Fussball
Der FC Trimbach ist 3.-Liga-Meister, Italgrenchen schafft kleines Wunder

Die beiden Aufsteiger in die höchste Regionalliga heissen FC Trimbach und GS Italgrenchen. Die Trimbacher gewinnen beim FC Riedholz dank Lucien Baumgartners fünftem Tor im dritten Spiel mit 1:0. Italgrenchen dreht das Spiel in Hägendorf – Matchwinner ist Klevis Haziri mit drei Toren innert zehn Minuten.

Raphael Wermelinger und Hans Peter Schläfli
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Vor zwei Jahren stieg der FC Trimbach unglücklich als Tabellenzehnter aus der 2. Liga ab. Jetzt ist das Team von Trainer Hasan Osaj zurück im Oberhaus.

Vor zwei Jahren stieg der FC Trimbach unglücklich als Tabellenzehnter aus der 2. Liga ab. Jetzt ist das Team von Trainer Hasan Osaj zurück im Oberhaus.

Hans Peter Schläfli

Du hast keine Chance, also nutze sie. So lautet Lucien Baumgartners Motto. Der alte Fuchs und Ausnahmefussballer schoss Trimbach in Riedholz mit einem Schlenzer aus dem Nichts von der Mittellinie aus zum 1:0-Sieg und damit zurück in die Solothurner 2. Liga. Es war bereits sein fünfter Treffer im dritten Aufstiegsspiel. Insgesamt war der FC Riedholz aber die aktivere Mannschaft und darf erhobenen Hauptes auf die Saison zurückblicken.

«Das Stadion Wyler ist jetzt mit 300 Zuschauern ausverkauft», sagte Platzspeaker Harri Kunz kurz vor dem Anpfiff, «die Preise auf dem Schwarzmarkt sind bei 800 bis 900 Franken angelangt.» Doch dann war fertig lustig. Mit dem Anpfiff gingen die beiden Seiten ab wie die Feuerwehr. Zuerst brannte eine Pyro mit blauem Rauch, dann brannte es im Strafraum der Trimbacher, doch Kevin Kaufmann misslang nach einem schönen Angriff der erste Abschluss des Heimteams.

Das Rechnen, wer es schaffen würde und wer nicht, war vor dem Match fast so kompliziert wie bei der Europameisterschaft. Um in jedem Falle sicher aufzusteigen, hätte der FC Riedholz einen Sieg mit zwei Toren Unterschied benötigt, Trimbach hätte so oder so ein Unentschieden bereits genügt.

Und genau so entwickelte sich der Match: Der FC Riedholz baute sorgfältig auf und machte Druck. Das gelang vor allem über die rechte Seite, wo der Trimbacher Verteidiger Egzon Sej Mal für Mal seine läuferischen Limiten aufgezeigt bekam, bis er mit Mittelfeldspieler Daniel Bärtschi die Position tauschte.

Trimbachs Aufstiegstrainer Hasan Osaj umarmt seinen Assistenten und Mittelfeldspieler Marco Mirarchi.

Trimbachs Aufstiegstrainer Hasan Osaj umarmt seinen Assistenten und Mittelfeldspieler Marco Mirarchi.

Hans Peter Schläfli

Das 0:0 zur Pause schmeichelte Trimbach. «Es ist nicht einfach, so alleine ganz vorne», sagte Lucien Baumgartner zu den Trimbacher Fans, als er nach der Pause zurück aufs Feld kam. Anstoss. Baumgartner sieht, dass Riedholz-Goalie Livio Bruschi noch nicht bereit ist und schiesst von der Mittellinie aus das Führungstor für die Trimbacher.

Mit seinem Geniestreich stellte die Nummer 88 den Spielverlauf auf den Kopf. Und so musste der FC Riedholz noch heftiger angreifen, die Trimbacher dagegen konnten auf ihre Chancen warten. Als dann Topskorer Baumgartner tatsächlich zu seiner ersten Chance aus dem Spiel heraus kam, kullerte der Ball aber knapp neben dem Tor vorbei.

Der FC Riedholz erspielte sich durchaus gute Szenen, aber im entscheidenden Moment fehlte dem Heimteam die nötige Durchschlagskraft. In der 65. Minute konnte zum Beispiel Henry Horn alleine losziehen, scheiterte aber am Trimbacher Torhüter Jonas Flury. Gleich darauf verschenkte auf der anderen Seite Tobias Flury eine Hundertprozentige.

Der offene Schlagabtausch war lanciert. Der FC Riedholz drückte und warf alles nach vorne. Die Trimbacher hauten oft nur noch den Ball aus der eigenen Gefahrenzone und wagten sich nur noch selten mit mehr als vier Angreifern über die Mittellinie. Mit dem Schlusspfiff durften die Trimbacher jubeln. Vor zwei Jahren stand diese Mannschaft fast vor der Auflösung. Nun ist sie wie Phoenix aus der Asche wieder auferstanden.

Klevis Haziri wendet das Blatt mit einem Hattrick innert zehn Minuten

GS Italgrenchen feiert auf der Hägendörfer Breite den Aufstieg in die 2. Liga. Das Team hat sich immer mehr gesteigert: 0:2 gegen Trimbach, 1:1 gegen Riedholz, 3:1 gegen Hägendorf.

GS Italgrenchen feiert auf der Hägendörfer Breite den Aufstieg in die 2. Liga. Das Team hat sich immer mehr gesteigert: 0:2 gegen Trimbach, 1:1 gegen Riedholz, 3:1 gegen Hägendorf.

Markus Müller

Alles sprach vor der letzten Runde der Aufstiegsspiele gegen GS Italgrenchen. Nachdem sie zum Auftakt daheim gegen den FC Trimbach 0:2 verloren hatten, waren die Grenchner am Dienstag eigentlich bereits aus dem Rennen. Erst der Ausgleich in der Nachspielzeit gegen Riedholz erzielt durch Ferhat Capan brachte leise Hoffnungen zurück.

Doch um den Aufstieg zu realisieren, benötigte das Team von Trainer Perparim Redzepi immer noch einen Sieg mit mindestens zwei Toren Differenz. Und weil sich die Grenchner einen kapitalen Fehlstart leisteten, wurde die Situation gleich noch aussichtsloser. Die Gäste liessen Hägendorfs Driton Hasani auf dem linken Flügel gewähren; der spielte den Ball ins Zentrum und Miro Blenke traf in der zweiten Minute zum 1:0. Es war bereits sein drittes Tor in diesen Aufstiegsspielen.

Keine fünf Minuten später traf der Vorlagengeber des ersten Tores nur den Pfosten. Es war der Weckruf für die Gäste. Innert weniger als zwei Minuten stellte Italgrenchen das Spiel auf den Kopf. Dank Klevis Haziri, der mit einem spektakulären Fallrückzieher ausglich und keine zwei Zeigerumdrehungen später von links in den gegnerischen Strafraum eindrang und den Ball in der entfernten unteren Torecke versenkte. 1:2 – und gespielt war gerade mal eine Viertelstunde.

Die knappe Niederlage hätte dem FC Hägendorf immer noch gereicht. Erst in der 24. Minute wendete sich das Blatt endgültig. Wieder entwischte Haziri der FCH-Abwehr und erhöhte mit einem Abschluss in die nahe Torecke auf 3:1. Zum ersten Mal lag Italgrenchen im Aufstiegsrennen vorne. Daran hatten die Hägendörfer merklich zu nagen. In der 32. Minute verpasste Italgrenchen das 4:1 nur knapp; Ferhat Capans Schuss streifte den Pfosten.

In der 37. Minute dann endlich wieder einmal ein Lebenszeichen des Heimteams: Sandro Schalts Versuch landete ebenfalls an der Torumrandung. In der zweiten Hälfte rannte Hägendorf dem einen Treffer weiter verzweifelt hinterher. Schalt mit einem Heber (52.), Blenke per Kopf (55.) und Hasani mit dem schwächeren Linken (68.) verpassten den so wichtigen Anschluss allesamt. Und als Schalts Freistoss in der 90. Minute übers Tor segelte, war es Tatsache: Hägendorf hat den Aufstieg auf Kosten Italgrenchens vergeigt.

«Wir glaubten immer daran. Auch der Rückstand brachte uns nicht aus der Ruhe», sagte Trainer Redzepi. «Ich wusste, dass wir genug Qualität haben, um uns durchzusetzen. Die Spieler haben eintausend Prozent Einsatz gezeigt. Der Sieg und der Aufstieg waren am Ende verdient.»

Matchwinner Klevis Haziri lobte in erster Linie seinen Trainer: «Ohne ihn hätten wir das nicht geschafft. Er hat uns perfekt auf die Gegner vorbereitet.» Redzepi habe ihm schon vor dem Spiel gesagt, dass es sein Abend werde, fügte Haziri an: «Ich habe mich sehr gut gefühlt, ein wenig Fifa gespielt vor dem Match und dann ist es wie von selbst gelaufen. Drei Tore habe ich auch schon gemacht, ich bin ja Stürmer. Aber definitiv nicht in einem so wichtigen Match.»

Aufstiegsspiele

1. Runde

Hägendorf - Riedholz 2:1. Italgrenchen - Trimbach 0:2.

2. Runde

Trimbach - Hägendorf 3:3. Riedholz - Italgrenchen 1:1.

3. Runde

Riedholz - Trimbach 0:1. Hägendorf - Italgrenchen 1:3.

Rangliste

1. Trimbach 7 (6:3). 2. Italgrenchen 4 (4:4). 3. Hägendorf 4 (6:7). 4. Riedholz 1 (2:4).