Fussball
«Die Teilnahme allein ist ein Erfolg, die Vorfreude riesig. Der Sieg wäre das i-Tüpfelchen»

Im Solothurner Cupfinal fordert der FC Biberist den Titelverteidiger Iliria heraus. Der liegt dem FC Biberist, das zeigen die vergangenen Spiele. Insbesondere Offensivspieler Petrit Krasniqi, der in den letzten sieben Duellen gegen Iliria siebenmal für Biberist traf.

Raphael Wermelinger
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Vier Jahre nach dem Gewinn des Meistertitels will Petrit Krasniqi (r.) mit dem FC Biberist den Solothurner Cup holen.

Vier Jahre nach dem Gewinn des Meistertitels will Petrit Krasniqi (r.) mit dem FC Biberist den Solothurner Cup holen.

Hans Peter Schläfli

2017 wurde Petrit Krasniqi Solothurner Meister mit dem FC Biberist. Der Cupfinal vom Sonntag gegen den FC Iliria ist für den 27-jährigen Offensivspieler und seine Teamkollegen die grosse Chance, den zweiten wichtigen Titel im Regionalfussball nach Biberist zu holen – es wäre nach 1984 der zweite Cupsieg für die Wasserämter.

«Der Kern des Teams hat sich über viele Jahre nicht verändert», begründet Krasniqi den Erfolg des FC Biberist. «Vor vier Jahren die Meisterschaft zu gewinnen, war cool», blickt er zurück. «Als Amateurfussballer willst du auch irgendeinmal den Cup holen. Die Teilnahme allein ist ein Erfolg. Die Vorfreude ist riesig. Der Sieg wäre das i-Tüpfelchen.»

Favorit ist in Krasniqis Augen der FC Iliria. Denn der schloss die Saison in der 2. Liga auf dem dritten Platz ab. Mit 24 Punkten aus elf Spielen. Biberist musste sich mit vier Siegen, einem Unentschieden und Platz neun begnügen. «Die Meisterschaft ist das Spiegelbild der Leistungen. Der Tabellenplatz ist verdient. Die Rollen im Final sind deshalb klar verteilt», sagt Krasniqi.

Obwohl er gute Erinnerungen an die vergangenen Duelle mit dem Cupsieger von 2016 und 2019 hat. Das letzte Aufeinandertreffen im September entschied der FC Biberist mit 4:3 für sich. Iliria glich das Spiel nach zwei Toren von Roman Rüegsegger dank eines Doppelschlags in Halbzeit zwei wieder aus. Andreas Felder (75.) und Boris Flury (80.) brachten Biberist abermals, und diesmal entscheidend, in Front.

Fünf Siege für den FC Iliria, doppelt so viele für Biberist

In der Saison davor endete die Begegnung der beiden diesjährigen Cupfinalisten unentschieden. Krasniqi rettete Biberist mit seinem Tor in der 93. Minute einen Punkt. 2018/19 setzte sich in der Vorrunde Biberist durch – Andreas Felder erzielte das einzige Tor des Spiels.

In der Rückrunde gewann Iliria mit 3:1. Es war einer von insgesamt fünf Siegen für die Stadt-Solothurner seit dem ersten Duell 2005/06. Biberist verbuchte zehn Erfolge, dreimal gab es keinen Sieger. Krasniqi hat in den letzten sieben Spielen gegen den FC Iliria siebenmal getroffen; und mag den Gegner, da er «wie wir spielerische Wege sucht».

An einen Match kann er sich besonders gut erinnern. In der Rückrunde 2015/16 wurde er nach einer Stunde eingewechselt und schoss den FC Biberist mit drei Treffern zum 5:2-Sieg. «Davor musste ich wegen eines Innenbandrisses am Knie vier, fünf Monate pausieren», sagt er. Das war in der Saison, in der Iliria das Double gewann. Biberist erreichte den dritten Platz und gewann den Meistertitel ein Jahr später. Krasniqi hatte mit sieben Toren bei 15 Einsätzen einen grossen Anteil am Erfolg.

«Wir können auch über 120 Minuten gehen»

Der FC Biberist gewann im Cup-Viertelfinal gegen Klus/Balsthal (5:1) und im Halbfinal gegen Olten (2:1 nach Verlängerung) – die einzigen beiden Pflichtspiele in diesem Jahr. «Wir haben gegen Olten bewiesen, dass wir trotz der langen Coronapause über eine gute Grundfitness verfügen und auch über 120 Minuten gehen können. Das Spiel gegen Klus/Balsthal konnten wir ebenfalls im richtigen Moment auf unsere Seite ziehen», sagt Krasniqi zum Formstand des Teams.

Obwohl er die Favoritenrolle «gerne Iliria überlässt», spricht also doch einiges für den Cupsieg des FC Biberist. Die Direktduelle in der Vergangenheit und wohl auch der Fitnessstand – Iliria bekundete im Viertelfinal gegen Welschenrohr viel Mühe (2:1) und bodigte im Halbfinal Bellach (2:0). «Sie haben dafür viel mehr Finalerfahrung und wissen, wie man den Pokal gewinnt», wirft Krasniqi ein. «Viel wird morgen von der Tagesform abhängen. Der Final war unser grosses Ziel in dieser Saison. Wir können das Spiel befreit angehen und geniessen.»

Viele Spieler bekommen nur einmal in ihrer Karriere die Gelegenheit, einen Cupfinal zu bestreiten. Kaum vorstellbar, dass man diese Chance wegen Ferien versäumt. Doch beim FC Biberist ist genau das der Fall. Natürlich hätten alle Spieler an den Finaleinzug geglaubt, stellt Krasniqi klar und erklärt: «Der eine oder andere hat nicht damit gerechnet, dass überhaupt noch gespielt wird, weil die Lage lange so unsicher war.» Dank des breiten Kaders könne der FC Biberist morgen im Stadion des FC Solothurn dennoch «aus den Vollen schöpfen. Es fehlen aber schon zwei, drei Spieler, die wir gerne dabei gehabt hätten», sagt er.

Der Cupfinal ist zwar eines der wichtigsten Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte des FC Biberist, dennoch geht das Team das Spiel wie jedes andere an. «Was die Vorbereitung angeht, ist nichts Spezielles geplant. Denn wir wollen ganz bewusst keine künstliche Atmosphäre erzeugen», erklärt Krasniqi. «Wir sind gut vorbereitet auf den Match und wollen dieses besondere Erlebnis geniessen.»