Fussball
Der FC Wangen bei Olten nimmt den Aufstieg dankend an

Nach Lommiswils Verzicht wird der FC Wangen bei Olten zum Nutzniesser und spielt in der kommenden Saison in der 2. Liga inter.

Raphael Wermelinger
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Bozo Predojevic steigt am Ende seiner zweiten Saison als Trainer des FC Wangen bei Olten in die 2. Liga inter auf.

Bozo Predojevic steigt am Ende seiner zweiten Saison als Trainer des FC Wangen bei Olten in die 2. Liga inter auf.



Hans Peter Schläfli

Seit dem Bundesratsentscheid vom Mittwoch steht fest: Ab Juni dürfen auch die Amateurfussballer wieder ran. Die restlichen Spiele der Vorrunde werden nachgeholt, damit die Hälfte der Saison absolviert ist und die Meisterschaft gewertet werden kann – mit Auf- und Absteigern. Wer in der Solothurner 2. Liga in den sauren Apfel beissen muss, entscheidet sich erst im letzten Meisterschaftsspiel. Die Aufstiegsfrage ist dagegen mittlerweile geklärt.

In der höchsten Solothurner Regionalliga ist nur noch eine Partie ausstehend. Bereits am nächsten Samstag wird das Spiel zwischen dem FC Subingen und dem FC Oensingen nachgeholt. Während es für die Subinger nur noch darum geht, sich mit einem Sieg vom neunten auf den siebten Platz zu verbessern, kämpft der FC Oensingen um den Ligaerhalt. Dafür reicht ein Unentschieden. Dann hiesse der einzige Absteiger SC Fulenbach. Verliert der FC Oensingen, muss er runter in die 3. Liga.

Der FC Lommiswil will nicht auf 2.-Liga-Derbys verzichten

Am Tabellenende kommt es also noch zu einem richtigen Herzschlagfinale. An der Spitze der 2.-Liga-Tabelle sind die Positionen dagegen bezogen. Mit neun Siegen und zwei Niederlagen sicherte sich der FC Lommiswil, der erst seit 2017 wieder in der höchsten Regionalliga spielt, den Titel des Herbstmeisters. Und steht jetzt, da klar ist, dass die Saison gewertet wird, als Solothurner Meister fest, worauf wohl niemand gewettet hätte.

Lukas Ebel feiert gleich in seiner ersten Saison als Trainer den Titelgewinn. Von der 2. Liga inter will der FC Lommiswil aber nichts wissen.

Lukas Ebel feiert gleich in seiner ersten Saison als Trainer den Titelgewinn. Von der 2. Liga inter will der FC Lommiswil aber nichts wissen.

Hans Peter Schläfli

«Dieser Titel ist sicher nicht wertlos. Klar ist nur die Hälfte der Saison gespielt, aber ein Titel ist ein Titel. Wir dürfen uns freuen», kommentierte Lommiswils Trainer Lukas Ebel den unerwarteten Erfolg. Auf den Aufstieg in die 2. Liga inter verzichtet der Klub aber freiwillig. «Das haben die Spieler so entschieden», sagt Ebel. «Für uns wäre der Aufwand zu gross. Das Kader müsste mit auswärtigen Spielern verstärkt werden, die eigenen Junioren hätten das Nachsehen.» Und er nennt noch einen wichtigen Grund, der für den Nicht-Aufstieg spricht: «Wir hätten keine Derbys mehr und deshalb vielleicht sogar weniger Zuschauer als in der 2. Liga.» Ebel hofft, dass der FC Lommiswil irgendwann wieder mal in diese Situation kommt. «Dann sieht der Entscheid bestimmt anders aus.»

Der FC Wangen bei Olten verabschiedet sich nach zwei Saisons wieder

Verzichtet der Erstplatzierte auf den Aufstieg, rutscht laut Reglement der Tabellenzweite nach. Will dieser ebenfalls nicht rauf, dürfte der Dritte den Platz noch erben. So weit wird es aber nicht kommen. Der FC Wangen bei Olten, nach den elf Vorrundenspielen zwei Punkte hinter dem FC Lommiswil auf Platz zwei klassiert, will in die 2. Liga inter. Trainer Bozo Predojevic bestätigt: «Wir haben mit den Spielern diskutiert und entschieden, dass wir nächste Saison in der 2. Liga inter spielen werden.»

Damit verabschieden sich die Wangner nach zwei Jahren wieder aus der Regionalliga. Der FCW spielte 2001/02 eine Saison in der NLB. Davor und danach zählte er jahrzehntelang zum Inventar der 1. Liga. Doch dann ging es steil abwärts – 2017 der Abstieg in die 2. Liga inter, zwei Jahre später ging es runter in die Solothurner 2. Liga. Mit einem komplett neuen Kader bekundeten die Wangner auch in ihrer ersten Saison in der Regionalliga Mühe. 2019/20 stand Wangen zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs auf dem neunten Tabellenrang.

Auf die laufende Saison hin wurde das Kader deutlich verstärkt. In der Vorrunde schauten in 11 Spielen 25 Punkte heraus. Wangen stellt die statistisch beste Offensive. Was vor allem Avni Halimi zu verdanken ist, der in der Vorrunde 20 der insgesamt 35 Tore der Wangner erzielte. Der Goalgetter hat die Chrüzmatt im Winter allerdings bereits wieder verlassen. Ihn zieht es wie den Abwehrpatron Blerim Bekteshi und Mittelfeldspieler Patrik Dibrani zum Zweitligisten FC Rothrist. Auch Cebrail Sonzamanci, Alessandro Titone und Luka Petrovic haben das Team nach der Vorrunde verlassen. Neu dazugekommen sind Bojan Djuric (FC Oensingen), Florim Kastrati (FC Rothrist) und Tedi Uvodic, der 2019 in der Schweiz kurz für NK Pajde und zuletzt in seiner Heimat Kroatien spielte.

Avni Halimi, der in der Vorrunde zwanzig Tore erzielte, hat den FC Wangen bei Olten Richtung Rothrist verlassen.

Avni Halimi, der in der Vorrunde zwanzig Tore erzielte, hat den FC Wangen bei Olten Richtung Rothrist verlassen.



Bruno Kissling

«Wir müssen das Kader sicher noch verstärken, am besten mit eigenen, jungen Spielern», sagt Predojevic. Der 34-Jährige hat für Wangen einige Saisons in der 1. Liga gespielt und ist nun seit gut zwei Jahren Trainer der ersten Mannschaft. «Ich freue mich sehr für den Verein, dass wir aufsteigen», sagt er. «Wenn man bedenkt, wie es dem FC Wangen vor zwei Jahren ging. Es war eine schwierige Zeit. Doch jetzt ist der Nebel etwas weg.» Er bedankt sich beim Sportchef und den Spielern und gratuliert dem FC Lommiswil zum Titel: «Sie haben mit einem jungen Trainer einen super Job gemacht diese Saison. Dass sie nicht rauf wollten, hat mich nicht überrascht. Wir denken uns: Warum nicht probieren? Als Sportler will ich immer weiter rauf.»