mit Mohamed Elneny (l.) und Adonis Ajeti (r.).

Andy Mueller/Freshfocus

Der zweite im Mai 2016 ist schlimmer. Es passiert im Training. An einem Dienstagmorgen – er erinnert sich ganz genau an die Szene: Eine Eins-gegen-eins-Situation, der Stürmer mit dem Rücken zu ihm. Als er den Schritt des Angreifers mitgehen will, knickt er mit seinem linken Knie in einem Loch ein. «Ein paar Spieler haben es knacken gehört. Ich bin rausgejoggt und spürte erst auf dem Weg runter in die Kabine, dass etwas nicht gut ist», schildert er.

Der berüchtigte Schubladentest folgt. «Der Physio durfte nichts sagen. Er wusste aber schon vor dem MRI, dass das Kreuzband gerissen war.» Als er den definitiven Entscheid erhält, «ist für mich die Welt zusammengebrochen».

Acht Monate Zwangspause. Das Jahr 2016 ist für ihn gelaufen aus sportlicher Sicht. Seine Familie, Freundin und Kollegen unterstützen ihn in der schwierigsten Phase der Karriere. Und der FCB, von dessen Ärzten und Infrastruktur er während seiner Genesung profitiert.

«Ich konnte relativ unbeschwert zurückkommen», beschreibt er sein Comeback bei der U21 des FCB in der Rückrunde 2016/17. In Basel hat er nach der Verletzung aber keine Chance. Er versucht sein Glück beim FC Winterthur in der Challenge League.

Der Wechsel zum FC Thun stellt sich als Fehler heraus

Am Anfang läuft es nicht für ihn. Er ist zwar bereit, aber «ich bekam zu wenig Einsatzzeit – das war auf eine Art wieder ein Rückschlag», muss sich Huser gedulden. Erst als das Team in eine Krise rutscht und sich ein paar Spieler verletzen, bekommt er die Chance.

Und die packt er. «Das war eine meiner besten Saisons», wägt er ab. «Schon im Verlauf der Vorrunde lief es immer besser. Im Winter kam Trainer Livio Bordoli und der hat mich dann richtig gepusht.» Der FC Winterthur beendet die Saison auf dem zweitletzten Platz.

Beim FC Winterthur gelingt Robin Huser laut eigener Aussage eine seiner besten Saisons seiner Karriere.

Beim FC Winterthur gelingt Robin Huser laut eigener Aussage eine seiner besten Saisons seiner Karriere.

Marc Schumacher/Freshfocus

Ohne Huser. Den zieht es Ende März 2018 in die Super League zum FC Thun. «Ich war mit der Junioren-Nati in Italien, als mich mein Berater anrief und mir sagte, bei Thun sei ein Spieler ausgefallen», schildert Huser den Wechsel. «Am Donnerstag war ich noch bei der Nati und am Samstag war das erste Spiel mit Thun. Natürlich durfte ich nicht sofort von Anfang an ran.»

Die Thuner gewinnen das Spiel, was schlecht für seine Einsatzchancen ist – und retten sich schon wenig später vor dem Abstieg. «Einmal durfte ich spielen, holte aber Gelb und weil ich bei Winterthur schon drei geholt hatte, war ich im nächsten Spiel gesperrt.» Der Transfer zum FC Thun stellt sich als Fehler heraus.

«Den bereue ich rückblickend am meisten», sagt Huser. «Ich hätte eine weitere Saison beim FC Winterthur anhängen sollen.» Stattdessen muss er zurück zum FC Basel. Zu einem Klub, «der nicht mit mir plant – das Ungünstigste, was dir passieren kann». Trotzdem sitzt er am Anfang der Saison 2018/19 ein paar Mal auf der Ersatzbank, auch in der Champions-League-Quali bei den Griechen von PAOK. «Ich wäre fast noch reingekommen», sagt er verschmitzt.

Schon nach einem Monat wird Trainer Raphael Wicki entlassen. Nachfolger ist Marcel Koller – «sicher nicht optimal für junge Spieler», sagt Huser. Er muss in die U21. «Von der Super League in die Promotion League. Ende Saison ist mein Vertrag mit dem FCB dann ausgelaufen und verständlicher nicht verlängert worden.»

Zweimal darf er in der Super League für den FCB auflaufen, deutlich öfter sitzt Robin Huser (Nummer 22) auf der Bank. 2019 trennen sich die Wege.

Zweimal darf er in der Super League für den FCB auflaufen, deutlich öfter sitzt Robin Huser (Nummer 22) auf der Bank. 2019 trennen sich die Wege.

Andy Mueller/Freshfocus

Das Abenteuer FC Chiasso vor dem Rücktritt

Die einzige konkrete Option, die sich ihm bietet: FC Chiasso. «Sicher kein einfacher Verein, doch ich wollte in der Challenge League spielen. Das bot mir der FC Chiasso an und so kam es bis zu einem gewissen Punkt auch.» Neun der ersten zehn Spiele bestreitet er über die volle Distanz.

Dann folgen mehrere Trainerwechsel. «Mal hatten wir drei innerhalb von einer Woche», sagt er. Vom Mittelfeldspieler Nummer 1 rutscht er zwischenzeitlich zur Nummer 5 ab. Erst nach der Coronapause, ab Juni 2020, ist er wieder Teil der Stammformation – Trainer sind halt eben alles.

Beim FC Chiasso erlebt Robin Huser (r.) einer turbulente Saison mit vielen Trainerwechseln.

Beim FC Chiasso erlebt Robin Huser (r.) einer turbulente Saison mit vielen Trainerwechseln.

Urs Lindt/Freshfocus

«Ich hatte 31 Einsätze, wohl die meisten von allen Spielern. Doch dann gab es wieder ein riesen Chaos und ich wurde quasi aussortiert, durfte nicht mehr mit der ersten Mannschaft trainieren.» Er löst den Vertrag, der noch bis im Sommer gelaufen wäre, im Oktober auf.

Bis im Dezember hält er sich bei der U21 des FCB fit. Für den Fall, dass «noch etwas kommt. Wenn nichts mehr kommt, ist es halt so.» Er macht sich viele Gedanken, wie es mit ihm weitergeht und fängt an, zweigleisig zu planen. Anfang Jahr beginnt er das Praktikum bei Hyll und unterschreibt beim FC Solothurn.

Von der Lage her sehr gut und ein vertrautes Umfeld, wie er sagt. Für Huser ist es eine riesige Umstellung. Viel weniger Trainings als bei den Profis, zudem am Abend statt am Morgen. «Anderes Niveau, andere Infrastruktur und andere Einstellung der Mitspieler», zählt er auf. «Aber daran muss ich mich gewöhnen.»

Jetzt ist Robin Huser zurück beim FC Solothurn, für dessen Juniorenteams er vor gut zehn Jahren schon gespielt hat, ehe er zum FC Basel wechselte.

Jetzt ist Robin Huser zurück beim FC Solothurn, für dessen Juniorenteams er vor gut zehn Jahren schon gespielt hat, ehe er zum FC Basel wechselte.



Juri Junkov

Weil er seit Ende Dezember nicht mehr trainiert hat, muss er am Anfang leiden beim FC Solothurn. «Nach drei Monaten von 0 auf 100 war vielleicht etwas naiv von mir. Doch langsam habe ich mich wieder gefangen.» Er hat Lust auf Fussball. Da die 1. Liga ruht, fehlt aber die Spannung. «Es gibt keinen fixen Termin, auf den wir hinarbeiten können», führt er aus.

Fix ist indes, dass er auch nächsten Saison für den FC Solothurn spielen wird: «Das ist von meiner Seite her so geplant, dass ich weiter dort kicke. Das Ziel mit Solothurn ist sicher der Aufstieg in die Promotion League.» Doch vorerst ist er bei Hyll gefordert. Nächste Woche darf er ein paar der neuen Adventure-Angebote testen. «Wir ziehen drei, vier Tage durchs Berner Oberland, um Sachen zu filmen, die wir dann aufschalten», freut sich Robin Huser auf die neuen Herausforderungen.