Fussball
Der FC Solothurn verabschiedet sich freiwillig aus dem Schweizer Cup

Der Erstligist verzichten auf einen Antrag für eine Spezialbewilligung und damit auf den Cup-Achtelfinal gegen den SC Kriens. «Emotional ist der Entscheid schwer verkraftbar, rational gesehen befinden wir uns am Anfang einer dritten Welle», sagt Co-Präsident Samuel Scheidegger.

Raphael Wermelinger
Merken
Drucken
Teilen
Aus der Traum vom möglichen Cup-Viertelfinal gegen Servette für Loic Chatton und den FC Solothurn.

Aus der Traum vom möglichen Cup-Viertelfinal gegen Servette für Loic Chatton und den FC Solothurn.

Alexander Wagner

«Cup-Chaos gelöst – der FC Solothurn fliegt forfait raus», titelte der «Blick» am Montagnachmittag. Im Online-Artikel steht, der Schweizer Fussballverband (SFV) habe eine Lösung gefunden für das Problem mit den Nicht-Profi-Vereinen, die noch im Wettbewerb sind. Der Schweizer Fussballfan könne nun aufatmen. Auch dieses Jahr werde es einen Cupsieger geben. Der einzige Leidtragende sei der FC Solothurn.

Der Artikel bezieht sich auf eine Mitteilung des SFV, der am Montag informiert: «Der FC Solothurn hat nach diversen Vorabklärungen und einer eingehenden Analyse der schwierigen Situation auf die Beantragung einer Sonderbewilligung verzichtet. Der Schweizer Cup wird deshalb ohne den FC Solothurn fortgesetzt und der SC Kriens ist automatisch für die Viertelfinals qualifiziert.»

Die anderen drei noch ausstehenden Achtelfinals werden am 7. April stattfinden. Der Erstligist Vevey United (Waadt) und Monthey aus der 2. Liga inter (Wallis) bekamen von ihrer Kantonsregierung eine Sondererlaubnis, dürfen also rund drei Wochen ohne Einschränkungen trainieren und ihre Achtelfinals nach Ostern bestreiten.

Solothurns Trainer Jürg Widmer und Sportchef Hans-Peter «Bidu» Zaugg bedauern sehr, dass ihre Spieler um den Cup-Fight gegen den SC Kriens aus der Promotion League gebracht wurden.

Solothurns Trainer Jürg Widmer und Sportchef Hans-Peter «Bidu» Zaugg bedauern sehr, dass ihre Spieler um den Cup-Fight gegen den SC Kriens aus der Promotion League gebracht wurden.



Hanspeter Bärtschi

Das Forfait-Aus sei vor allem für den Trainer und die Spieler bitter, die sich, natürlich immer unter den gerade geltenden Vorlagen, intensiv auf diesen Cup-Match vorbereitet hätten, sagt Solothurns Sportchef Hans-Peter Zaugg. «Wir sind eigentlich immer davon ausgegangen, dass wir irgendwann spielen können. Und wir haben uns auch gewisse Chancen ausgerechnet.»

Als letzte Woche bekannt wurde, dass die 1. Liga weiter als nicht-semiprofessionell gilt und keine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Sicht ist, fragte der FCS beim Kanton nach. «Man sagte uns, dass es wohl keine Möglichkeit für eine Sonderbewilligung gäbe. Der Kanton müsse sich an die Vorschriften halten.»

Aufgrund der Aussagen der Verantwortlichen beim Kanton und nach Einschätzung der Lage sei man beim FC Solothurn zum Entschluss gekommen, keinen Antrag auf eine Sonderbewilligung zu stellen, erklärt Co-Präsident Samuel Scheidegger. Der Ertrag, ein Cupspiel nach minimalster Vorbereitung vor leeren Rängen gegen einen übermächtigen Gegner aus der Challenge League, rechtfertige den Aufwand nicht.

«Wir wollen beim Kanton auch nicht unnötig Leute beschäftigen», sagt er. Auch das Risiko sei zu gross, wägt Scheidegger ab und denkt dabei an mögliche Ansteckungen, aber auch an Verletzungen. Die knapp drei Wochen reichen in seinen Augen nicht aus, um die Spieler richtig auf den Cup-Match vorzubereiten. «Emotional ist dieser Entscheid für den Klub sicher schwer verkraftbar, rational gesehen befinden wir uns aber am Anfang einer dritten Welle», sagt Scheidegger.

«Am schlimmsten ist es für die Spieler, vor allem für die Jungen», sagt Trainer Jürg Widmer. Er sei enttäuscht, obwohl es so gekommen ist, wie er es erwartet habe: Der FC Solothurn muss seine Cup-Träume begraben. Es sei falsch, dass die Erstligisten nicht als semi-professionell, sondern als Amateure eingestuft werden, nennt er das Hauptproblem. «Dass sich der Kanton an diese Empfehlungen hält und die Vorgaben durchsetzt, ist dagegen richtig», sagt Widmer.